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Magenta Zwiebelberg ein Märchen von Berger, Betty (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.04.2017
  • Verlag: TWENTYSIX
eBook (ePUB)
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Magenta Zwiebelberg

Die Steine, die Magenta Zwiebelberg ins Wasser wirft, verschwinden seltsamerweise, ohne Ringe zu hinterlassen, nur mit einem leisen ,plb', unter der Wasseroberfläche. Doch macht sie das schon zu einer Hexe? In diesem Sommer lähmt eine schrecklichen Dürre das ,Land-diesseits-der-Berge'. Der sonst so tiefe Sarfan-See trocknet aus und gibt den Zugang zu einem verborgenen Labyrinth frei. Das darin Schlummernde, längst Vergessene, erwacht und findet hungrig seinen Weg zu den Menschen. Auf einmal erweist sich Magentas Nichtfähigkeit als ausgesprochen nützlich und sie begibt sich auf den langen Weg durchs Labyrinth. Geboren und aufgewachsen in Köln, lebt in Norddeutschland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 24.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740793357
    Verlag: TWENTYSIX
    Größe: 938kBytes
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Magenta Zwiebelberg

Kapitel I

Wenn man einen Stein ins Wasser wirft und er keine Ringe zieht, stimmt irgend etwas nicht. Entweder mit dem Stein oder mit dem Wasser. Oder mit der Schwerkraft. Dann ist man allerdings wahrscheinlich auf dem falschen Planeten. Oder es stimmt etwas nicht mit demjenigen, der den Stein wirft. Magenta Zwiebelberg wußte, daß mit ihr etwas definitiv nicht stimmte. Das zu wissen, machte sie nicht fröhlicher und so stapfte sie ziemlich übellaunig den Pfad entlang, der von den Bauern, die ihre Waren nach Hammelvest brachten, ausgetreten worden war.

Obwohl der Weg sie durch einen wunderschönen Sommerwald voller Buchen, Eichen, Birken, Tannen, Farne und zwitschernder Vögel aller Art führte und die Sonne warm und hell vom Himmel schien, war Magenta nicht gut gelaunt. Es hatte in der Nacht zuvor geregnet und der Wald war voller Pfützen. Magenta konnte Pfützen nicht ausstehen, genau sowenig wie jede andere glatte Wasseroberfläche, sei es nun eine Pfütze, eine Tasse Tee oder der Sarfan-See. Jede glatte Wasseroberfläche schien sie höhnisch anzugrinsen, zu verspotten und herauszufordern. Magenta wußte, daß sie es nicht tun sollte, aber sie konnte es sich nicht verkneifen, die Herausforderung anzunehmen und in wirklich jede Pfütze mindesten einen Stein zu werfen, um ihm dann minutenlang hinterher zu starren und zu beobachten, wie sich keine Kreise auf der Wasseroberfläche bildeten. Egal wie viele Steine sie auch warf, oder auch wohinein sie sie warf, ob in eine Pfütze, einen Tümpel oder einen großen See, von mir aus auch nur in ein Faß oder eine Regentonne: nie bildeten sich um die von ihr geworfenen Steine Ringe auf der Wasseroberfläche. Magenta wußte das schon lange und ebenso lange konnte sie an keiner Wasserfläche vorbeigehen ohne einen Stein - oder viele - hineinzuwerfen.

Zu allem Überfluß - als hätte sie es nicht vorhersagen können! - kam ihr hinter der nächsten Wegbiegung auch noch Thomas entgegen. Mitsamt seinen Adlaten, Adjutanten, Kumpels - also seiner gesamten Räuberbande. Nur Ziegenbart konnte sie nicht entdecken. Weiß der Himmel, wo ihr Bruder wieder steckte. Früher hatte sie Thomas eigentlich immer recht gern gehabt. Sie hatten sich gut verstanden. Bis zu dem Tag, an dem er ihr partout hatte beibringen wollen, wie man einen Stein ins Wasser wirft. Wie man ihn richtig ins Wasser wirft. So, daß er Kreise macht. Den ganzen Nachmittag lang hatte er immer wieder Steine ins Wasser geschleudert und sie aufgefordert, es ihm nachzumachen. Ganz genau so zu machen wie er. Sie hatte es ganz genauso gemacht wie er. Doch während seine Steine fünf-, sieben- oder gar zwölfmal über das Wasser sprangen wie kleine Elfen und jedesmal dabei wunderhübsche konzentrische Kreise hinterließen ehe sie elegant mit einer letzten Drehung unter Wasser glitten, verschwanden Magentas Kiesel nur einfach mit einem kaum hörbaren 'pblb' unter Wasser. Sie machten nicht einmal ein richtiges Geräusch. Thomas zeigt es ihr immer wieder: "So mußt Du es machen, siehst Du, so mußt Du den Stein halten, so das Handgelenk drehen beziehungsweise so nicht drehen, so mußt Du mit den Arm ausholen, flach, flach..." und Magenta machte es hundertmal genauso, wie Thomas es ihr zeigte, sie hielt den Stein genauso, - flach, flach! -drehte das Handgelenk genau so und genau so nicht, holte genau so mit dem Arm aus. Nur erzielte sie damit nicht genau solche Kreise. Nur das immer gleiche 'pblb'. Bis Thomas mit geballten Fäusten vor ihr stand und sie wütend anschrie: "Wie kann man nur so verbohrt sein! Wieso machst Du es nicht einfach so wie ich es Dir zeige!" und Magenta, den Tränen nahe, zurückschrie: "Ich HABE alles GENAUSO gemacht wie Du, es funktioniert bei mir nicht. Es liegt an MIR! ICH KANN ES NICHT!" Sie schleuderte vehement eine ganze Handvoll Steine ins Wasser, ohne Drehung und Ausholen, einfach so, und sie verschwanden alle sang und klanglos, nur mit ein paar lustlosen 'pblbs' im See. Die Wasseroberfläche blieb da

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