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The Hunger - Die letzte Reise Roman von Katsu, Alma (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.08.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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The Hunger - Die letzte Reise

Mitte April 1846 bricht die so genannte "Donner Party" - insgesamt fast neunzig Männer, Frauen und Kinder - aus Springfield, Illinois, auf. Ihr Ziel ist Kalifornien. Ein Ort, an dem alles besser ist. An dem schon viele Siedler ihr Glück gefunden haben. Doch schon bald sind die Nerven zum Zerreißen angespannt: der Hunger, das Klima und die Feindseligkeiten innerhalb der Gruppe verwandeln den Wagentreck in ein Pulverfass. Dann kommt ein kleiner Junge unter mysteriösen Umständen zu Tode, und ein Siedler nach dem anderen verschwindet spurlos. Langsam aber sicher wird klar, dass die Donner Party in den Weiten der Prärie nicht alleine ist. Dass "Etwas" sie begleitet. Etwas, das großen Hunger hat ...

Alma Katsu ist Hochschulabsolventin der Johns Hopkins University und der Brandeis University, wo sie zusammen mit John Irving Literatur und Schreiben studierte. Sie arbeitete viele Jahre als Senior Intelligence Analyst für verschiedene US-amerikanische Bundesbehörden und ist derzeit Analystin eines Thinktanks. Ihr Debütroman The Taker war unter den Top Ten der American Library Association. Alma Katsu lebt mit ihrem Mann außerhalb von Washington, DC.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 13.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641226275
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: The Hunger
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The Hunger - Die letzte Reise

1

Für Charles Stanton gab es nichts Besseres als eine ordentliche, glatte Rasur.

Er stand vor dem Spiegel, den er an die Seite von James Reeds Wagen gehängt hatte. In jeder Richtung erstreckte sich die Prärie wie eine endlose Decke, in der gelegentlich der Wind spielte: Meile um Meile unberührten Büffelgrases, nur unterbrochen von der roten Spitze des Chimney Rock, der wie ein Wachposten in der Ferne aufragte. Wenn Stanton die Augen zusammenkniff, wirkten die Wagen wie Kinderspielzeug, das im endlosen Gras verstreut lag - klein, unwichtig und bedeutungslos.

Er wandte sich dem Spiegel zu und setzte die Klinge an. Eine Lieblingsredensart seines Großvaters fiel ihm ein: Ein schlechter Mann versteckt sich hinter einem Bart wie Luzifer. Stanton kannte Männer, die sich mit einem scharfen Jagdmesser zufriedengaben, manche benutzten sogar eine Axt, aber für ihn musste es ein gerades Rasiermesser sein. Die Kälte des Stahls an seinem Hals schreckte ihn nicht. Er mochte sie sogar.

"Eigentlich hätte ich Sie nicht für eitel gehalten, Charles Stanton", kam eine Stimme von hinten, "aber wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass Sie sich gerade im Spiegel bewundern." Edwin Bryant kam mit einer Blechtasse voll Kaffee heran. Sein Lächeln verblasste. "Sie bluten."

Stantons Blick wanderte zu dem Rasiermesser. Die Klinge war rot. Im Spiegel sah er einen blutigen Strich auf seinem Hals, fünf Zentimeter lang und klaffend, genau an der Stelle, wo die Klinge gewesen war. Sie war so scharf, dass er nicht das Geringste gespürt hatte. Er riss das Handtuch von seiner Schulter und presste es auf die Wunde. "Ich muss abgerutscht sein."

"Setzen Sie sich", erwiderte Bryant. "Lassen Sie mich mal sehen. Mit Medizin kenne ich mich ein bisschen aus, wie Sie wissen."

Stanton wich zurück. "Mir fehlt nichts. Ein kleines Missgeschick, nichts weiter." Genau das war, zusammengefasst, diese ganze verfluchte Reise: ein "Missgeschick" nach dem anderen.

Bryant zuckte die Achseln. "Wenn Sie meinen. Wölfe wittern das Blut aus zwei Meilen Entfernung."

"Wie kann ich Ihnen helfen?", fragte Stanton. Er wusste, Bryant war nicht den ganzen Weg von der Spitze des Trosses herübergekommen, bloß um zu reden. Nicht, wenn sie sich eigentlich fertig machen sollten. Um sie herum tobte das übliche allmorgendliche Chaos: Die Fahrer trieben die Ochsen zusammen, und der Boden erzitterte unter dem Gewicht der Tiere. Männer bauten ihre Zelte ab und luden sie auf die Wagen, oder sie löschten das Lagerfeuer mit Sand. Die Luft war vom Geschrei der Kinder erfüllt, die das Wasch- und Trinkwasser in Eimern herbeiholten.

Stanton kannte Bryant noch nicht lange, aber die beiden hatten sich schnell angefreundet. Die Gruppe, mit der Stanton zuvor gereist war - ein kleiner Wagentreck aus Illinois, hauptsächlich aus den Familien Donner und Reed bestehend -, hatte sich vor Kurzem in der Nähe von Independence mit einem größeren Treck vereinigt, der von dem pensionierten Offizier William Russell angeführt wurde. Edwin Bryant war einer der Ersten aus der Russell-Gruppe gewesen, die sich vorstellten, und er schien Stantons Gesellschaft zu suchen; vielleicht weil sie beide allein reisten - inmitten all der Familien.

Äußerlich gesehen, war Bryant Stantons genaues Gegenteil. Stanton war groß, eine imposante Erscheinung, ohne es darauf anzulegen. Sein ganzes Leben lang schon bekam er Komplimente wegen seines Aussehens, das er wohl von seiner Mutter geerbt hatte. Er hatte das gleiche wellige, dunkelbraune Haar und die gleichen gefühlvollen Augen.

Dein Aussehen ist ein Geschenk des Teufels, Junge. Du verleitest andere zur Sünde. Das war noch so ein Ausspruch seines Großvaters gewesen. Einmal hatte er Stanton mit der Gürtelschnalle mitten ins Gesicht geschlagen, vielleicht um den Teufel auszutreiben, den er darin sah. Es war vergeblich. Stanton behielt alle seine

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