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Der Harz von Amling, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.08.2012
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Der Harz

Walpurgisnacht, Burgruinen, Schmalspurbahn, Bergleute, Kaiser, Einhörner, Seltene Erden und tiefe Wälder - der Harz ist ein Naturerlebnis und eine Wiege von Technik und Kultur gleichermaßen. Wie sich Weltgeschichte hier in der schönsten Landschaft ballt, erzählt diese Harzwanderung.

Christian Amling lebt seit frühester Kindheit in Quedlinburg. Gern aber auch in Waldhäusern im Harz, den er seit Jahren durchwandert. Der Physiker und Lokalpolitiker ist als Schriftsteller im Harz bekannt durch seine Kriminalromane um den Privatdetektiv Irenäus Moll. Der ermittelt im nördlichsten deutschen Mittelgebirge, dessen tiefe Wälder, uralte Moore und beschauliche Fachwerkstädtchen in diesem Buch die Hauptrolle spielen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 16.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455850376
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 675 kBytes
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Der Harz

DAS GEOLOGISCHE MUSTER
Eine kleine Zeitreise

W enn es bald Regen gibt und die Luft glasklar ist, bietet das Gebirge von meinem Fenster aus einen reich strukturierten Anblick. An den schroffen Felsabhängen des Bodetals kann man von weitem die Bäume zählen, davor ragen die Steinzinnen der Teufelsmauer wie der Rückenkamm eines urzeitlichen Drachens aus der welligen Landschaft, die Wilhelm-Raabe-Warte thront über den Dächern Blankenburgs und in der Ferne erhebt sich das Brockenmassiv. Die rotweißen Sendemasten leuchten in der Sonne, deutlich zu erkennen, auch aus fünfzig Kilometern Entfernung. Im Spätherbst, wenn dort oben der erste Schnee gefallen ist, bedeckt diesen mystischen Berg eine weiße Kappe, und er sieht ein bisschen aus wie der Kilimandscharo.

Oft ist der hohe Berg jedoch eingepackt in tiefgraue Wolkenbänke, nur schemenhaft zu erkennen oder ganz den Blicken entzogen. Die Silhouette des Gebirges erhebt sich dann bläulich bis dunkelgrün eingefärbt über der Vorharzlandschaft. In vielfältigen Variationen lagern die wassergetränkten Luftmassen über dieser Charakterlinie zwischen Himmel und Erde. Wird es regnen oder schneien oder stürmen oder gewittern?

Manchmal sieht man auch gar nichts, nur trübe Suppe, die vielleicht noch in einer der Harzgemeinden vom matten Glimmen eines besonders starken Scheinwerfers durchstrahlt wird. Und wenn selbst die nahe Teufelsmauer in nasser Nebelwatte zerfließt, sollte man tunlichst am heimischen Herd bleiben und einen Schierker Feuerstein trinken.

So erscheinen die Berge vom Stadtrand der mittelalterlich anmutenden Stadt Quedlinburg aus, die heute eines der großen Flächendenkmale des UNESCO-Welterbes ist. Aus dieser Perspektive sehe ich den Harz zeit meines Lebens. Um die uralte Geröllanhäufung näher kennenzulernen, ist man gezwungen, sie auf wunderbaren, romantischen und anstrengenden Wegen und Steigen zu erkunden.

Der berühmte und einigermaßen skurrile Professor für Experimentalphysik Alfred Recknagel pflegte bei der Antrittsvorlesung die noch grünen, ganz neuen Studenten an der TU Dresden zu belehren: "Jede Wissenschaft behauptet von sich, die allumfassendste, primäre und tiefgründigste Quelle der Erkenntnis zu sein. Die Physik meint das natürlich auch, allerdings mit einem kleinen Unterschied: Sie ist es wirklich!"

Analog dazu möchte ich am Anfang dieser Betrachtung die Behauptung aufstellen: Die Bewohner eines jeden deutschen Mittelgebirges behaupten von sich, auf dem markantesten, romantischsten, lieblichsten und geschichtsträchtigsten Bergstock zu siedeln. Das sagen die Harzer natürlich ebenfalls, nur es gibt einen Unterschied: Sie tun es tatsächlich!

Der nun fällige Beweis braucht die Muße genussvoller Wanderungen. Wie bemerkt, handelt es sich bei einem Bergmassiv um eine gewaltige Anhäufung von Steinplatten, Felstrümmern, Mineralien, Sedimenten und einer erheblichen Menge Wasser. All das wird überwuchert und durchsetzt von einer wenige Meter hohen Schicht aus Pflanzen, Pilzen und Flechten, die artig dazu beitragen, das Gebirge nach und nach in seine Bestandteile zu zerlegen. Dazwischen wimmelt es von Mikroben, Würmern und Insekten, allerlei bunten Vögeln, einigen Füchsen und Rehen, und hin und wieder tauchen auch ein paar Menschen oder Autos auf.

Um die Dynamik in einem derart komplexen ökogeologischen System zu verstehen, ist ein winziger Einblick in seine Entstehungsgeschichte nicht zu vermeiden. Alles hängt mit allem zusammen, und deshalb kann auch das Gehäuse einer devonischen Koralle heute die Lebensgrundlage eines bunten, kalkliebenden Blümeleins sein!

Glücklicherweise ist es nicht nötig, allzu weit

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