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Der Garten ist geöffnet von Nichols, Beverley (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.03.2016
  • Verlag: Schöffling & Co.
eBook (ePUB)
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Der Garten ist geöffnet

Mit DER GARTEN IST GEÖFFNET blickt Beverley Nichols auf eine mehr als 30-jährige freudvolle Karriere als Gärtner und Autor zurück. Aber Nichols wäre nicht Nichols, wenn er sich auf einfache gärtnerische Belange beschränken würde - dazu ist der Autor schlicht zu weltläufig -, nein, wir erfahren viel Wissenswertes und Unterhaltsames über Katzen, psychische Phänomene und auch darüber, wie Pflanzen als Mordwaffen zu handhaben sind. DER GARTEN IST GEÖFFNET ist ein liebevolles Buch, gepfeffert mit der gleichen Dosis an Spleenigkeit und Humor, die die Leser mehrerer Generationen mit Mr. Nichols verbinden. Das einzig Vorhersehbare an seinen Geschichten und Geschichtchen ist, dass es auf jeder Seite eine Überraschung gibt - und man über die meisten lachen kann. Beverley Nichols (1898-1983) ist den Kennern der literarischen Katzen- und Gartenkalender längst vertraut, da kaum einer gleichermaßen liebevoll, kenntnisreich und elegant über die wichtigen Dinge des Lebens (Katzen & Gärten) zu schreiben in der Lage ist. Er schrieb über 60 Bücher - Romane, Reisebeschreibungen, Kinder- und Kriminalgeschichten - und immer wieder über Gärten und Katzen oder Katzen in Gärten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 16.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783731760955
    Verlag: Schöffling & Co.
    Größe: 3119 kBytes
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Der Garten ist geöffnet

I
Das Wüten des Winters

" D as Wetter in England" - schrieben meine Freunde den ganzen bitterkalten Winter über mit ermüdender Eintönigkeit - "ist absolut unbeschreiblich." Und fuhren damit fort, es in aller Ausführlichkeit zu beschreiben.

Ich selbst konnte dabei nicht mitreden, da ich mich auf einer Vortragsreise durch Amerika befand, wo das Wetter, wie alle annahmen, nicht "unbeschreiblich" war. In gewisser Weise hatten sie recht. Nichts wäre mir leichter gefallen, als den Tornado zu beschreiben, der genau im Augenblick meiner Ankunft mit minus 25 Grad Celsius über Detroit herfiel, mich im wahrsten Sinn des Wortes packte und in einen mit Schneematsch gefüllten Rinnstein katapultierte, wo ich von einer Ambulanz aufgelesen und ins Krankenhaus abtransportiert wurde, damit man mich röntgen und bandagieren und mir eine Spritze gegen Kiefersperre verpassen konnte, eine Vorsichtsmaßnahme, die wohl verhindern sollte, dass meine Zähne auf dem Podium, auf dem ich eine Stunde später erwartet wurde, urplötzlich anfingen zu klappern, um sich dann unlösbar ineinander zu verbeißen.

Ähnlich leicht wäre es mir gefallen, die Eiseskälte zu beschreiben, die den ganzen mittleren Westen erfasst hatte. "Wie tief ist der Boden gefroren?", fragte ich nach einem meiner Vorträge eine Dame aus Cleveland. Sie hatte ganz in Schwarz gekleidet in der ersten Reihe gesessen und mich ein bisschen aus dem Konzept gebracht, weil sie aussah, als habe sie etwas verloren. Ihre Antwort verriet mir, dass das tatsächlich der Fall war. "Mindestens einen Meter zwanzig tief, wie ich zufällig weiß", antwortete sie. "Ich habe nämlich gerade meine Köchin beerdigt." Die Stars der amerikanischen Bühne, Alfred Lunt und Lynn Fontane, konnten diese Aussage sogar noch überbieten. In ihrem Garten, versicherten mir die beiden, war der Boden viel tiefer gefroren, und sie mussten nicht auf so extreme Maßnahmen wie das Beerdigen einer Köchin zurückgreifen, um das in Erfahrung zu bringen.

Doch derartige Details behielt ich in meinen Briefen nach Hause für mich, denn im Lauf der Wochen zeigte sich, dass es dort tatsächlich ziemlich schlimm aussah. In abgelegenen Gegenden mussten Soldaten eingesetzt werden, im Dartmoor fielen die sonst so robusten Ponys einfach tot um, und in Richmond, nur ein paar Meilen von meinem Cottage entfernt, fror die Themse zum ersten Mal seit Menschengedenken komplett zu. Zufälligerweise war auch der Mississippi zugefroren, aber in Amerika rechnet man mit diesen Dingen, in England nicht. In England ist das Wetter oft trübselig und immer unvorhersehbar, aber selten melodramatisch. Ein Beispiel, das mir die missliche Lage meiner Freunde zu Hause am deutlichsten vor Augen führte, erreichte mich mit dem Brief einer befreundeten alten Dame, die in einem einsamen Cottage in den Downs von Sussex lebte. Sie machte sich schreckliche Sorgen um die armen Vögel, schrieb sie, und hatte sie so gut es ging gefüttert, obwohl das nicht immer leicht war, weil die Straßen auf dem Land manchmal tagelang unpassierbar waren. Trotzdem waren die Vögel immer schwächer geworden und hatten teils kaum noch die Kraft wegzufliegen, nachdem sie an den Brotrinden und Speckschwarten herumgepickt hatten.

"Inzwischen jedoch", schrieb sie, "ist mir klar geworden, wie dumm ich war. Sie brauchten nämlich nicht nur Futter, sondern auch Wasser. Also habe ich Schüsseln aufgestellt und Teelichter darüber gehängt, die gerade so viel Wärme abgeben, dass das Wasser nicht friert. Die Konstruktion ist ein durchschlagender Erfolg, und ich kann nur hoffen, dass mein Vorrat an Teelichtern noch eine Weile reicht." Es war der letzte Brief, den ich je von ihr erhielt. Ein paar Tage später fand man sie vor der Tür ihres Cottage, wo sie ausgerutscht und hingefallen war. Neben ihr lag eine dick vereiste Packung Teelichter. So lange es im guten alten England noch solche Charaktere gibt, kann es trotz des Wetters

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