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Vampir Ein verwilderter Roman in Fetzen und Farben von Ewers, Hanns H. (eBook)

  • Verlag: Ktoczyta.pl
eBook (ePUB)
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Vampir

Hanns Heinz Ewers war gebürtiger Düsseldorfer, Weltenbummler, ein Vorläufer der Beat-Generation, drogenerfahren, experimentierfreudig, skandalumwittert, ein Bestsellerautor. 'Vampir' ist der Abschluss seiner autobiographisch geprägten Frank-Braun-Romane (Alraune/Der Zauberlehrling) und spielt zur Zeit des ersten Weltkriegs in den USA. 'Vampir': ein Roman zwischen Mescalrausch, Lust und Vampirismus, ein Roman über Demagogie und die Macht der Rede. Aus dem Buch: 'In dem Jahre, in dem die ganze Welt wahnsinnig wurde, war er hinausgezogen - zum andern Mal. Er sagte immer: zum andern Mal; er zählte nicht, ob es das siebente Mal war, oder das zehnte, das zwölfte. Drei Jahre war er nun schon zu Hause geblieben, über drei Jahre schon in seiner alten Heimat: Europa. Er wußte wohl, daß er krank war; Europa machte ihn krank, die Heimat, die er liebte. Nach einem Jahre wußte er es selbst; nach zwei Jahren sahen es seine Freunde; nach drei Jahren merkten es alle, die mit ihm sprachen. Die Nerven vielleicht - Aber er wußte auch, was ihn heilen mochte. Oder eigentlich: nicht heilen. Wohl aber: ihm neue Kraft geben für neue Jahre in der Heimat. Wenn er die Gluten der Tropen trank, wenn er die Einsamkeiten der Wüsten atmete, wenn seine Sehnsucht sich badete in den Unendlichkeiten aller Meere.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 577
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788381367004
    Verlag: Ktoczyta.pl
    Größe: 2891 kBytes
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Vampir

I. - OPALE

In dem Jahre, in dem die ganze Welt wahnsinnig wurde, war er hinausgezogen - zum andern Mal. Er sagte immer: zum andern Mal; er zählte nicht, ob es das siebente Mal war, oder das zehnte, das zwölfte. Drei Jahre war er nun schon zu Hause geblieben, über drei Jahre schon in seiner alten Heimat: Europa.

Er wußte wohl, daß er krank war; Europa machte ihn krank, die Heimat, die er liebte. Nach einem Jahre wußte er es selbst; nach zwei Jahren sahen es seine Freunde; nach drei Jahren merkten es alle, die mit ihm sprachen. Die Nerven vielleicht -

Aber er wußte auch, was ihn heilen mochte. Oder eigentlich: nicht heilen. Wohl aber: ihm neue Kraft geben für neue Jahre in der Heimat. Wenn er die Gluten der Tropen trank, wenn er die Einsamkeiten der Wüsten atmete, wenn seine Sehnsucht sich badete in den Unendlichkeiten aller Meere.

Und gesund - oder doch fast gesund - war er schon an dem Tage in Antofagasta. Irgendein Kleines nur war zurückgeblieben, ein Leichtes, Seltsames, Weiches und Verwildertes. Frank Braun lachte darüber, breitete die Arme aus, dehnte sich, reckte sich, fühlte seine alte Kraft, wie er jeden Muskel am Körper spielen ließ. Am liebsten wäre er hineingesprungen ins Wasser, zwischen die Seelöwen, wäre wettgeschwommen mit ihnen hinter den Heringsschwärmen im Hafen von Antofagasta. Das war an dem Tage, als das Wetterleuchten zuckte am Himmel der Heimat, an dem Tage, als der Schrei rings um die Welt jagte, durch alle Drähte in Meeren und Landen, durch alle Lüfte in funkenden Wellen: der wilde Schrei von Sarajewos Mordtat.

In Hamburg war er an Bord gegangen - auf den Dampfer, der gerade hinausfuhr in die Welt. Es war ihm, als ob ihn der Ozean trage und nicht das Schiff. Das war nur die Wiege, die ihn hielt - sie aber schaukelte leicht die allmächtige Mutter. Die sang, sang für ihn; wenn er die Augen schloß, konnte er's wohl verstehen, Weise und Worte. - Dann, bei St. Pauls Riff, mitten im Meer, bat er den Kapitän um ein paar Stunden, Haifische zu fangen. Der wollte nicht, aber er ließ nicht nach, gab ihm die schönsten Worte, steckte sich hinter den Ingenieur, der erklärte, er wolle die Zeit schon aufholen bis Montevideo. So hielten sie, machten die Haken zurecht, warfen sie aus; fingen fünf mächtige Bursche. Schnitten ihnen die Leiber auf, wie jeder Seemann tut, fanden nichts: da ist kein Überfluß an Menschenfleisch, mitten im Atlantik, bei St. Pauls Riff.

Unten traf er, in Punta Arenas, einen schmutzigen Kasten der La-Plata-Regierung, der herumfuhr zwischen den Inseln, selbst nicht ahnte, weshalb. Der Kapitän war ein Baske aus den Bergen, er sollte wohl Vermessungen machen und wußte nicht recht, was das war. Der Kosmosagent im Südhafen schrieb ihm ein paar Ziffern ab aus einem deutschen Buche, die zahlte er mit Fellen und schickte sie, mit vielen Siegeln, nach Buenos Aires. Kein Mensch las sie dort.

Sie kreuzten in der Magelhaensstraße. Zum Feuerland, auch hinüber nach Patagonien. Da schossen sie Guanakos und drüben Ottern und große Füchse. Sie besuchten die armseligen Goldgräber, die immer noch suchten, froren, fluchten und tranken; sie streiften herum mit den Bootsindianern, nackt in all der Kälte, schmutzig und verhungert, erbärmliche Tiere, die ihr Leben verkauften um einen Mundvoll Schnaps.

Oder er lag an Deck, fest eingehüllt, irgendwo in einer Bucht. Blickte auf die blauen Gletscher, die tief hinabglitten ins Meer, suchte im Wasser nach einer Robbe oder einem Pinguin, warf Speckstücke hinunter und kleine Fische für die Kaptauben und Boobies und Albatrosse, die wie plumpe Riesenenten sich schaukelten. Lag auch an den langen Abenden unten in seiner Kabine, auf Fellen, zwischen Fellen, rauchte, spielte Schach mit dem schwedischen Steuermann.

Nahm dann wohl seine alten Bücher, träumte mit ihnen. Es waren wenig genug, sechs oder sieben: Jacomino von Verona, Bruder Pacifius, St. Bonaventura, Jacopone von Todi. Der Schwede sah sie verächtlich

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