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Wächterin der Erde Roman von Feehan, Christine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.08.2016
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Wächterin der Erde

Gavriil Prakenskij ist Auftragskiller. Schwäche oder Gefühle kennt er nicht. Verführung gehört für ihn zum Geschäft. Doch alles ändert sich, als er die scheue Lexi trifft. Er kann fühlen, dass sie für ihn bestimmt ist. In ihrem Inneren ebenso verletzt wie er, teilt sie den Wunsch nach einem Neuanfang. Doch dann wird Lexi von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt. Kann Gavriil noch einmal auf seine Fähigkeiten zurückgreifen, um die Frau, die er liebt, zu schützen? Christine Feehan wurde in Kalifornien geboren, wo sie heute noch mit ihrem Mann und ihren elf Kindern lebt. Sie begann bereits als Kind zu schreiben und hat seit 1999 mehr als sechzig Romane veröffentlicht, die in den USA mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet wurden und regelmäßig auf den Bestsellerlisten stehen. Auch in Deutschland ist sie mit ihrer "Schattengänger"-Serie, den "Drake-Schwestern" und der "Sea Haven"-Saga äußerst erfolgreich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 08.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641188177
    Verlag: Heyne
    Serie: Sea Haven Bd.4
    Originaltitel: Earth Bound (Sea Haven 4)
    Größe: 1892 kBytes
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Wächterin der Erde

1.

D er Schmerz war eine seltsame Sache. Er lebte und atmete, existierte in jeder Zelle des Körpers. Er konnte einen lähmen, einem den Atem rauben, Würde und Lebensqualität nehmen. Schmerz konnte das Erste sein, was man fühlte, wenn man aufwachte, und das Letzte, bevor man einschlief. Er war ein heimtückischer Feind. Lautlos. Unsichtbar. Tödlich. Gavril Prakenskij hatte schon vor geraumer Zeit beschlossen, den Schmerz zu seinem Freund zu machen.

Wenn er überleben sollte, sofern das mit dem Schmerz als seinem Gefährten überhaupt möglich war, dann würde er sich damit abfinden - das hatte er ohnehin schon getan. Bis zu diesem Augenblick. Bis der Schmerz kein physischer oder mentaler mehr war, sondern nur noch ein emotionaler. Das war eine vollkommen andere Art von Schmerz - eine, auf die er absolut unvorbereitet war.

Sein Leben bestand aus totaler Disziplin und Kontrolle. Er plante jeden kleinsten Schritt und machte zu seinen Krisenplänen auch noch Ersatzpläne. Es gab nie auch nur einen Moment, auf den er nicht vorbereitet gewesen wäre. Keinen Augenblick, in dem ihn etwas schockiert oder überrascht hätte. Denn nur so blieb er am Leben. Er hatte keine Freunde, und jede neue Bekanntschaft war erst einmal ein Feind. Die wenigen, bei denen er sich erlaubt hatte, auch nur ein Fünkchen Freundschaft zu empfinden, hatten ihn letztlich verraten, und diese schmerzlichen Momente hielt er einfach für wichtige Lektionen, die er gelernt hatte.

An Betrug und Verrat war er gewöhnt. An Blut, Folter, Qual und Tod. Er war es gewöhnt, allein zu sein. Diese Welt verstand er, und deshalb fühlte er sich in ihr am besten. Er war siebenunddreißig Jahre alt und schon sein ganzes Leben lang in dieser Welt. Er kannte mehr Wege, einen Menschen zu töten oder zu foltern, als er aufzählen konnte. Er trug den Tod mit sich wie ein anderer etwa seine Identität. Denn er war der Tod. Wenn er aus dem Schatten trat, und wenn es nur für einen Augenblick war, dann um zu einem todbringenden Schlag auszuholen.

Nur wenige bekamen ihn je zu Gesicht. Er lebte in einer Schattenwelt, durch die er sich bewegte wie ein Phantom, ein nächtlicher Spuk, der Leichen hinterließ. Er war unwirklich, nicht mehr als eine Schimäre, von der man einen kurzen Blick erhaschte. Körperlos. Ohne Substanz. Und nun stand er hier, am frühen Morgen, die Dämmerung schnitt lange, helle Streifen in die samtschwarze Nacht, seine wohlgeordnete Welt zerfiel um ihn herum, und er konnte geradezu spüren, wie die Erde unter ihm bebte.

Seine Handfläche juckte. Nicht nur ein wenig, sondern so heftig, dass er etwas dagegen tun musste. Gavril presste sie fest gegen den Oberschenkel; sein Herz pochte plötzlich wie wild. Manchmal machte das Leben die unerwartetsten Wendungen - und er hätte wissen müssen, dass das vielleicht passieren würde.

Er war an einen Kraftort gelangt. Hier schwang Energie in der Luft und stieg aus der Erde empor, sie war im Wind und in dem Wasser, das er unter der Erde fließen spürte. Dieser Ort, diese Farm, war gefährlich, und er hatte die Warnungen nicht beachtet - hatte nicht erwartet, dass die Gefahr ihm galt und welche Form sie annehmen würde. Aber er war hierhergekommen, und nun würde jemand den Preis dafür bezahlen.

Eine junge Frau kam durch ein Maisfeld auf ihn zu, die hohen Pflanzen überragten sie. Sie wirkte anmutig, ihre Bewegungen waren leicht und fließend, ab und zu blieb sie stehen, um einen Kolben näher zu betrachten.

Er konnte den Blick nicht von ihr abwenden und davon, wie sich die Pflanzen zu ihr neigten, als sei sie die Sonne und nicht der goldglänzende Ball, der eben seinen Aufstieg in den Himmel begann. Sie trug ausgefranste Jeans, voller Löcher und vom vielen Waschen gebleicht, dazu ein lässig geknöpftes, dunkelblau kariertes Hemd. Er wusste, dass sie es achtlos geknöpft hatte, denn der erste und der letzte Knopf waren offen, und er verspürte den lächerliche

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