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Spiegel Novelle von Liu, Cixin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.10.2017
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Spiegel

China in der nahen Zukunft. Der junge, ehrgeizige Beamte Song Cheng stößt auf einen gewaltigen Korruptionsskandal. Doch plötzlich wird er selbst ins Gefängnis geworfen. Dort taucht ein geheimnisvoller Mann mit einem Supercomputer auf, der ebenfalls verfolgt wird - weil er alles weiß. Einfach alles. Wie kann das sein? Und welche Konsequenzen hat das? Mit seiner Novelle Spiegel erweist sich Cixin Liu, Autor des Weltbestsellers Die drei Sonnen, einmal mehr als scharfer Beobachter der chinesischen Gegenwart und als literarischer Visionär der Welt von morgen. Dieses Buch enthält eine Leseprobe aus Der dunkle Wald, dem Nachfolger zu Die drei Sonnen, sowie ausführliche Anmerkungen zur Übersetzung und ein Nachwort. Cixin Liu ist einer der erfolgreichsten chinesischen Science-Fiction-Autoren. Er hat lange Zeit als Ingenieur in einem Kraftwerk gearbeitet, bevor er sich ganz seiner Schriftstellerkarriere widmen konnte. Seine Romane und Erzählungen wurden bereits viele Male mit dem Galaxy Award prämiert. Cixin Lius Roman Die drei Sonnen wurde 2015 als erster chinesischer Roman überhaupt mit dem Hugo Award ausgezeichnet und wird international als ein Meilenstein der Science-Fiction gefeiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 09.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641219666
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: (Jìngzi)
    Größe: 2684 kBytes
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Spiegel

5

Das Komplott

Eine Woche nach dem Treffen mit dem Kommandanten wurde Song verhaftet. Die Anklage lautete: Mord.

Dass man zu unkonventionellen Mitteln greifen würde, um ihn zum Schweigen zu bringen, das hatte Song vorausgesehen. Die üblichen disziplinarischen und politischen Mittel wären bei jemandem wie ihm, der so viel wusste und auch schon die entsprechenden Schritte eingeleitet hatte, zu riskant gewesen. Aber dass sein Gegner so rasch und so brutal zuschlug, traf ihn dann doch unvorbereitet.

Der Tote war ein Nachtclubtänzer namens Luo Luo. Er war in Songs Auto gestorben. Die Türen waren von außen verschlossen gewesen, und in das Wageninnere hatte man zwei Gasflaschen mit Propan, wie man es für Feuerzeuge verwendet, geworfen. Die Flaschen hatte man aufgeschlitzt, sodass das hochkonzentrierte Gas restlos herausgeströmt war. Das Opfer war an Vergiftung gestorben. Als man Luo fand, hielt er noch sein zerschmettertes Handy umklammert, mit dem er versucht hatte, die Scheibe einzuschlagen.

Die Polizei trug reichlich Beweismaterial zusammen. Zweistündige Videoaufzeichnungen belegten, dass Song über drei Monate lang ein intimes Verhältnis mit dem Toten unterhalten hatte. Der belastendste Beweis aber war der Notruf, mit dem Luo Luo vor seinem Tod die Polizei alarmiert hatte:

"Schnell! Kommen Sie schnell! Ich kann die Autotür nicht öffnen! Ich bekomme keine Luft mehr, und ich habe Kopfschmerzen ..."

"Wo sind Sie? Erklären Sie Ihre Situation genauer!"

"Song ... Song Cheng will mich umbringen ..."

Damit endete die Aufzeichnung.

Später fand die Polizei auf dem Handy des Opfers die Aufzeichnung eines kurzen Gesprächs zwischen ihm und Song:

Song: "Nun, wo wir schon so weit sind, machst du mit Xu Xueping besser Schluss."

Luo Luo: "Aber wieso denn? Ich habe mit Xueping doch bloß eine ganz normale Affäre laufen. Das hat keinen Einfluss auf unsere Sache. Vielleicht hilft es uns sogar."

Song: "Ich fühle mich dabei nicht wohl. Also zwing mich nicht, etwas dagegen zu unternehmen."

Luo Luo: "Kumpel, das ist mein Leben."

Das Komplott war äußerst professionell eingefädelt. Das Brillante daran war, dass die Beweise, die die Polizei gegen Song in der Hand hatte, fast zu hundert Prozent echt waren.

Tatsächlich hatte Song längere Zeit heimlich mit Luo Luo verkehrt. Man konnte ihren Umgang sogar intim nennen. Die beiden Aufnahmen waren nicht gefälscht. Allerdings war die zweite manipuliert.

Der Grund dafür, dass Song die Bekanntschaft mit dem Nachtclubtänzer gesucht hatte, war Xu Xueping. Als Generaldirektorin des Changtong-Konzerns war Xu wirtschaftlich eng verflochten mit vielen Knotenpunkten des Korruptionsnetzes und mit dessen Hintergründen und geheimen Funktionsweisen bestens vertraut. Natürlich konnte Song von ihr direkt keinerlei Informationen erhalten, aber mit Luo Luo hatte er eine undichte Stelle gefunden.

Der Tänzer versorgte ihn nicht etwa aus einem Gerechtigkeitsempfinden heraus mit Informationen. In seinen Augen war die Welt nur dazu gut, sich damit den Hintern abzuwischen. Er sann auf Rache.

Seine Stadt, gehüllt in den Rauch der Fabriken, lag nicht an der reichen Ostküste, sondern im Landesinnern, und unter den Großstädten dieser Größenordnung bildete sie das Schlusslicht, was das durchschnittliche Jahreseinkommen anging. Trotzdem gab es hier einige der luxuriösesten Nachtclubs von ganz China. In Peking mussten die Nachkommen hoher Kader einigermaßen auf ihren Ruf achten und konnten sich nicht so hemmungslos amüsieren wie die gewöhnlichen Neureichen; deshalb brausten sie an jedem Wochenende auf der Schnellstraße vier oder fünf Stunden ins Landesinnere, um in dieser Stadt zwei Tage und eine Nacht mit ihren verschwenderischen Ausschweifungen zu verbringen, ehe sie am Sonntagabend wieder nach Peking zurückrasten. Der Na

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