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Mängelexemplare 4: Heimgesucht Horroranthologie

  • Verlag: Amrun
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Mängelexemplare 4: Heimgesucht

Sie sind wieder da! Entfesselt. Gnadenlos. Sie lauern in nebelverhangenen Steinhäfen, verbergen sich in verlassenen Häusern und manifestieren sich in überlegenen Computerintelligenzen. Streuen ihre böse Saat in den Seelen unschuldiger Kinder. Sie verkörpern das Unheimliche in sechs mitreißenden Spuk- und Geistergeschichten von Michael Marrak, Arthur Gordon Wolf, Harald Weissen, Carlo Reißmann, Torsten Scheib und Constantin Dupien. Mit Illustrationen von Julia Takagi und einem spannenden Artikel von Eric Hantsch, der den Spuren der Spukerzählung folgt. Der lang erwartete vierte Band der mehrfach ausgezeichneten Mängelexemplare-Reihe. Platz 1 als 'Beste Anthologie' des Vincent-Preis 2017

Constantin Dupien veröffentlicht seit 2013 Kurzgeschichten. Seine Erzählungen handeln zumeist von menschlichen Abgründen, makabren Erlebnissen oder mysteriösen Begebenheiten, lassen sich jedoch nicht immer dem Genre der Phantastik zuordnen. Dupiens Repertoire reicht von Edgar-Allan-Poe-inspirierten Schauererzählungen und klassischem Horror über Liebesgeschichten und Gedichte bis hin zu Science-Fiction und Kriminalliteratur. Dabei bedient er sich häufig einer altmodischen und schwerfälligen Sprache. Als Herausgeber zeichnet er verantwortlich für die Anthologiereihe Mängelexemplare.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 300
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958691896
    Verlag: Amrun
    Serie: Mängelexemplare Bd.4
    Größe: 2539kBytes
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Mängelexemplare 4: Heimgesucht

Ein Schattenmärchen

Michael Marrak

Seid gegrüßt, Kinder. Folgt meiner Stimme.

Keine Angst vor dem Rauch, er verhüllt die Wirklichkeit und vertreibt die lästigen kleinen Blutsauer. Ihr findet mich dahinter. Seid leise und gebt Acht beim Klettern, das Gestein ist locker und seine Kanten scharf. Nehmt eure Jungen auf den Rücken, seid behutsam und zügelt eure Gedanken.

Kommt näher, ich will eure Gesichter sehen. Schart euch dicht ums Feuer, denn meine Stimme ist wertvoll. Ich muss euch etwas über die Gefallenen erzählen - und euch warnen. Tretet heran, doch denkt nicht an Gott oder die Erlösung, denn das sind die Gedanken, die sie als erstes hören - und die sie zu euch führen ...

Niemals dürfen sie mich hier unten bei euch finden.

Niemals!

Ihr wisst, die Kreaturen lauschen nur nach den Titeln, die der erste Schatten ihnen verliehen hat. Die wahre Essenz bleibt ihnen verwehrt. Keines ihrer Augen darf diesen Ort jemals erblicken, versteht ihr? Schwört bei den letzten Funken des Lichts, dass ihr niemals an Gott denken werdet, solange ihr euch um mein Feuer schart. Jene, die ihre Gedanken nicht zu zügeln vermögen, sollen kehrtmachen und ihren Seelenfrieden an einem anderen Ort suchen. Schert euch fort, ihr unbelehrbaren Heilsträumer!

Doch ihr anderen, kommt näher. Achtet auf die Spalten, der Sturz in die Tiefe ist schmerzvoll - und manchmal endlos. Hört zu, was ich euch zu sagen habe.

Es war bereits Abend, als ich vor zwei Tagen von der Gedankenbank nach Hause kam. Ja, ganz langsam wird mein Kopf immer kleiner, und mein Körper schwindet. So ergeht es allen, die ihren Frondienst für die Schatten leisten. Ihre Köpfe haben nur mehr die Form von Geschwüren, kaum größer als zwei Männerfäuste. Schrecklich ist der Preis für eine Zusammenkunft mit den Regenten.

Still!

Habt ihr das auch gehört? Seid ihr sicher, dass sich auf dem Weg hierher kein heuchelndes Geistergesindel unter euch gemischt hat? Ich kenne die Stimmen jener, die sich in Schafspelze hüllen und Augen und Ohren der Regenten sind.

Legt eure Lupen ab und lasst mich eure Körper sehen! Ziert euch nicht, euch zu entblößen - doch vermeidet es, einander zu berühren, solange ihr nicht wisst, ob ihr rein seid. Falls sich unter eurer nackten Haut etwas versteckt, das nicht hierher gehört, werde ich es sehen. Sollte euer Fleisch befallen sein, werde ich es erkennen. Kein Seelenfresser und kein Traumwandler kann sich im Feuerschein vor mir verstecken.

Hütet euch vor jenen unter euch, die zwei Schatten werfen! Sie sind nicht das, was sie euch Glauben machen wollen. Im erstbesten Moment werden sie euch in den Rücken fallen, euch Dornenfesseln anlegen und in ihre Ektoplasma-Bottiche stecken, randvoll mit amorphen Unwesen, die noch keine Form gefunden haben.

Verzeiht, es ist unhöflich von mir, in eurem Beisein an die Gräuel zu denken. Meine Erinnerungen treiben mich dazu, die verfluchten Erinnerungen und die brennenden Narben ...

Nun, setzt euch. Ich sehe, dass ihr frei seid von Schuld und wahrhaftig ihr selbst. Das ist alles andere als selbstverständlich in diesen Zeiten. Ich möchte weitererzählen, weiterbestehen, so lange sie diesen Ort meiden.

Vor zwei Tagen also kehrte ich zurück von der Gedankenbank und betrat die Ruine meines Hauses. Es ist ein nostalgisches Ritual, nach der Heimkehr einen Blick aus jedem der Fenster meiner Wohnung zu werfen - hinaus auf die im Abendrot erstarrten Häuserruinen und hinab auf die Trümmerberge, hinter denen leise Stimmen Lieder der Hoffnung singen. Der Schutt, das wisst ihr, hat scharfe Kanten und reißt tiefe Wunden in die Körper jener, die aus Fleisch und Blut geschaffen sind. Ich erinnere euch nicht ohne Grund daran. Unser warmes Blut ist die Apanage für die Regenten. Gierig lecken sie es wie Honig von den Trümmern und baden darin, wo es sich zu halbgeronnenen Pfuhlen sammelt.

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