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Unbekannte Welten Shortstories Fantasy & SF. von Speer, Claudia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.11.2016
  • Verlag: TWENTYSIX
eBook (ePUB)
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Unbekannte Welten

Unbekannte Welten lockt uns in verschiedene Fantasy- und Science Fiction-Kurzgeschichten. Die Szenerien kopieren nichts - die Figuren und Charaktere entwickeln ihren ganz eigenen Charme. Manches ist düster, anderes klingt vertraut und wandelt doch am Rande unserer Realität. Andere Kurzgeschichten heben ab, tauchen ein oder untergraben unser bisheriges Weltbild. Wenn zum Beispiel Alben düstere Träume bescheren, Flügelmenschen den Himmel bevölkern, dunkle Reiche erobert werden müssen, oder Schatten mehr werden als die Auren unserer schwarzen Phantasie. Und haben erst einmal die Aliens unseren Planeten erreicht, dann ist am Ende nichts mehr, wie es einmal war. Claudia Speer hat ihr Fabel fürs Schreiben vor ein paar Jahren entdeckt. Sie liebt die Science Fiction und auch das Fantasy-Genré. Ihre ersten Veröffentlichungen bei Verlagen waren Kurzgeschichten. Dann erschien 2014 "Iloy - denn er ist anders" beim Aeternica Verlag und "Der Auftrag des Normannen" beim Burgenweltverlag, dessen Fortsetzung im Herbst 2016 "Der Normanne, sein Knappe und das geschenkte Schwert" geplant ist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 264
    Erscheinungsdatum: 23.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740755836
    Verlag: TWENTYSIX
    Größe: 635kBytes
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Unbekannte Welten

Traumschwingen

Die jungen Bäume splitterten und knickten als die Drachin sich das Tal hinabwälzte. Immer wieder verschwand sie unter dem Blätterwald oder hinter steilen Felsnadeln. Das Hemd klebte Isfrenor auf der Haut. Seine Arme und Beine fühlten sich allmählich bleiern an. Selbst seine ausdauernden Schwingen sehnten sich nach einer Pause, die er sich aber nicht gönnen würde, solange sein Dolch sich nicht tief in die Kehle dieser Mörderin versenkt hatte. Er ruderte mit kräftezehrenden Flügelschlägen auf der Stelle, damit er die Flucht besser beobachten konnte. Den ganzen Tag ging das schon so. Mehrfach war ihm die Drachin aus der Familie der Feuerwürmer, die bei seinen Leuten den Namen Daffnur trug, entwischt. Beinlos wie sie war, brachte sie es auf beachtliche Geschwindigkeiten und mit ihrem Feueratem wäre es ihr fast gelungen, Isfrenors Schwungfedern in Brand zu setzen. Eine rote Haarsträhne hing ihm direkt vor der Nase. Sie rochen angesengt und seiner Kleidung ging es nicht viel besser. Gut, dass Sabu-Eichen nicht so leicht Feuer fingen, das hatte ihn gerettet.

An diesem Morgen hatten sich ihre Wege zufällig gekreuzt. Das Blut jagte schneller durch Isfrenors Adern sobald er sich in Erinnerung rief, wie das alte Biest seine Zähne in seine Schwester geschlagen hatte. Die Drachin wusste, dass sie damit eine Grenze überschritten hatte und sich lange Zeit versteckt gehalten. Das Schicksal hatte für diese Begegnung gesorgt. Heute würde Gerechtigkeit geübt. Isfrenor würde nicht mehr locker zu lassen. Er beugte sich nach vorne und leitete einen Sturzflug ein, um der Mörderin den Weg abzuschneiden. Unvermittelt war die Drachin zwischen Habusbüschen verschwunden, die jedem anderen Wesen mit ihren Dornen das Fleisch bis zu den Knochen aufschlitzten, doch den Schuppen der Drachin nichts anhaben konnten. Mit mächtigen, aber kaum hörbaren Flügelschlägen schwebte Isfrenor auf der Stelle und hoffte, ihre weißen Schuppen irgendwo zu erspähen.

Kein Knacken, kein Rascheln war zu vernehmen. Während Isfrenor sich im Kreis drehte, unterdrückte er selbst seinen Atem. Er befand sich über den Wipfeln alter Bäume. Ein kleines Felsplateau ragte wie ein Wachturm aus dem grünen Meer. Nur das Säuseln des Windes unter seinen Flügeln, die Luft, getränkt von der süßen Würze der Romuschblüten im üppigen Grün des Waldes, umschmeichelte mit ihrer Wärme die Haut. Isfrenor suchte die blau und weiß gebänderten Felsnadeln ab, die in den Strahlen der tief stehenden Sonne glitzerten. Seine Finger schlossen sich fester um den breiten Griff seines langen, gebogenen Sirdan-Dolches. Ein rotschillernder Konkäfer brummte schwerfällig vorbei und lenkte ihn für den Bruchteil einer Sekunde ab. Es erschien Isfrenor untypisch für die alte Drachin diese Gelegenheit für einen Angriff nicht zu nutzen. Vielleicht war sie weiter weg als er angenommen hatte. Noch einmal kreiste Isfrenor langsam um sich selbst - nichts. Wahrscheinlich war sie fort - verdammt. Er atmete durch und entspannte sich ein wenig, während er überlegte, wie ihr es gelungen war ihn auszutricksen. Vermutlich hatte Daffnur sich leise den Weg zurückgeschlichen, den sie gekommen war.

Das Zischen eines Pfeiles zerriss die Stille. Isfrenor wirbelte herum. Während er vor Schreck ein Stück absackte, schnappten über ihm gewaltige Kiefer zu. Der Pfeil prallte Funken sprühend an Daffnurs Panzerschuppen ab und verfehlte um eine Handbreite die einzig verwundbare Stelle am Hals des Untiers. Schlagartig löste Daffnur ihre Windungen um die Felsnadel und sprang mit einem gewaltigen Satz in den Schutz des Laubwaldes zurück. Von wem stammte der verdammte Pfeil?

Isfrenor kniff die Augen zusammen und suchte die Bäume nach dem Übeltäter ab. "Die Drachin ist mein!", rief er außer sich vor Wut.

Ein graublauer Schatten sprang von einem Ast. Ein Nachtalb! Verfluchtes Finstervolk! Die behaarte Gestalt mit den spitzen Ohren huschte in das Dickicht zurück

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