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Singularität Roman von Stross, Charles (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.10.2014
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Singularität

Einmalig in Raum und Zeit
21. Jahrhundert: Bahnbrechende Erkenntnisse der Quantenphysik lassen Zeitreisen möglich werden. Während die Wissenschaft noch diskutiert, nimmt eine haushoch überlegene Intelligenz Kontakt auf: Das Eschaton kommt aus der Zukunft und untersagt den Menschen jede Verletzung der Kausalität. Wer sie bedroht, wird vernichtet.
24. Jahrhundert: Fern der Erde leben die Menschen der Neuen Republik unter der Knute eines technikfeinden Systems, als es plötzlich technische Geräte regnet. Das Festival, einst Teil der menschlichen Zivilisation, jetzt mobiler Informationsdienst, reist durch die Sphäre bewohnter Welten und verteilt seine Gaben. Die Admiralität ersinnt einen verwegenen Plan: Bis an die Zähne bewaffnet wird ein Schiff in die Vergangenheit geschickt, um das Festival zu zerstören ...

Charles Stross, geboren 1964 im englischen Leeds, studierte Pharmakologie und Computerwissenschaften und arbeitete in vielen unterschiedlichen Berufen, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er gilt als einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren unserer Zeit, seine Romane "Accelerando" und "Glashaus" wurden zu internationalen Bestsellern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 30.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641156060
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Singularity Sky
    Größe: 782 kBytes
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Singularität

Prolog

AM TAG, AN DEM DER KRIEG ERKLÄRT WURDE, regnete es Telefone aus dem Himmel über Nowyj Petrograd. Scheppernd fielen sie auf das Kopfsteinpflaster. Manche waren durch die Hitze des Wiedereintritts in die Atmosphäre halb geschmolzen, andere klingelten und tickten, während sie in der kalten Luft des frühen Morgens abkühlten. Eine neugierige Taube hüpfte, den Kopf schief gelegt, näher heran, hackte mit dem Schnabel auf das glänzende Gehäuse eines Apparats ein und flatterte erschrocken davon, als ein Piepen ertönte. "Hallo? Bist du bereit, uns zu unterhalten?", meldete sich eine blecherne Stimme.

Das Festival war zu Rochards Welt vorgedrungen.

Ein magerer Straßenjunge war eines der ersten Opfer des Angriffs auf die wirtschaftliche Integrität der Welt, die als jüngste Kolonie zur Neuen Republik zählte. Rudi - niemand kannte seinen Familiennamen, ganz zu schweigen von seinem leiblichen Vater - fand eines der Telefone in der Gosse einer schmutzigen Gasse. Einen übel riechenden Sack wie das Bettzeug eines Soldaten über die Schulter geworfen, ging Rudi seiner täglichen Arbeit nach. Das Telefon, das auf dem bröckeligen Pflaster lag, glänzte wie polierter Gussstahl. Ehe Rudi es aufhob, blickte er sich verstohlen um; womöglich war der feine Herr, der es verloren haben musste, noch in der Nähe. Als es zirpte, hätte er es vor Angst beinahe fallen gelassen: ein Apparat! Jegliche Maschinen und Apparate waren der Oberschicht vorbehalten und für die Allgemeinheit verboten, die grimmigen Gesichter und grauen Uniformen der Staatsgewalt wachten streng darüber. Trotzdem: Wenn er es mit nach Hause nahm, zu Onkel Schmuel, würden sie vielleicht endlich mal etwas Anständiges zu essen bekommen. Etwas Besseres als das, was er sonst mit den täglichen Einnahmen beschaffen konnte. Denn diese erschöpften sich darin, dass er der Gerberei jeden Tag einen Sack Hundekot verkaufte. Als er das Telefon herumdrehte, weil er sich fragte, wie es abzuschalten war, meldete sich eine blecherne Stimme: "Hallo? Bist du bereit, uns zu unterhalten?"

Fast hätte Rudi das Telefon weggeworfen und wäre davongerannt, aber die Neugier war stärker. "Warum?"

"Unterhalte uns, dann schenken wir dir alles, was du willst."

Rudi machte große Augen. Das Metallgehäuse funkelte viel versprechend in seinen hohlen Händen. Ihm fielen die Märchen ein, die seine älteste Schwester ihm früher erzählt hatte, ehe sie Opfer dieses schrecklichen Hustens geworden war - Erzählungen von Wunderlampen, Zauberern und Dämonen, die Pater Boroschowski ganz sicher als gotteslästerlichen Unsinn verdammt hätte. Und so kämpfte sein Bedürfnis, dem dumpfen, grausamen Alltag zu entfliehen, gegen seinen natürlichen Pessimismus an, jenen Pessimismus, den er sich in kaum mehr als zehn Jahren zermürbender Arbeit zu Eigen gemacht hatte. Der Realismus siegte. Was er sagte, war nicht: "Ich wünsche mir einen fliegenden Teppich und eine Börse voller Goldrubel" oder "Ich möchte Prinz Michail sein und im königlichen Palast wohnen", sondern "Könnt ihr meiner Familie zu essen geben?"

"Ja. Unterhalte uns, dann geben wir deiner Familie zu essen."

Rudi zermarterte sich das Hirn, denn er hatte keine Ahnung, wie er diesen ausgefallenen Wunsch erfüllen sollte, doch dann blinzelte er: Die Lösung lag ja auf der Hand! Er hielt das Telefon an den Mund und flüsterte: "Soll ich euch eine Geschichte erzählen?"

Am Ende des Tages, mittlerweile fiel das Manna aus dem Orbit, und Menschheitsträume trieben wie Gewächse nach einem Wüstenregen die seltsamsten Blüten, waren Rudi und seine Familie - die kranke Mutter, der versoffene Onkel und sieben Geschwister - nicht länger Bestandteil der heimatlichen Volkswirtschaft.

Der Krieg war erklärt.

TIEF IN DEN ÄUSSEREN REGIONEN des Sternsystems schuf die Bauflotte des Festivals Gebilde aus toter Masse. Die Flotte des Festivals reiste

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