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Zwillingsblut - Der Kampf der Zwerge Roman von Lambertus, Hendrik (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.06.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Zwillingsblut - Der Kampf der Zwerge

Dunkelheit überzieht das Land. Die Horden des Kettenfürsten marschieren, um auch noch die letzten freien Länder der Menschen, Elben und Zwerge zu unterwerfen. Letzte Hoffnung ist eine Prophezeiung: Sie berichtet von Zwillingen, die die Ketten des Fürsten sprengen werden, um ihn zu besiegen.

Im unterirdischen Zwergenreich Tokrond leben der stille Runenschmied Gorin und seine draufgängerische Zwillingsschwester Galdra. Sie ahnen nichts von ihrer möglichen Bestimmung, bis ihnen die geheimnisvolle Winterseherin davon erzählt. Doch nicht nur Gorin und Galdra könnten die angekündigten Erlöser sein - und die Zeit arbeitet gegen sie ...

Hendrik Lambertus, 1979 geboren, lebt mit seiner Familie in Norddeutschland. Er studierte in Tübingen Skandinavistik, ältere Germanistik und Indologie und widmete sich danach seiner Doktorarbeit zur spätmittelalterlichen Literatur Islands. Noch heute dient ihm die Auseinandersetzung mit alten Texten aus den unterschiedlichsten Kulturräumen als Inspiration für das eigene Schreiben. Mit Zwillingsblut - Der Kampf der Zwerge legt er sein Debüt vor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 575
    Erscheinungsdatum: 29.06.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732556786
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Zwillingsblut .1
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Zwillingsblut - Der Kampf der Zwerge

ERSTES KAPITEL

TOKROND, DAS FESTUNGSREICH DER EISENZWERGE
DIE ÄUSSEREN HÖHLEN

D ie Königreiche der Zwerge waren tief in die Herzen der Berge gegraben. Generationen von Baumeistern hatten immer neue Stollen und Hallen angelegt, Schächte und Treppen, die in die Tiefe führten, Verteidigungswerke und gewundene Passagen. Zahllose Steinmetze hatten die Stollenwände mit Runentafeln geschmückt, die Hallen mit grimmigen Wächterstatuen versehen und jede einzelne Säule zu einem Kunstwerk gemacht, in dessen Details man sich stundenlang verlieren konnte.

Doch zwergische Kunstfertigkeit war nichts gegen die Pracht, mit der Dwaldarin, der göttliche Schmied, die natürlich gewachsenen Höhlen im Fels bedacht hatte. Hier gab es ganze Wälder von Tropfsteinen, Wände aus Sintergestein, die wie weiß erstarrte Wasserfälle schimmerten, und zwergengroße Kristallgebilde, in denen alle Farben des Regenbogens spielten. Manchmal weiteten die Höhlen sich wie die Kuppel eines Doms, manchmal musste man sich durch einen engen Durchgang zwängen, um plötzlich am Ufer eines Höhlensees zu stehen, in dem sich bleiche Wassergeschöpfe tummelten.

Gorin schaute sich prüfend um, während er zusammen mit den anderen Zwergen des Wachtrupps durch die äußeren Höhlen von Tokrond marschierte. Gelegentlich blieb er kurz stehen, um einen besonders schönen Tropfstein genauer zu betrachten, während er sich andächtig über den geflochtenen Bart strich. Doch sie befanden sich nicht auf einem Vergnügungsausflug, und so zwang er sich immer wieder, zu den anderen aufzuschließen.

Die Kettenmäntel der Zwerge rasselten im Takt ihrer schweren Schritte, gelegentlich durchsetzt von einem Klirren, wenn eine Streitaxt oder ein Kriegshammer beim Gehen gegen eine Rüstung stieß. Sie waren viel zu laut, fand Gorin, für den in den Höhlen einzig heilige Stille angemessen war.

Es war etwas Besonderes für ihn, in den äußeren Höhlen unterwegs zu sein. Seine Arbeit als Runenschmied band ihn für gewöhnlich an die inneren Hallen, weshalb er nur selten hierherkam, in die Welt der Tropfsteine und Kristalle. Doch es oblag allen Zwergen von Tokrond gleichermaßen, die Grenzen des Königreichs zu bewachen, und heute war die Gilde der Runenschmiede an der Reihe, einen Teil des Wachtrupps zu stellen.

Wie alle Zwerge war auch Gorin geübt im Kampf mit der Streitaxt und an das Tragen einer schweren Kettenrüstung gewöhnt, wenn auch beides nicht gerade seine Stärke war. Für den Wachrundgang hatte er sich extra Eisenringe in seinen blonden Bart geflochten, um kriegerischer zu wirken. Seine Schwester Galdra hatte breit gegrinst, als er so zum Dienst erschienen war.

Gorin warf ihr beim Marschieren einen Seitenblick zu. Sie gehörte der Gilde der Höhlengänger an, deren Angehörige die Wachtrupps stets anführten. Mit dem kompakten Rucksack, den sie über dem Kettenpanzer trug, konnte sie zur Not für Wochen in den Höhlen überleben. Zudem war sie mit Streitäxten und Wurfbeilen von unterschiedlicher Form und Größe behängt, die jeweils perfekt an die Schwachstellen verschiedener Höhlen-Ungeheuer angepasst waren. Ihre dunkelblonden Haare hatte sie zu dicken, praktischen Zöpfen gebunden, ihre Wangen waren von feinem Bartflaum bedeckt. Lediglich am Kinn trug sie den Frauenbart länger und zu zwei neckischen Zöpfchen geflochten. Als sie Gorins Blick spürte, lächelte sie ihm aufmunternd zu. Obwohl er nur eine leichte Armbrust und eine Handaxt am Gürtel mit sich führte, setzte ihm der Fußmarsch deutlich stärker zu als seiner voll ausgerüsteten Schwester.

Der Trupp durchquerte im Gänsemarsch einen engen, besonders steil ansteigenden Gang und betrat nun das Gebiet der Irrlichtgrotten. Hier wuchsen spiegelglatte, vielarmig verzweigte Kristalle aus Boden, Wänden und Höhlendecke, zwischen denen blassviolette Lichter umherhuschten. Manche sagten, dass diese Lichter die Seelen armer Zwerge seien, die sich einst in den Höhlen verirrt hatten.

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