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Walkaway Roman von Doctorow, Cory (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.06.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Walkaway

Die nahe Zukunft: Der Planet ist vom Klimawandel gezeichnet, die moderne Gesellschaft wird von den Ultra-Reichen regiert und die Städte haben sich in Gefängnisse für den normalen Bürger verwandelt. Doch es ist auch eine Welt, in der sich Lebensmittel, Kleidung und Obdach per Knopfdruck produzieren lassen. Warum also in einem System ausharren, das die Freiheit des Menschen beschränkt? Vier ungleiche Helden machen sich auf den Weg in die Wildnis. Dort suchen sie Unabhängigkeit, Glück und Selbstbestimmung. Was sie aber stattdessen dort finden, stellt ihre ganze Welt auf den Kopf: den Weg zur Unsterblichkeit ...

Cory Doctorow, 1971 in Toronto geboren, ist Schriftsteller, Journalist und Internet-Ikone. Mit dem Blog boingboing.net und seinem Kampf für ein faires Copyright hat er weltweite Bekanntheit erlangt. Sein erster Jugendroman Little Brother wurde ein internationaler Bestseller. Cory Doctorow ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 736
    Erscheinungsdatum: 11.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641195793
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Walkaway
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Walkaway

[i]

Hubert Vernon Rudolph Clayton Irving Wilson Alva Anton Jeff Harley Timothy Curtis Cleveland Cecil Ollie Edmund Eli Wiley Marvin Ellis Espinoza war zu alt, um auf einer kommunistischen Party zu sein. Mit seinen siebenundzwanzig Jahren war er sieben Jahre älter als der nächstjüngere Gast. Er spürte die demografische Kluft. Nur zu gern hätte er sich hinter einer der riesigen schmutzigen Maschinen versteckt, die in der verfallenen Fabrik herumstanden. Nur zu gern wäre er den unverhohlen neugierigen Blicken der schönen Kinder in allen Schattierungen und Größen entgangen, die nicht verstehen konnten, warum sich hier ein alter Mann herumtrieb.

"Lass uns hier verschwinden", sagte er zu Seth, der ihn zu der Party geschleppt hatte. Seth hatte Angst, dem demografischen Reich der schönen Kinder zu entwachsen und in die Welt der Nichtarbeiter einzutreten. Er besaß einen untrüglichen Instinkt dafür, die extravagantesten, abgefahrensten, unbotmäßigsten Veranstaltungen der Kinder zu finden, die allmählich im Rückspiegel entschwanden. Hubert Etcetera Espinoza trieb sich nur mit Seth herum, weil er die eigene Kindheit ebenso wenig loslassen konnte wie die Freunde der Kindheit. Wenn Seth auf etwas bestand, ließ sich Hubert Etcetera leicht umstimmen.

"Gleich geht es zur Sache", verkündete Seth. "Kannst du uns nicht ein paar Bier holen?"

Genau das wollte Hubert Etcetera auf gar keinen Fall tun. Am Bierstand drängten sich die unbekümmerten Jugendlichen, tummelten sich fröhlich und bizarr wie Tropenfische. Einer war elfenhafter und tragischer als der andere. Hubert Etcetera erinnerte sich an dieses Alter und an die Gewissheit, dass nur ein Idiot auf die Idee kommen konnte, die kaputte Welt und ihre Sachzwänge als gegeben hinzunehmen. Oft stellte er sich seinem Spiegelbild auf dem Screen im Bad, starrte sich in die Augen, die in einem Nest von Runzeln saßen, und erinnerte sich daran, dass er einmal ein Mensch gewesen war, der jede Minute damit verbracht hatte, die Legitimität der Welt zu bestreiten, in die er jetzt verstrickt war. Hubert Etcetera konnte sich nicht einreden, dieses Wissen existiere nicht. Jeder, der unter zwanzig war, konnte es auf der Stelle bemerken.

"Nun mach schon, Mann, geh. Ich habe dich auf die Party mitgenommen, und das ist das Mindeste, was du tun kannst."

Hubert Etcetera schenkte sich die naheliegende Antwort, dass er sowieso nicht hatte mitkommen wollen und außerdem kein Bier mochte. Ein Streit mit Seth führte leicht in alle möglichen witzlosen Sackgassen. Der hatte sein Peter-Pan-Gesicht aufgesetzt und war bereit, laut zu lachen und bis zur völligen Erschöpfung nichts und niemand auf der Welt ernst zu nehmen, während Hubert Etcetera schon vor Beginn des Abends müde gewesen war.

"Ich habe kein Geld", erklärte Hubert Etcetera.

Seth sah ihn von der Seite an.

"Oh, richtig", fuhr Hubert Etcetera fort. "Kommunistenparty, was?"

Seth gab ihm zwei rote Partybecher. Die Farbe war sicher kein Zufall.

Als Hubert Etcetera zu den Zapfhähnen ging - sie waren an einen Stahlträger gedengelt, der vom Boden bis zum Dachfirst reichte, mit gelben Sicherheits-Strichcodes beklebt, voller Korrosionsflecken und von den flackernden Lichtern des DJ s beleuchtet -, überlegte er, welches der schönen Kinder der Barkeeper, das Faktotum oder der Kommissar war. Niemand rührte sich, um ihm zu helfen, und niemand versperrte ihm den Weg, als er sich näher heranschob. Drei Kinder hielten allerdings inne und beobachteten ihn aufmerksam.

Alle drei trugen Marx-Brothers-Brillen sowie die zugehörigen großen, buschigen Bärte wie in den Vocoder-Videos und strahlten eine surreale Drohung aus. Die Bärte waren bunt gefärbt, in einem steckte noch etwas anderes - ein Modellierdraht? -,

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