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Traumfalter Bittersüße Träume von Stoye, Nicole (eBook)

  • Verlag: BookRix
eBook (ePUB)
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Traumfalter

'Aber ich bin wie eine Motte', flüstere ich, 'ängstlich und allein in der Dunkelheit. Du hingegen bist das Licht, das ich nicht zu deuten weiß. Verheißt dein Schein wirklich die Sicherheit, nach der ich mich sehne, oder ist es am Ende ein Feuer, in dem wir beide verbrennen?' Seit sie denken kann, wird die siebzehnjährige Annabell in ihren Träumen von Morgan heimgesucht. Wiederholt entführt er sie an geheimnisvolle Orte, wo er sie die Einsamkeit, mit der sie in der Realität Tag für Tag konfrontiert wird, vergessen lässt. Längst schon ist aus ihrer Freundschaft Liebe geworden - eine unwirkliche Liebe, nicht greifbarer, als ein Sonnenstrahl. Als sie bei einem Ferienausflug zum ersten Mal auf Lewis trifft, verschwimmen die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit. Im Schimmer der Morgendämmerung gleitet ein Boot auf wasserlosem Untergrund durch den Nebel, Bilder märchenhafter Meerjungfrauen erwachen zum Leben und junge Rosen erblühen dort, wo man sie nicht vermutet hätte. Kann Annabell ihrer eigenen Wahrnehmung noch länger trauen oder hat Lewis, der auffällig oft ihre Nähe sucht, womöglich etwas damit zu tun? Ist er so real, wie es auf den ersten Blick scheint? Und wenn nicht, wie viel Traumgestalt steckt dann noch in Morgan? Kann aus einem Traum vielleicht doch Wirklichkeit werden?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 238
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783748730606
    Verlag: BookRix
    Größe: 447 kBytes
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Traumfalter

Nachtfalter

Seit Wochen werde ich nun schon von immer demselben Traum heimgesucht. Unerwartet finde ich mich des Nachts in einem nebelverhangenen Wald wieder, wo mich ein Schwarm Nachtfalter, deren Flügel im schwachen Schein des Mondlichts türkis schimmern, zu einem von Moos und Pilzen bedeckten alten Baum geleitet. Von einem Ast lugt ein Waldkauz, eine tote Maus in seinem Schnabel haltend, wachsam auf mich herab; während wir einander betrachten, gibt der Nebel zwischen hohen Steinmauern ein mit Efeu überwuchertes eisernes Friedhofstor preis. Wie längst gefallenes Herbstlaub rascheln die Ranken, als ich es öffne. Silbrig schimmernde Spinnen, die gerade noch damit beschäftigt waren, ihre am Tage gefangene Beute einzuweben, flüchten unter der Erschütterung ängstlich hinter das Blattwerk.

Inmitten von Büschen, verwitterten Vogeltränken und den Überresten zerbrochener Wasserspeier, die unheilvolle Schatten werfen, schreite ich zögerlich auf eine steinerne Tafel zu. ' Annabell Lee ' steht in erblassten Lettern darauf geschrieben - das ist der Titel eines von Edgar Alan Poe verfassten Gedichts sowie auch der Name der Frau, nach der ich einst benannt wurde. Und obgleich ich anhand der Schreibweise erahne, dass es nicht ihres, sondern mein Grab ist, auf das ich ungerührt hinabblicke, verspüre ich keine Furcht. Denn ich weiß, dass er bei mir ist, so, wie er es immer schon war.

Selbst nach dem Erwachen kann ich mich den Gedanken an diesen Traum nicht entziehen.

'Annabell Lee' ...

Annabell ist mein Name - auch, wenn ich ihn der Frau aus diesem Gedicht zu verdanken habe, schreibt er sich anders als der ihre. Poe benennt sie nur mit einem ' L ': Annabel. Meinen Eltern hat die Schreibweise mit dem doppelten ' L ' am Ende besser gefallen. Doch sowohl dieser Umstand, als auch der, dass mein Nachname 'Lindt' und nicht 'Lee' lautet, kann mich nicht von der Mutmaßung abbringen, dieser Traum könnte womöglich meinen Tod voraussagen.

"Annabell?", werde ich mit einem freundlichen Lächeln von der Stewardess angesprochen. "Sie sollten jetzt besser Ihren Gurt anlegen. In fünf Minuten beginnen wir mit dem Landeanflug."

Die warme Berührung ihrer Hand auf meinem Arm irritiert mich. Körperliche Nähe, wenngleich sie auch nur so belanglos scheint, ist nichts, mit dem ich sonderlich vertraut bin. Sicher, ich kann nicht behaupten, dass meine Nannys es nicht versucht hätten. Wenn man aber erst mal raus hat, dass sie schon nach wenigen Monaten wieder ausgetauscht werden, beginnt man irgendwann, sie auf Abstand zu halten.

Verträumt werfe ich einen sehnsüchtigen Blick aus dem Fenster. Mit dem Flugzeug zu reisen, empfinde ich, selbst nach all den unzähligen Malen, noch als außergewöhnliches Erlebnis. Wenn ich die Wolken betrachte, fällt es mir schwer, einzuräumen, mich noch immer in derselben realen Welt zu befinden. Ehrfürchtig reisen sie über den Himmel, wechseln ihre Farben von strahlend Weiß bis unheilvoll Grau und verschwinden gelegentlich ebenso schnell, wie sie gekommen sind. Manchmal bündeln sie sich zu einer dichten Decke, entsenden Regen, Donner oder Schnee.

Früher, als die Menschen sich noch voller Hochachtung mit der Natur verbunden fühlten, haben sie all dies der Magie höherer Wesen zugeschrieben, die auf sie hinabschauten oder unerkannt unter ihnen wandelten, um sie für ihre Taten zu belohnen oder zu strafen. Heute hingegen wird alles wissenschaftlich erklärt. Die Zeit, in der wir leben, lässt kaum noch Platz für Zauber oder Geister. Ein Umstand, mit dem ich mich nur schwer abfinden kann. Gemessen an dem immensen Angebot von Fantasy-Videospielen, -Filmen und -Romanen nehme ich an, keine Ausnahme zu sein. Dabei ist es so einfach, die Eintönigkeit des Alltags, in der es auf jede Frage eine mehr oder weniger eindrucksvolle Antwort gibt, hinter sich zu lassen und sich auf den alten Glauben zu besinnen. Daf

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