text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Nummer 3 Thriller von Lake, Nicholas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.05.2015
  • Verlag: Fahrenheit
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Nummer 3

Bislang war Amy die Tochter eines reichen Bankers, die gemeinsam mit ihren Eltern zu einem langweiligen Segeltörn aufbrach. Doch jetzt ist sie 'Nummer Drei' - eine Geisel in der Gewalt von Piraten. Vor der Küste Somalias haben sie Amys Yacht geentert und die gesamte Besatzung gefangen genommen. Damit zwischen Piraten und Geiseln keine emotionale Beziehung entsteht, werden allen Passagieren Nummern gegeben. Amy wird Geisel Nummer Drei - doch das verhindert nicht, dass sie sich ihrem Bewacher, dem jungen Farouz annähert. Damit bringt sie sich in Lebensgefahr und beschwört eine Katastrophe herauf ... Nicholas Lake lebt als Autor und Lektor in England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 11.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492982153
    Verlag: Fahrenheit
    Größe: 1496kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Nummer 3

1 Über mir explodierte der Baum und entließ einen Schwarm krächzender Sittiche, deren Flügel wie Gewehrschüsse knallten.

Ich fuhr auf und hätte beinahe meine Schultasche fallen gelassen.

Die verdammten Vögel, dachte ich. Niemand wusste, woher sie gekommen waren. Manche behaupteten, sie seien aus einem Privatzoo entflogen. Einmal erzählte mir jemand, man habe sie für Filmaufnahmen in den Teddington Studios importiert. Es waren Halsbandsittiche aus dem Himalaja, was erklärte, warum sie auch im kühlen Londoner Klima so gut gediehen. Sie kamen zwar in der ganzen Stadt vor, aber Mom, die sich mit den verrücktesten Sachen auskannte, hielt den Schwarm bei uns für den größten. Wenn man am Fluss entlang in Richtung Richmond ging, entdeckte man die Vögel in den Bäumen. Kleine grüne und gelbe Körper, die blitzschnell aufflatterten und einen Heidenlärm veranstalteten. Mom sagte immer, je schöner der Vogel, desto hässlicher der Gesang. Deshalb seien Nachtigallen unscheinbar braun, während Papageien ein Gekreisch ausstießen, das Tote aufwecken könne.

An diesem Morgen war ich auf dem Weg zur Schule. Genauer gesagt sollte es mein letzter Schultag werden, an dem die Abschlussprüfungen stattfinden würden. Wie jeden Morgen ging ich über die Allmende zur Haltestelle der Linie 65 .

Die Schule war ein Mädchencollege in Surbiton. Wir wohnten in Ham, das einerseits zu London gehört, andererseits aber ein richtiges kleines Dorf mit Allmende, Pub und Kirche war. London war ringsherum gewachsen und hatte das Dorf unverändert gelassen. So wie einen Ehering, der einem richtig fetten Menschen ins Fleisch einwächst.

Das Wort ham bedeutet auf Altenglisch so viel wie Dorf, was man in Namen wie Buckingham oder Cheltenham wiederfindet. Offensichtlich ereignete sich in Ham so wenig, dass es genau wie in alten Tagen einfach das Dorf war, das nichts Besonderes aufzuweisen hatte. Abgesehen davon, dass es auf eine verdrehte Weise natürlich schon wieder außergewöhnlich war, wenn dort rein gar nichts passierte. Irgendwie hatte sich der Ort in der Vergangenheit verloren wie ein Schiff, das lange kein Land mehr sieht, bis die Menschen darauf schließlich eine leicht abgewandelte Sprache sprechen. Deshalb hatte das Dorf tatsächlich etwas Wunderliches an sich, so als sei es geradewegs einem Märchenbuch entsprungen.

So gab es dort beispielsweise eine Straße, die Halsabschneidergasse hieß. Der schmale Weg führte zur Themse hinunter. Zwischen der Allmende, wo wir wohnten, und dem riesigen Richmond Park erstreckte sich außerdem ein Waldstück, das - Ehrenwort, ich lüge nicht - die Wildnis hieß. Es war tatsächlich ziemlich wild. Eine Gegend, wo in Krimis gern mal Leute ermordet werden.

Das Verrückteste war aber dieser Sittichschwarm.

Woher die Vögel auch gekommen waren, man sah sie ständig - sie hockten auf Stromleitungen oder flogen umher -, aber ich konnte mich nie richtig an sie gewöhnen. Vor den braunen und grauen Farbtönen Londons im Hintergrund waren sie unglaublich bunt, und ich dachte mir: Wie lange dauert es wohl, bis man wirklich irgendwo zu Hause is t ? Manche Leute behaupteten, die Sittiche seien schon seit fünfzig Jahren in der Gegend. Wann kommt der Zeitpunkt, an dem wir sagen, na gut, jetzt sind sie Briten? Ich meine, wir haben in der Schule gelernt, dass die Römer vor tausend Jahren Fasane nach Britannien brachten, und heute sind Fasane so britisch, wie nur irgendetwas britisch sein kann.

Ich bin den Sittichen ziemlich ähnlich. Ich bin zur Hälfte Britin und zur Hälfte Amerikanerin und lebte damals erst seit ein paar Jahren in England. Abgesehen von Carrie und Esme, die ich als Freundinnen betrachtete, hatte ich mich noch nicht richtig an das Leben hier gewöhnt. Im Gegensatz zu den versnobteren Mädchen standen die beiden auf amerikanische Serien und hielten deshalb auch große Stücke auf mich. Sie forderten mich oft auf, irgendetwas zu

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen