text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

London Ein Uralte Metropole Roman von Marzi, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.09.2016
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

London

Schwere Schneeflocken tanzen in der Dämmerung, als Emily Laing das erste Mal London nicht mehr findet. Doch wie kann das sein? Eine ganze Stadt verschwindet doch nicht einfach so. Mitsamt all ihren Schornsteinen, Bewohnern und Geheimnissen. Hat das vielleicht etwas mit den beiden seltsamen alten Damen zu tun, die Emily entführen? Oder hängt es mit dem Waisenmädchen zusammen, das plötzlich auf den Stufen einer U-Bahn-Rolltreppe auftaucht? Noch einmal müssen Emily und ihre Gefährten, der Alchemist Wittgenstein, Maurice Micklewhite und die kluge Ratte Minna, in die Tiefen der Uralten Metropole hinabsteigen. Denn hier, in der magischen Stadt unter der Stadt, liegt die Antwort. Und die Gefahr ...

Christoph Marzi, Jahrgang 1970, wuchs in Obermendig nahe der Eifel auf, studierte in Mainz und lebt heute mit seiner Familie im Saarland. Seit dem großen Erfolg seiner Saga um die Uralte Metropole (Lycidas, Lilith, Lumen und Somnia) ist er einer der bekanntesten deutschen Phantastik-Autoren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 704
    Erscheinungsdatum: 12.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641184285
    Verlag: Heyne
    Größe: 904 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

London

2. Kapitel

Piccadilly Mayfair

Das Geräusch der einfahrenden U-Bahn weckte Emily. Schwülwarme Luft wehte aus dem Tunnel, dann blinzelte sie und sah in die Scheinwerfer des Triebwagens wie in zwei große runde Augen, die auf sie zukamen. Das schrille Quietschen der Bremsen vermischte sich mit der Ansage aus den Lautsprechern, die vor der Lücke zwischen U-Bahn und Bahnsteig warnten. Emily wusste nicht, wo sie war, doch ein einziger Blick genügte ihr, um sich Klarheit zu verschaffen. Tottenham Court Road. Dies war die Northern Line, Richtung Morden, im Süden. Vor wenigen Monaten erst waren die Renovierungsarbeiten in diesem Teil der Station abgeschlossen worden.

"London", murmelte sie benommen.

Wie war sie hierhergekommen?

Die Melodie, die Mrs. Pumblechook und Mrs. Pecksniff gesummt hatten, ging ihr nicht aus dem Kopf.

I'm Called Little Buttercup .

Aber von den beiden kleinen alten Damen war nichts zu sehen.

Emily seufzte leise.

Ihre Gedanken schälten sich nur langsam aus dem Nebel dessen, was die beiden ihr in Cambridge verabreicht hatten. Emily fasste sich an den Hals, und die Einstichstelle der Nadel schmerzte noch immer ein wenig.

"London."

Okay, sie hatte das nicht geträumt. Es war passiert. In Cambridge. Man hatte ihr gesagt, es gebe keine Stadt namens London. Doch dann hatten sich die beiden alten Damen mit ihr auf den Weg dorthin machen wollen, und das, obwohl Emily sich nicht mehr hatte rühren können.

"London", murmelte sie und schüttelte ungläubig den Kopf. Die Stadt, an die sich niemand hatte erinnern können, die Stadt, die, wie sie geglaubt hatte, verschwunden war, getilgt aus allen Landkarten und sogar aus dem Internet - hier war sie also wieder.

Sie betrachtete ihre Umgebung und stellte fest, dass ihre Sinneswahrnehmungen und ihr Denken noch nicht ganz zueinandergefunden hatten.

Du bist gerade erst aufgewacht , rief sie sich ins Gedächtnis zurück. Sie haben dich betäubt und jetzt ...

Sie schüttelte den Kopf.

Noch immer hatte sie den schwachen Geruch des Ladens in der Nase, das Kaminfeuer, die alten Bücher. Das heulende Geräusch des Windes in den Ohren, der die dicken Schneeflocken gegen die Ladentür und das Schaufenster wehte. Cambridge. Das Quincunx. Die beiden alten Damen. Das Geheimnis der verschwundenen Stadt.

"London", wiederholte sie. Sie war hier, kein Zweifel.

Die U-Bahn hielt an, die roten Türen öffneten sich, und die Fahrgäste quollen aus dem Inneren, strömten lärmend und eilig wie immer zu den beiden Ausgängen - von denen einer nach oben führte und einer rüber zur Northern Line, die dort tatsächlich in Richtung Norden fuhr -, und dann waren sie so schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht waren.

Die U-Bahn hatte die neuen Fahrgäste geschluckt, die Station verlassen, und es herrschte Stille.

Abgesehen von den normalen U-Bahn-Geräuschen, die so gängig und allgegenwärtig waren, dass man sie schon gar nicht mehr beachtete.

Emily seufzte und streckte die Glieder, fühlte die Benommenheit, die ihren Körper noch immer im Griff hatte. Sie war müde. Ansonsten schien alles in Ordnung zu sein. Sie trug ihren Mantel. Irgendjemand musste ihn ihr über gezogen haben. Sie griff in die Manteltaschen. Handschuhe, Taschentücher, Lippenfettstift, alles war noch da.

Dann schaute sie auf die Uhr.

21:24.

Sie stutzte.

Nein, das war nicht möglich. Sie war vor kaum mehr als einer dreiviertel Stunde noch in Cambridge gewesen. Dann hatte sie, dank der beiden alten Damen, das Bewusstsein verloren. Und nun war sie in der Tottenham Court Road? Ausgeschlossen! Niemand hätte es schaffen können, sie in so kurzer Zeit nach London zu bringen.

Setz das als nächsten Punkt auf die Liste der Rätsel des Tages , sagte

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen