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Träume aus Asche Roman von Winter, Maja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Träume aus Asche

Im Kaiserreich Kanchar hat man die dunkle Seite der Magie vervollkommnet und mit ihr eine Armee aus belebten Eisentieren erschaffen. Dazu wurden die Seelen der Toten in den Eisentieren eingekerkert. Durch den Krieg mit Le-Wajun wurden jedoch viele von ihnen zerstört und die Seelen freigesetzt. Diese irren nun im Land umher und terrorisieren die Lebenden. Um ihrer Herr zu werden, fasst Sadi, der neue Großkönig von Le-Wajun, einen verzweifelten Plan. Doch der gefährdet das komplette Gefüge der Welt ...

Maja Winter ist das Pseudonym der erfolgreichen Autorin Lena Klassen, unter dem sie epische Fantasygeschichten veröffentlicht. 1971 in Moskau geboren, wuchs sie in Deutschland auf. In Bielefeld studierte sie Literaturwissenschaft, Anglistik und Philosophie. Neben ihren Fantasyromanen hat sie auch zahlreiche Kinder- und Jugendbücher sowie Romane für Erwachsene verfasst. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern im ländlichen Westfalen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 575
    Erscheinungsdatum: 30.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732539901
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1876 kBytes
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Träume aus Asche

1. Die Prinzessin und ihre Träume

Nebelschwaden leckten mit weißen Zungen über den felsigen Strand. Zunächst als feine Streifen, die wie Schnecken quälend langsam über die Steine krochen, dann folgten bizarre Gebilde in der Größe von Pferden, die den Wellen entsprangen, auf den Hafen zutrabten und in die Dünen der Sandwüste einfielen, wo die unbarmherzige Sonne sie auflöste. Sie versuchten es erneut, wieder und wieder - Hirsche und Soldaten aus Nebel, die die Küste eroberten, die sich verformten, weiterkrochen, sich aufbäumten, den Nebelhafen überfielen, weiterwanderten. Wolkenartige Ungeheuer, Türme, Gebirge verschmolzen schließlich zu einer einzigen weißen Wand.

Die Menschen, die am Nebelhafen wohnten, dort, wo das Königreich Daja endete und das Ungewisse begann, waren Nebelfluten gewohnt. Sie schlossen Türen und Fenster und warteten ab, bis das dichte Weiß sich verzog. Der Nebel, der alle Sinne auslöschte, das Auge blind machte, das Ohr taub, die Haut klamm und fröstelnd, war harmlos, wenn man ihn nicht unterschätzte. Jedes Jahr verirrten sich ein paar Leichtsinnige und fielen über die Kaimauer ins Wasser, wo sie ertranken, da niemand ihre Schreie hörte. Andere wanderten in die Wüste hinein im Glauben, sie gingen den Strand entlang, und fanden sich irgendwann, wenn die Schwaden sich verzogen, in der glutheißen Hölle wieder, wo es keinen Schatten, kein Wasser, keine Rettung gab. Diesmal war es anders.

Elida, die Tochter der Heilerin vom Nebelhafen, meinte an diesem Morgen, trotz des Nebels seltsame Geräusche zu hören. Stimmen, die durcheinanderriefen, den Klang von marschierenden Soldaten, von klirrenden Waffen und dem Dröhnen unzähliger Hufe. Sie öffnete die Tür und spähte vorsichtig hinaus. Ein Schritt aus dem Haus, und sie war allein auf der Welt. Ein weiterer Schritt, und sie wusste nicht mehr, wo sich die Haustür befand. Hinter ihr oder neben ihr? Musste sie sich nicht einfach umwenden und wäre wieder in der Sicherheit ihrer eigenen vier Wände? Sie streckte die Arme aus, tastete nach den vertrauten Holzbalken, die das Vordach trugen, doch da war nichts. Nicht einmal die Geräusche, die sie aus der Sicherheit herausgelockt hatten, waren noch zu hören.

Panik konnte tödlich sein, also zwang Elida sich zur Ruhe. Wenn es nicht ein Schritt war, dann vielleicht zwei? Zwei hierhin und wieder zurück, zwei dorthin und wieder zurück. Ein Tanz, der sie unweigerlich zu ihrem Türrahmen bringen musste.

Doch das Nichts war überall. Sie wusste nicht mehr, ob sie wach war oder träumte. Ihr Verstand, gewohnt, sich auf die Sinne zu verlassen, scheute vor dem Weiß zurück. Da erhaschte sie wieder einen Laut. Gelächter, vielleicht gar Gesang?

Elida wollte einen weiteren Schritt tun, doch im letzten Moment zuckte sie zurück. Beinahe wäre sie gefallen. Sie hörte jetzt, wie die Wellen des Meeres wild gegen die Kaimauer schlugen. So weit war sie gegangen? Aus dem Weiß vor ihr tauchten plötzlich die Masten eines grauen Schiffs auf. Dunkle Striche, wie Äste oder Krähenfüße oder das Geweih eines Hirschs.

Ungläubig richtete sie den Blick auf das Schiff. Der Geruch änderte sich. Der Nebel, der nicht nach Salz und See roch, nicht nach Fisch oder Tang oder Tränen, sondern nach nichts, schien plötzlich zu duften. In der Luft lag ein Aroma wie von üppigen Sommerblumen, die Ahnung von einem fernen Land unter einem weißen Himmel.

Dann kamen die Reisenden. Der Verstand sagte ihr, dass sie mit dem Grauen Schiff gekommen sein mussten, dass irgendwo ein Steg ausgelegt worden war oder dass Boote sie an die Küste gebracht hatten, doch ihre Augen wussten es besser. Starr vor Schreck sah sie die Fremden durch den Nebel gleiten.

Der Erste war ein Mann von außergewöhnlicher Schönheit. Seine Haut war selbst in dem faden Weiß, das ihn umgab, nicht anders als golden zu nennen. Sein pechschwarzes Haar umrahmte ein edles Gesicht, das einem König gehören musste. Die schwarzen A

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