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Schismatrix Roman von Sterling, Bruce (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.08.2014
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Schismatrix

Jenseits aller Ideologien
Der Homo sapiens der Zukunft hat zwei Möglichkeiten, um über sich hinauszuwachsen: Entweder er ist ein Former und lässt seine Gene gezielt manipulieren, oder er ist ein Anhänger der Mechs, die ihre Körper durch implantierte Chips und Cyborg-Modifikationen aufrüsten. Beide Gruppen führen seit Jahrzehnten einen Kampf darum, wessen Technologie die bessere ist. Abélard Lindsay, ein Mech, der bei den Formern ein diplomatisches Training absolviert hat, lehnt sich gegen die Dogmen beider Gesellschaften auf und wird auf dem Mond ins Exil geschickt. Durch seine Ausbildung fällt es ihm nicht schwer, sich in eine günstige Position zu bringen - doch eine emotionale Entscheidung lässt ihn alles über Bord werfen und ins All aufbrechen, wo sich das Schicksal der Menschheit entscheiden wird ...

Bruce Sterling wurde 1954 in Brownsville, Texas, geboren. Nach seinem Journalismus-Studium veröffentlichte er 1977 seinen ersten Roman 'Involution Ocean', dem noch zahlreiche weitere folgten, darunter 'Schismatrix' (1989) und 'Schwere Wetter' (1996). Zudem verfasste er mehrere Sachbücher und schreibt Artikel für verschiedene amerikanische Magazine. Bruce Sterling gilt, gemeinsam mit William Gibson, als Mitbegründer des Cyberpunk und ist einer der führenden Köpfe der Viridian-Design-Bewegung im Netz. 2003 wurde er Professor für Internetforschung und Science Fiction an der European Graduate School. Der Autor lebt heute in Turin, Italien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 25.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641111458
    Verlag: Heyne
    Größe: 503 kBytes
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Schismatrix

Bemalte Flugmaschinen glitten um die Zentralachse der Welt. Lindsay stand im knietiefen Gras und verfolgte, den Kopf im Nacken, gespannt ihre Bewegungen.

Wie zerbrechliche Papierdrachen sanken und stiegen hoch droben die von Tretpedalen getriebenen superleichten Maschinen durch die Freifallzone. Jenseits davon, am anderen Ende des Durchmessers der Zylinderwelt, leuchtete die Krümmung der Landschaft vom Gelb und dem gesprenkelten Grün der Weizen- und Baumwollfelder.

Lindsay beschattete mit der Hand die Augen gegen das Sonnenblitzen in einem der Langfenster der Welt. Ein Flieger, dessen Tragflächen die elegante Zeichnung von blauen Schwungfedern auf weißem Grund aufwiesen, stieß durch den Lichtbalken lautlos zu ihm herab. Er sah das lange Haar der Pilotin hinter ihr wehen, während sie sich wieder aufwärtsstrampelte. Er wusste, dass sie ihn gesehen hatte. Er hätte ihr gern etwas hinaufgerufen, wild mit den Armen gefuchtelt, doch er wusste ja, dass er beobachtet wurde.

Seine Kerkermeister holten ihn ein: seine Frau und sein Onkel. Die zwei Altaristokraten bewegten sich mit schmerzerfüllter Langsamkeit. Das Gesicht seines Onkels war gerötet; er hatte seinen Herzschrittmacher beschleunigt. "Du bist gerannt", sagte er. "Gerannt!"

"Ich wollte mir ein bisschen die Beine vertreten", sagte Lindsay kühl und höhnisch. "Vom Hausarrest bekomme ich Muskelkrämpfe."

Sein Onkel spähte nach oben, legte die altersfleckige Hand über die Augen, folgte Lindsays Blicken. Das Pedalopter mit der Vogelzeichnung schwebte mittlerweile über der Sauermarsch, einem versumpften Stück Land inmitten des landwirtschaftlich genutzten Paneels, wo die Bodenkrume verrottet war. "Du beobachtest anscheinend die Sauermarsch, he? Wo dein Freund Constantine arbeitet. Man sagt, er gibt dir Signalzeichen von dort."

"Philip betreibt Insektenforschung, Ehrenwerter Onkel. Nicht Kryptographie."

Aber Lindsay log. Er war während seines Hausarrests durchaus auf Constantines heimliche Signale und Informationen angewiesen.

Er und Constantine waren politische Kampfgefährten. Nach dem großen Knatsch hatte man Lindsay auf den Besitz seiner Familie in Quarantäne geschickt. Philip Constantine hingegen verfügte über unersetzliche ökologische Fähigkeiten. Also war er noch auf freiem Fuß und durfte in der Sauermarsch arbeiten.

Die lange Internierung hatte Lindsay zur Verzweiflung getrieben. Er war in Höchstform unter Menschen, wo er mit seinem diplomatischen Geschick brillieren konnte. Seit seiner Isolationshaft hatte er an Körpergewicht verloren: die hohen Wangenknochen stachen in kantigem Relief hervor, in seinen grauen Augen glomm ein mürrischer, rachsüchtiger Schimmer. Der plötzliche Spurt hatte ihm die modisch gekrausten schwarzen Locken zerzaust. Lindsay war großgewachsen und schlank, und er besaß auch das lange Kinn und die hochgeschwungenen ausdrucksstarken Augenbrauen des Lindsay-Clans.

Alexandrina, seine Frau, ergriff ihn am Arm. Ihre Kleidung war der neuesten Mode entsprechend: ein langer Faltenrock und ein weißer Arztkittel. Der reine, aber fahle Hautton verriet Gesundheit ohne Vitalität, als wäre ihre Haut perfekt, aus perfekt bedrucktem Kunstdruckpapier. Mumienhafte Schmachtlöckchen zierten ihre Stirn.

"Du hast mir versprochen, du redest nicht über Politik, James", sagte sie zu dem älteren Mann. Dann blickte sie zu Lindsay empor. "Du bist ganz blass, Abélard. Er hat dich aufgeregt."

"Bin ich blass?", sagte Lindsay. Er griff auf den Fundus seiner Shaper -Ausbildung zum Diplomaten zurück. Seine Wangen färbten sich rosig. Er ließ die Pupillen seiner

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