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Lovecraft Country Roman von Ruff, Matt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.05.2018
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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Lovecraft Country

Atticus Turners Gefühle für seinen Vater waren schon immer zwiespältig. Doch als der verschwindet, macht Atticus sich wohl oder übel auf die Suche. Auch wenn die Spur nach 'Lovecraft Country' in Neuengland führt, Mitte der 50er Jahre ein Ort der schärfsten Rassengesetze in den USA. Mit Hilfe seines Onkels George, Herausgeber des 'Safe Negro Travel Guide', und seiner Jugendfreundin Letitia gelangt Atticus bis zum Anwesen der Braithwhites. Hier tagt eine rassistische Geheimloge, mit deren Hilfe Braithwhite junior nichts weniger als die höchste Macht anstrebt. Matt Ruff erzählt mit überbordender Phantasie und teuflischem Humor die wahnwitzigen Abenteuer einer schwarzen Familie.

Matt Ruff, 1965 in New York geboren, wurde bereits mit seinem ersten Roman Fool on the Hill (Hanser, 1991) zum Kultautor. Bei Hanser erschienen außerdem G.A.S. (Die Trilogie der Stadtwerke. Roman, 1998), Ich und die anderen (Roman, 2004), Bad Monkeys (Roman, 2008) und Lovecraft Country (Roman, 2018). Matt Ruff lebt in Seattle, Washington.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 14.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446259447
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: Lovecraft Country
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Lovecraft Country

 

 

LOVECRAFT COUNTRY

 

JIM-CROW-MEILE - Eine Maßeinheit speziell für farbige Kraftfahrer, die sowohl geografische Distanz als auch plötzlich auftretende Anwandlungen von Angst, Paranoia, Frustration und Empörung umfasst. Ihre vielgestaltige Natur lässt keine exakte Berechnung der Reisedauer zu, und ihre Heftigkeit gefährdet ständig Gesundheit und psychisches Wohlergehen des Reisenden.

The Safe Negro Travel Guide, Ausgabe Sommer 1954

 

 

Atticus war schon beinahe zu Hause, als der State Trooper ihn rechts heranfahren ließ.

Vor zwei Tagen war er in Jacksonville mit einem gebrauchten 48er Cadillac Coupé aufgebrochen, den er von seinem letzten Sold gekauft hatte. Am ersten Tag fuhr er vierhundertfünfzig Meilen, verpflegte sich aus einem Korb, den er vorsorglich eingepackt hatte, und hielt nur an, um zu tanken. Bei einer Tankstelle war das Klo für Schwarze außer Betrieb, und als der Tankwart ihm den Schlüssel für die Toilette für Weiße verweigerte, war Atticus gezwungen, in die Büsche hinter der Tankstelle zu pinkeln.

Er übernachtete in Chattanooga. The Safe Negro Travel Guide hatte vier Hotels und ein Motel aufgeführt, alle im gleichen Stadtteil. Atticus entschied sich für das Motel, zu dem ein Vierundzwanzig-Stunden-Diner gehörte. Das Zimmer kostete drei Dollar, genau wie im Guide angegeben.

Am anderen Morgen schaute er sich im Diner den Straßenatlas an. Bis Chicago waren es noch einmal sechshundert Meilen. Auf halbem Weg dorthin lag Louisville, Kentucky, wo es nach Angaben des Guide ein Restaurant gab, in dem er zu Mittag essen konnte. Atticus überlegte einen Moment, doch obwohl er gern seine Heimkehr noch hinausgezögert hätte, war der Wunsch, den Süden hinter sich zu lassen, noch stärker. Also holte er nach dem Frühstück seinen Korb aus dem Wagen und ließ sich vom Koch Sandwiches, Cokes und ein kaltes Brathähnchen geben.

Gegen eins erreichte er den Ohio, die Grenze zwischen Kentucky und Indiana. Als er über eine Brücke fuhr, die den Namen eines toten Sklavenhalters trug, kurbelte er die Scheibe herunter und zeigte Jim Crow zum Abschied den gereckten Mittelfinger. Ein weißer Autofahrer kam ihm entgegen, sah die Geste und rief irgendetwas Unflätiges, aber Atticus lachte nur, trat aufs Gaspedal und war im Norden.

Nach einer Stunde Fahrt an ausgedehnten Feldern vorbei hatte er eine Reifenpanne. Atticus fuhr vorsichtig bis zu einer Bucht am Straßenrand, wo er gefahrlos halten konnte, und stieg aus, um den Ersatzreifen aufzuziehen, aber der war ebenfalls platt. Das ärgerte ihn, denn er hatte das Reserverad vor der Abfahrt überprüft und geglaubt, es sei in Ordnung, doch wie drohend er es auch ansah, der Reifen war und blieb beharrlich platt. Ein Reifen aus dem Süden, und Atticus dachte: Jim Crows Rache.

Zehn Meilen weit hinter ihm waren nichts als Felder und Wald, aber vor sich sah er in einer Entfernung von etwa zwei Meilen eine Ansammlung von Gebäuden. Er nahm den Safe Negro Travel Guide und machte sich zu Fuß auf den Weg. Auf der Straße herrschte reger Verkehr, und zunächst versuchte er, Autos anzuhalten, die in seine Richtung fuhren, aber entweder ignorierten ihn die Fahrer, oder sie drückten extra aufs Gas, und schließlich gab er den Versuch auf und konzentrierte sich darauf, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Er gelangte zum ersten Gebäude. Auf dem Schild an der Fassade stand JANSSENS AUTOREPARATURWERKSTÄTTE, und Atticus dachte schon, er habe Glück, aber dann sah er die Konföderiertenflagge über der Einfahrt. Das hätte ihn fast dazu gebracht, einfach weiterzugehen, aber er sagte sich, er müsse es versuchen.

In der Werkstatt waren zwei weiße Männer, ein kleiner Kerl mit flaumigem Schnauzer, der auf einem hohen Hocker saß und in einer Zeitschrift blätterte, sowie ein deutlich größerer Mann, der si

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