text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Tief im Wald Roman von Arsdale, Peternelle van (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Tief im Wald

Alys ist sieben, als die Seelenesser eines nachts in ihr Dorf kommen. Am Morgen danach sind alle Erwachsenen tot. Alys und die anderen Kinder müssen fortan in einem Nachbardorf leben, wo die Menschen gläubig sind und das Biest fürchten, das tief im Wald lebt. Doch das Biest ist nicht das, was es zu sein scheint - ebenso wenig wie Alys. Das Mädchen spürt, dass es in seinem Inneren mit den Seelenessern verbunden ist. Als Alys älter und ihre geheime Gabe stärker wird, sehnt sie sich immer mehr nach der Freiheit jenseits des Dorfes. Da schlägt das Schicksal erneut zu, und Alys macht sich auf die gefährliche Reise in den dunkelsten Teil des Waldes ... Peternelle van Arsdale arbeitet als Lektorin, und hätte nie gedacht, dass sie selbst ein Buch schreiben würde - bis sie eines Tages eine Idee hatte ... Tief im Wald ist ihr erster Roman. Sie lebt in New York City.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641237776
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: The Beast is an Animal
    Größe: 1069 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Tief im Wald

Die Geschichte beginnt so

Vor langer Zeit lebten zwei Schwestern. Sie wurden nur Minuten nacheinander geboren, jede mit samtschwarzem Haar auf dem wunderschönen K öpfchen . Die Mutter hatte volle zwei Tage in den Wehen gelegen, und dass sie überhaupt überlebte, glich einem Wunder. Mindestens einmal pro Stunde hatte die Hebamme befürchte t, sie zu verlieren, und die Kinder mit ihr. Aber die Kleinen begrüßten die Welt mit kräftigem Geschrei, und die Mutter weinte vor Erleichterung. Die Hebamme legte ihr die Mädchen in die erschöpften Arme, jedes auf eine Seite. Als der Mutter eines entglitt, fing die Hebamme es auf, gerade noch rechtzeitig, bevor es auf den harten Boden schlug. Damals dankte die Hebamme ihrem Glück noch. Wenige Monate später jedoch wünschte sie, sie hätte das böse Ding einfach fallen lassen.

Aber das war später. In der Zwischenzeit gab es andere Gründe, sich wegen der Kleinen Sorgen zu machen. Gesunde Zwillinge geschenkt zu bekommen, mag wie ein Segen erscheinen, aber in einem Dorf mit halb leeren Speisekammern und trockenen Feldern war die Geburt zweier Mädchen eher ein Grund für Beileidsbekundungen als zum Feiern. Die Dörfler schüttelten die Köpfe und hofften, das Pech der Mutter möge nicht ansteckend sein.

Der Vater wurde bedauert. Gewiss hatte er auf einen Sohn gehofft, auf zwei zusätzliche starke Hände zum Säen und Ernten. Ein Bauer brauchte einen geschickten Sohn, um die Zäune zu reparieren und die Ziegen vor den Wölfen zu beschützen.

Die Mutter wurde von niemandem bedauert. Statt zwei Mädchen zu gebären, hätte sie besser überhaupt keine Kinder in die Welt gesetzt. Manche sagten sogar, es wäre die reine Bosheit seitens der Mutter gewesen. Nur eine ungehorsame Frau könnte so etwas tun.

Die Mutter war schon immer eine stille Frau gewesen, die lieber für sich selbst blieb und, wenn überhaupt, nur in ihrem Kräutergarten gesehen wurde. Der Hof, auf dem sie mit ihrem Mann lebte, lag am weitesten von allen Höfen vom Dorfzentrum entfernt. Niemand kam dort vorbei, wenn er auf dem Weg irgendwohin war. Niemand kam je zum Plaudern. Wer den Hof besuchen wollte, musste absichtlich hingehen. Und diese Absicht hatte niemals jemand.

Von Anfang an fiel der Mutter etwas Interessantes an den Mädchen auf, aber sie erzählte niemandem davon, nicht einmal ihrem Mann. Die beiden glichen sich - sie hatten das gleiche schwarze Haar, die gleichen großen grauen Augen. Sie hatten sogar das gleiche Muttermal, einen mehr oder weniger sternförmigen Fleck auf der Wade. Einen einzigen Unterschied gab es allerdings: Die zwei Minuten ältere Tochter griff nach allem mit der linken Hand, die zwei Minuten jüngere nahm dazu die rechte. Die ältere hatte das Muttermal auf der linken Wade, die jüngere auf der rechten, und ihr Haar lockte sich auf exakt die gleiche Weise, nur in entgegengesetzter Richtung. Sie waren wie Spiegelbilder - gleich und doch nicht gleich.

Zu guten Zeiten, wenn die Ernten reich waren und es Essen im Überfluss gab, hätten derlei Dinge eine Mutter nicht beunruhigt. Doch wenn der Regen ausblieb und auf einen harten Winter ein trockener Sommer folgte, konnte alles, und sei es noch so unbedeutend, Furcht erwecken. Und die Zwillinge erschienen der Mutter seltsam genug, um ihr ein banges Flattern in der Brust zu bescheren.

Die Zwillinge gediehen, doch der Regen blieb aus. Wolken türmten sich auf - und mit ihnen die Hoffnungen der Dörfler. Aber nicht ein einziger Tropfen fiel vom Himmel. Als sich der Sommer dem Ende zuneigte und die Dörfler einen weiteren langen, kargen Winter auf sich zukommen sahen, wurde die Furcht zur Angst und die Angst zu einem Verdacht. Was, so fragten sie sich, hatte sich verändert, seit sie alle noch genug zu essen gehabt hatten?

Ein gesunder Instinkt zur Selbsterhaltung gab der Mutter ein, ihre Zwillinge vor den forschenden Blicken der anderen zu verstecken, und lange Zeit waren si

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen