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Slant Roman von Bear, Greg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.02.2014
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Slant

Lustvoll zelebrierter virtueller Tod Am Ende des 21. Jahrhunderts leben die Menschen in einer Gesellschaft, die von virtuellen Realitäten geprägt ist: Kapitalverbrechen sind selten, psychischer Stress wird früh erkannt und vorsorglich abgebaut, Nanotechnologie ermöglicht es sogar, die wildesten sexuellen Fantasien auszuleben, ohne das Haus verlassen zu müssen. Doch auch in dieser standardisierten Welt gibt es perverse Bedürfnisse, die Pornografie ist ein Milliardengeschäft, und immer findet sich ein Weg, die strengen Sicherheitsvorkehrungen auszutricksen, um sich einen neuen Kick zu verschaffen. Und mehr und mehr Menschen verlieren die Grenze zwischen der virtuellen und der realen Wirklichkeit aus den Augen ... Greg Bear wurde 1951 in San Diego geboren und studierte dort englische Literatur. Seit 1975 als freier Schriftsteller tätig, gilt er heute als einer der ideenreichsten wissenschaftlich orientierten Autoren der Gegenwart. Etliche seiner Romane wurden zu internationalen Bestsellern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 25.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641135881
    Verlag: Heyne
    Größe: 964 kBytes
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Slant

M/F, F/M, M/M, F/F

/ ist was zwischen uns geschieht

/ ist was uns trennt.

Jeder von uns hat ein anderes Geschlecht, aber nur in zwei verschiedenen Grundausstattungen.

- The Kiss of X, Liebesleben, Lebenslügen

(Alive Contains a Lie)

2 / Steinhammer

Alice Grale glaubt, im Kataspace zu leben – nur Interaktion und keine Bewegung. Im kleinen schwarzen Zimmer des langen schwarzen Studios kann das Warten zu einem dumpfen leeren Zeitklumpen werden. Sie plaudert mit ihrem Partner Minstrel, während sie auf den Bühnenumbau warten. Minstrel liegt entspannt und nackt auf der alten niedrigen Couch, anmutig wie ein Leopard. Sein Körper scheint nur aus Anmut und stumpfen Winkeln zu bestehen.

"Warum gefallen dir diese Worte nicht?", fragt Minstrel. "Sie entstammen einer uralten Tradition und sie beschreiben das, was wir tun."

"Sie sind hässlich", sagt sie. "Ich spreche sie, wenn ich Lust dazu habe oder wenn ich dafür bezahlt werde, aber ich habe noch nie Gefallen daran gefunden." Alice sitzt vor ihm auf dem Metallklappstuhl, im Licht eines sanften weißen Spots, und trägt einen knappen schwarzen Bademantel, der ihre sich berührenden Knie frei lässt. In alter Freundschaft liegt ein gewisser Trost. Sie kennt Minstrel nun schon seit neun Jahren. Sie haben sich schon zwanzig Minuten lang unterhalten, und Francis ist immer noch nicht für sie bereit.

"Es gelingt dir immer wieder, mich zu überraschen, Alice. Aber ich will auf etwas Bestimmtes hinaus. Versuch das Wort zu sagen", fordert er sie heraus. "Das Tetragrammaton."

Sie denkt darüber nach, dann sagt sie es. Dazu hebt sie die Wangen, krümmt die Lippen und neigt abfällig den Kopf, während ihre Stimme nicht sehr laut und ohne jede Betonung ist.

"Du wirst dem Wort nicht gerecht", beklagt sich Minstrel. "Gott weiß, ich habe oft genug gehört, wie du es gesagt hast. Sag es professionell, wenn du schon keinen persönlichen Zugang findest."

Alice funkelt ihn verärgert an.

"Ich meine es ernst", sagt er. "Ich will auf etwas hinaus."

Minstrel wirkt heute recht heftig und drängend. Aber sie sagt das Wort noch einmal. Sie kneift die Augen leicht zusammen und runzelt die Nase.

Minstrel schnieft. "Du bist nicht mit dem Herzen dabei", sagt er zweifelnd, "aber trotzdem liegt ein gewisses Knurren darin. Spürst du es?"

Alice schüttelt den Kopf. "Es ist nur ein Wort, von dem jemand anderer will, dass ich es sage, und so klingt es nun einmal, wenn jemand will, dass ich es sage."

Minstrel kichert und tippt ihr mit einem langen breiten Finger auf ihr Knie. "Wie alle Frauen bist du nicht, was du zu sein vorgibst."

Alice ist gleichzeitig verdutzt und verärgert. "Was soll das bedeuten?"

"Das Wort ist ein Knurren. Es ist alt und hart und stumpf – es ist ein Steinhammer. Du sagst es, wenn du den Menschen, mit dem du zusammen bist, wirklich brauchst und wenn du keine Angst hast, ihm dein Innerstes zu zeigen. Es bedeutet, dass das, was geschieht, deine wilden Instinkte berührt."

"Blödsinn!"

"Das hast du mit hinreichender Beiläufigkeit gesagt", stellt Minstrel fest. Er steht auf, legt einen Finger an die Wange und neigt den Kopf. In dieser gelassenen Pose erinnert er Alice an einen Heiligen von El Greco. Ihm fehlt nur noch ein loser blauer Lendenschurz.

Si

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