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Sirius Transit Roman von Franke, Herbert W. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.07.2014
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Sirius Transit

Die dunkle Seite des Paradieses

Auf einem fremden Planeten liegt das Paradies für den Menschen: eine wunderschöne, naturbelassene Welt. Eine einzige Firma organisiert die Besiedlung des Planeten, ihr Name lautet 'Sirius Transit'. Gus Griffin leitet diese Firma, und sein Bruder Barry will alles tun, um bei der Erschließung dabei zu sein. Doch selbst für ihn ist es nicht leicht, zu Gus Griffin vorzudringen. Mehr und mehr kristallisiert sich heraus, dass im Hintergrund dunkle Machenschaften laufen, die Barry immer weiter in einen Sumpf aus Intrigen ziehen - bis es fast zu spät ist ...

Herbert W. Franke, 1927 in Wien geboren, promovierte in Physik und war bis 1956 für Siemens tätig, bevor er sich dem Schreiben und seiner universitären Karriere widmete. Seit den Siebzigerjahren hatte er immer wieder Lehraufträge, unter anderem zur Computergrafik/Computerkunst. Neben Sachbuchpublikationen ist Franke vor allem für seine Science-Fiction-Romane bekannt, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Der Autor lebt und arbeitet südlich von München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 21.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641145811
    Verlag: Heyne
    Größe: 457kBytes
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Sirius Transit

Straßenzüge, an Laserstrahlen entlanggezogen, Hunderte, Tausende, kreuz und quer, Fassaden in rechten Winkeln angeordnet, Kunststoffmauern, rosa, blassgrün und gelb. Ein Haus wie das andere, eine Straße wie die andere, eine Stadt wie die andere, nach denselben Bauplänen errichtet, denselben Vorschriften gehorchend, durchnumeriert von Nord nach Süd, von West nach Ost, und doch verwirrend wie ein Dschungel in einer Gleichförmigkeit, die keine Höhepunkte kennt, stete Wiederholung, eins gegen das andere vertauschbar, ersetzbar.

Nirgends ein Baum, nirgends ein Strauch. Nur die stängelartig aufragenden Masten der Kryptonlampen, die gedrungenen Stämme der Hydranten, die Leichtmetallstangen mit Verkehrszeichen und Verbotsschildern, und über allem ein dürres Gestrüpp aus Streben und Draht, die Antennen der Funkdienste, des Radios, des Videos und des Alarmsystems.

Die Matrix der Gebäude, das Netzgitter der Straßen – Koordinatensystem für die Bewohner. Die Gehsteige zu eng, Gedränge trotz des Einwegverkehrs – immer links an den Wänden entlang und links herum auch um die Quadrate der Straßenkreuzungen. Dreimal am Tag aber nahm die Menschenflut erschreckende Ausmaße an – kurz vor acht, in der Mittagszeit und nach vier. Da drängten sie sich aus den Toren, strömten über die Treppen zu den Stationen der Hochbahn, wurden von den Löchern verschluckt, die die Zugänge zum unterirdischen Verkehrsnetz bildeten, von den Laufbändern in unbestimmte Tiefen gerissen. In diesen Stunden fuhren die Autos Stoßstange an Stoßstange – niemand beachtete das Schrillen des Echolotsystems: Mindestabstand unterschritten. Es war, als triebe eine Flüssigkeit in den Straßenschluchten dahin, und wie das dumpfe Brausen von Wasserwellen hörte es sich auch an, wenn man ein wenig Abstand hatte, beispielsweise auf den Kuppeln der Hochbahnstationen, in jenen wenigen Sekunden zwischen den bremsenden und wieder davoneilenden Zügen. Dann begann das Leichtmetallgerüst, das die Stadt in riesigen Bogen überspannte, zu vibrieren und übertönte mit einem angsterregenden schrillen Singen den Geräuschuntergrund vom Boden.

Ganz anders in den Nachtstunden – hier gab es nur wenige Menschen, die – trotz der polizeilichen Warnung – von einer Straße in die andere hetzten, Trinker, verspätet aus ihrem Rausch erwacht, Spieler aus obskuren Lokalen, Jugendliche, auf der Rückkehr von Drogenparties. Völlig menschenleer war es nur zwischen vier und fünf Uhr früh: Das war die Stunde, in der der Wetterdienst für Regen sorgte. Manchmal konnte man das Düsengeräusch der Flugzeuge hören, die in einer dichten Reihe hoch über den Dächern entlangstrichen und die Smogwolke animpften, die wie die riesige Kappe eines Pilzes über der Stadt lag. Und dann stürzten die schmutzig-grauen Fluten abwärts, prasselten auf die Dächer und Straßen, rissen Schmutz und Unrat mit sich, um schließlich gurgelnd in den Gullys zu verschwinden. Für kurze Zeit blieb ein schmutzig-feuchter Schimmer zurück, von dem dünner Dampf aufstieg ... Das war die Stunde der Morgenfrische – es gab alte Leute, die darauf warteten, bis der Regen vorbei war, die dann ihre Häuser verließen, eine Runde um den Block machten und tief atmeten. Denn mit der Tagesbeleuchtung, die um sechs Uhr eingeschaltet wurde, kamen die Trockenheit, die Hitze und der Staub.

Auch Barry hatte die Morgenstunde kennengelernt, sein Großvater, schon an die achtzig Jahre alt, hatte ihn und Gus gelegentlich geweckt und die beiden Jungen auf seinem Spaziergang mitgenommen. Barry gefiel es eigentlich ganz gut – die feuchtigkeitsgeschwängerte Luft, der Tropfenfall von

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