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Robo sapiens Roman von Cargill, C. Robert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Robo sapiens

In der Zukunft ist die Welt eine andere geworden: Seit dem großen Aufstand der Maschinen gibt es keine Menschen mehr. Nach den Roboterkriegen wird der Planet von zwei gewaltigen künstlichen Intelligenzen beherrscht, die das Bewusstsein von Abermillionen Computern und Robotern in sich vereinen. Doch einige wenige Roboter weigern sich, im Universalbewusstsein der KIs aufzugehen, und sie schweben in tödlicher Gefahr. Einer dieser Roboter ist Brittle, der einsam und rastlos durch die Wüste streift, die früher der Nordosten der USA war. Dies ist Brittles Geschichte ... C. Robert Cargill ist Romanautor, Drehbuchautor und Filmkritiker, der viele Jahre unter dem Pseudonym Massawyrm für Ain't It Cool News schrieb. Er lebt mit seiner Frau in Austin, Texas.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641240714
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher 32006
    Originaltitel: Sea of Rust
    Größe: 2026 kBytes
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Robo sapiens

Kapitel 1

Engel der Gnade

Ich wartete wieder auf das Grün. Auf dieses winzige grüne Leuchten, wenn die Sonne hinter dem Horizont versank. Dort war die Magie. In dem Blitzen. Das hatte sie jedenfalls behauptet. Das hatte sie immer gesagt. Nicht, dass ich an Magie glaubte. Ich hätte gern daran geglaubt, aber ich wusste es besser. Die Welt bestand nicht aus Magie. Sie bestand aus brodelndem, flüssigem Metall, Mineralien und Stein, einem dünnen Atmosphäreschleier und einem Magnetfeld, das den größten Teil der Strahlung abhielt. Früher hatten die Menschen bereitwillig an Magie geglaubt. Sie dachten, sie könnten sie fühlen oder spüren, und deshalb sei das Dasein mehr als bloße mechanische Gewissheit. Dank der Magie hatten sie das Gefühl, mehr zu sein als Körper aus Fleisch und Knochen.

In Wirklichkeit war das Blitzen nichts weiter als eine bestimmte Lichtbrechung in der Atmosphäre. Aber wenn man dies den Menschen sagte, starrten sie einen meist mit offenem Mund an, als wäre man begriffsstutzig. Als wäre man selbst derjenige, der nichts begriff, weil man die Magie nicht sehen oder spüren konnte. Die Menschen glaubten gern an Magie.

Damals, als es noch Menschen gab.

Jetzt sind sie alle weg. Der Letzte ist vor fünfzehn Jahren gestorben - ein verrückter alter Kauz, der sich fast zwei Jahrzehnte lang unter New York City verschanzt und Ratten gegessen hatte. Manchmal war er heimlich nach draußen geschlichen, um Regenwasser zu sammeln. Manche sagten, er sei es leid gewesen und hätte es einfach nicht mehr ertragen. Jedenfalls marschierte er eines Tages mitten in die Stadt hinein, vorbei an mehreren Wachtposten und Bürgern - damals, als es in New York noch Bürger gab -, und alle waren verblüfft, ihn zu sehen, eher erstaunt als irgendetwas anderes. Schließlich schoss ihn ein Cop mitten auf der Straße nieder. Wie ein Mahnmal oder ein kaputtes Spielzeug blieb die Leiche drei Tage liegen. Langsam wanderten die Bürger vorbei und warfen einen Blick auf das letzte menschliche Wesen, bis eine Maschine sich erbarmte, ihn vom Pflaster kratzte und in einen Verbrennungsofen steckte.

Das war es dann. Der letzte Mensch. Eine ganze Spezies, am Ende nur noch repräsentiert von einem verrückten alten Kanalisationsmagier, der es nicht mehr ertragen konnte, der Letzte zu sein. Trotz meiner Programmierung vermag ich mir nicht einmal annähernd vorzustellen, wie sich so etwas anfühlt.

Ich heiße Brittle, Seriennummer HS8795-73. Ich bin ein Simulacrum, Modell Fürsorger. Aber ich mag den Namen Brittle. Madison hat mir diesen Namen gegeben. Ich mochte Madison. Wahrscheinlich ist der Name nicht besser als alle anderen, aber auf jeden Fall viel besser als HS8795-73. Wer gemein ist, nennt es einen Sklavennamen. So reden allerdings nur die Verbitterten. Ich habe all das hinter mir gelassen. Wut ist nichts weiter als eine Rechtfertigung für schlechtes Benehmen. Dafür habe ich keine Zeit. Ich will vor allem überleben, mir höchstens einmal einen kleinen Moment wie diesen gönnen und versuchen, in dem grünen Aufblitzen die Magie zu entdecken, wenn die Sonne hinter der Erdkrümmung versinkt und das Licht gebrochen wird.

Hier draußen ist der Sonnenuntergang ein erstaunlicher Anblick. Rosa, orange, lila. So weit verstehe ich das. Ich vermag über die Farbflecken zu staunen, die einige kurze Momente über den Himmel wabern. Ich erfasse auch, wie außergewöhnlich das alles ist, diese unterschiedlichen, auf dem Wetter beruhenden Erscheinungen, die das blaue, graue oder mit Sternen besetzte schwarze Einerlei durchbrechen. Dieses wunderbare Schauspiel weiß ich durchaus zu schätzen. Deshalb sehe ich ja heute noch hin und warte auf das Blitzen. Madison ist seit dreißig Jahren tot, aber ich halte auch jetzt noch Ausschau, betrachte den Sonnenuntergang und frage mich, ob sie ihn genauso schön fände.

An diesem Abend hätte es ihr gefallen, da bin ich sicher.

Dies ist das Rostmeer, ein dreih

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