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SCHLIMME ZEITEN Der erste Mantel von Landolt, Heinrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.06.2015
  • Verlag: wortweit-Verlag
eBook (ePUB)
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SCHLIMME ZEITEN

1629: In Deutschland wütet der Dreißigjährige Krieg. Söldnerbanden plündern und morden. Abertausende verlieren ihr Leben. Auch der vierzehnjährige Jan hat alle Hoffnung aufgegeben. In Todesangst kniet er vor dem Scharfrichter. Das Schwert fällt, doch Jan überlebt. Der Schwarze Baron hatte ihn gewarnt. Jan stirbt nicht. Wie ein Dämon fährt er in den Körper eines Jungen, den er sich wie einen Mantel aus Fleisch und Blut überzieht. Der andere, der tumbe Sohn des Schmieds, geht unter, Jan selbst lebt in ihm weiter. Leichter wird das Überleben für Jan dadurch nicht. Verzweifelt versucht er, sich in seinem neuen Körper durchzuschlagen. Halb verhungert trifft er auf ein Mädchen, auch sie nur noch Haut und Knochen. Gemeinsam braten sie eine Hundeleber. Am nächsten Morgen ist das Mädchen verschwunden. Von dieser Stunde an tut Jan alles, um sie wiederzufinden. Und um sich an dem zu rächen, der ihm sein Schicksal aufgezwungen hat: am Schwarzen Baron.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 30.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783950377354
    Verlag: wortweit-Verlag
    Größe: 1099 kBytes
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SCHLIMME ZEITEN

Mein Ende

Ich wurde am 23. November 1629 auf dem Marktplatz von Vilshofen hingerichtet. Kuno von Erlach, der Statthalter des Burggrafen, verkündete persönlich das Urteil: "Der Bursche", so las er mit dröhnender Stimme der Menge auf dem Marktplatz vor, "soll also ums Leben gebracht werden: Mit glühenden Zangen zwei Stücke aus seinem Leib gerissen, dann mit dem Schwert vom Leben zum Tod gerichtet und der Körper zu Asche verbrannt." So geschah es. Eigentlich sollte ich dankbar sein. Ich sei noch ein halbes Kind, entschied der Statthalter und begnadigte mich zum Tod durch das Schwert, anstatt mich bei lebendigem Leib zu verbrennen. Aber zu diesem Zeitpunkt war mir das längst egal.

Das Urteil hatte der Statthalter am Vorabend gefällt, kurz bevor die Abendglocken das Ende des letzten Tages vor meiner Hinrichtung einläuteten. Der Priester wollte meine Beichte hören, aber ich hatte mich bei der Folter so heiser geschrien, dass ich keinen Ton hervorbrachte. Den ganzen Tag über gellten meine Schreie durch das Steinverlies, so laut, dass sie dort vermutlich noch heute zu hören sind. Begonnen hatte es vor Sonnenaufgang am frühen Morgen. Der Statthalter und der Priester sahen zu, wie Hannes mich an den auf dem Rücken verschränkten Armen hochzog, bis die Gelenke krachten. Als Letztes nahm ich noch wahr, wie der Statthalter die Nase rümpfte über den Gestank meines Kots, der den Beinen entlang auf den Boden klatschte. Dann kam die ersehnte Ohnmacht.

Ich hatte bereits gestanden. Nicht nur das, ich gestand alles, was man von mir hören wollte. Ich bin kein Held, bloß ein Fünfzehnjähriger mit schlaksigen Gliedern, braunem Haar und dem ersten Bartflaum, auf den ich furchtbar stolz bin. War. Aber nun hing ich nackt mit zerschlagenen Knochen an der Streckleiter und hoffte auf mein Ende.

Ein Schwall kaltes Wasser weckte mich.

"Hast du Verkehr mit dem Teufel gehabt?"

"Ja!", brüllte ich, ohne nachzudenken.

Am ersten Tag, als Hannes mich ins Verlies geschleppt hatte, legte er mir die Werkzeuge seines Handwerks eins nach dem anderen vor und erklärte sie mir ausführlich. Mit Nägeln besetzte Peitschen, Zangen, um dem Opfer das Fleisch von den Knochen zu reißen, der Daumenstock, der einem die Daumen zu Mus zerdrückt, ein hölzerner Trichter zum Einflößen von Flüssigkeit, bis einem der Leib platzt, Spanische Stiefel zum Zerquetschen der Beine und Töpfe gefüllt mit Salz und Essig für die Wunden.

"Ich gestehe alles", stammelte ich.

"Ja, das wirst du." Hannes' Augen glänzten.

Er begann mit dem Daumenstock und drehte gemächlich die dicke Schraube enger, bis das Blut unter den Nägeln hervorschoss. Dabei wand ich mich vor Schmerzen wie ein Wurm an der Angel. Je fester Hannes die Schraube anzog, desto höher kreischte meine Stimme, was ihn sehr zu belustigen schien. Als Hannes von mir abließ, glaubte ich nicht, dass es noch schlimmer werden könnte. Aber am nächsten Tag legte er mir zuerst die Spanischen Stiefel an, die er mit solchem Genuss zuschraubte, dass beide Beine splitterten.

Verkehr mit dem Teufel? Mit jedem Teufel in jeder Form. Ich faselte von Hexen mit ledernen Flügeln und unheiligen Lüsten, vom Prinzen der Dunkelheit mit Hufen, Hörnern und dem Gestank nach Schwefel, der uns seinen Hintern zur Anbetung hinhielt. Alles, um mir Hannes und seine Instrumente vom Leibe zu halten.

Wieder schüttelte der Statthalter traurig den Kopf über solche Abgründe, während der Priester meinen sich windenden nackten Körper nicht aus den Augen ließ. Nur der Schreiber des Statthalters wandte sich ab. Er erbrach sich nochmals ausgiebig, nuschelte eine Entschuldigung und stippte die Feder ins Tintenfass.

Ich kannte sie alle, praktisch von meinem ersten Atemzug an. Vater Berthold hatte mich und alle anderen in der Pfarrkirche Woche um Woche mit seinen Beschreibungen der Höllenqualen geängstigt. Seit ich denken konnte, schlug er mit schriller Stimme von

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