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Signum Roman von Duncan, Hal (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.01.2014
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Signum

Die Zeichen stehen auf Sturm
Zwanzig Jahre sind vergangen, seit die Dunkelheit das Vellum heimgesucht hat, zwanzig Jahre, seit Chaos und Zerstörung über die Welt gekommen sind, zwanzig Jahre, seit das Imperium mit eiserner Hand regiert. Doch in den Tiefen von Zeit und Raum regt sich die Rebellion, und Guy Reynard, König der Diebe und Hüter des Ewigen Stundenbuches, beginnt die Zukunft der Welt nun selbst in die Hand zu nehmen...

Hal Duncan, Jahrgang 1971, wuchs im schottischen Ayrshire auf und lebt heute im West End von Glasgow. Er gehört dem Glasgow Writer's Circle an und arbeitet neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit als Programmierer. 'Vellum', sein erster Roman, wurde von der Kritik als Meisterwerk der phantastischen Literatur gefeiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 14.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641128968
    Verlag: Heyne
    Größe: 1158 kBytes
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PROLOG

Worte wilden Begehrens

Was bisher geschah

Was bisher geschah, in ferner Zeit und immerdar, schien mir doch sehr an den Haaren herbeigezogen, ein bizarres Lügenmärchen, als es mir mein Onkel zum ersten Mal erzählte, die Mundwinkel hochgezogen und die Andeutung eines listigen Lächelns auf den Lippen, gerade genug, dass sich um seine Augen Krähenfüße bildeten. Onkel Reynard, der Lebemann, der Lotterbube. Ihm war zu Ohren gekommen, dass ich meine erste Geschichte verkauft hatte, dass ich Schriftsteller werden wollte, und da lud er mich zu sich ein; eine Geschichte habe er für mich, sagte er, eine Familiensage, die mindestens ein Buch wert sei.

Als ich in seiner winzigen Wohnung in der Bank Street eintraf, hieß mich Koré, seine Promenadenmischung, mit überschwänglich wedelndem Schwanz willkommen. Dann saß ich auf seinem schwarzen Ledersofa, einen Gin Tonic in der Hand und einen Aschenbecher auf dem Beistelltisch neben mir.

Er zündete sich eine Zigarette an und begann zu erzählen.

"Als dein Großvater, Hauptmann Jack Carter, aus dem Krieg zurückkehrte", sagte er, "war er ein anderer Mensch geworden. Er hatte das Blut und den Schlamm an der Somme mit eigenen Augen gesehen, er hatte Männer in den Tod geschickt, hatte ihre Hinrichtung wegen Feigheit vor dem Feind befohlen. Meine Mutter erzählte, er habe diese Erinnerungen wie eine schwere Last mit sich herumgetragen, ohne jemals darüber zu reden, und nichts und niemand konnte sie ihm abnehmen. Eines Tages erhielt er ein Telegramm von einem Professor, bei dem er früher studiert hatte – Hobbsbaum hieß er, glaube ich. Daraufhin verabschiedete er sich mit wenigen Worten von seiner geliebten Anna, die damals deinen Vater und mich unter dem Herzen trug, verließ seine schwangere Frau und machte sich auf den Weg in den Nahen Osten. Und ward nicht mehr gesehen."

Der alte Kauz legte, berechnend wie er war, eine dramatische Pause ein.

"Er ist in das Vellum verschwunden", sagte er schließlich.

"In das Vellum ?", fragte ich.

Er nippte an seinem Gin Tonic.

"Ein leeres Blatt Papier birgt ein unglaubliches Potenzial, findest du nicht auch?", sagte er. "Für einen Schriftsteller, meine ich? Mit Tinte kann man auf diesem ... Substrat so ziemlich allem Gestalt verleihen. Millionen von Wörtern warten nur darauf, mit einem Federstreich auf Papier gebannt zu werden! Sogar nachdem du der leeren Tafel deine kunstvoll künstliche Ordnung aufgezwungen hast – stellst du dann nicht oft fest, dass immer noch Zwischenräume zwischen den Wörtern zurückbleiben, Möglichkeiten, die du in den Zeilenabständen erahnen kannst?"

Er lächelte.

"Du glaubst bestimmt, dass ich das im übertragenen Sinn meine. Kann sein. Ich versuche mich so auszudrücken, dass du mich verstehst. Eine Geschichte beginnt nicht einfach am Anfang und zockelt dann gradlinig weiter bis zum Ende. Dieselbe Geschichte kann von unterschiedlichen Autoren auf unterschiedliche Weise erzählt werden, und das wird sie auch. Jeder folgt seinem eigenen Weg, und die Geschichte verzweigt sich, wird zweidimensional. Dieselbe Geschichte kann von unterschiedlichen Generationen auf unterschiedliche Weise nacherzählt werden, und das wird sie auch. Wenn wir die früheren Fassungen unserer Vorfahren umarbeiten und unsere Geschichten auf den Überresten der Vergangenheit aufbauen, verleihen wir diesen Nacherzählungen eine dritte Dimension. Wenn wir diese Geschichten dann lesen, der Spur der Tinte folgen, bewegen wir uns innerhalb dieser dr

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