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Und wer küßt mich? von Kjærnli, Tone (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.12.2014
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Und wer küßt mich?

Was ist ein Mädchen, das fast zwölf Jahre alt ist? Nicht Fisch noch Vogel. Nina, Kennzeichen: Sommersprossen, rote Zottelhaare und endlos lange Beine, steckt gerade mittendrin in allen möglichen Veränderungen. Nina und Heidi sind die besten Freunde seit Schulanfang, aber in der fünften Klasse fängt sich alles an zu verändern. Heidi hat sich im Urlaub in Ørjan verliebt und ihn sogar geküsst! Ganz schön aufregend ist es, was sich da so tut - bei ihr selbst, in der Schule, mit der besten Freundin und in der Liebe! Vor allem aber versteht Nina es, witzig davon zu erzählen. ZUR AUTORIN Tone Kjærnli arbeitet als Theaterlehrerin an einem Gymnasium nahe Oslo. UND WER KÜSST MICH? ist ihr Erstlingsroman; er wurde nach seiner Veröffentlichung im Verlag auf Anhieb ins Programm des größten norwegischen Jugend-Buchclubs aufgenommen und dort zum Buch des Monats gewählt. Seitdem hat Tone eine Reihe Jugendbücher geschrieben, mehrere preisnominiert - und gekrönt. REZENSSION 'Ein phantastischer Roman für Kinder und Jugendliche im Alter 9-13 Jahren. Die Geschichte ist gut geschrieben, engagiert und vor allem voller Fantasie.' Lektorat, Britta Liboriussen

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 187
    Erscheinungsdatum: 05.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711322857
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1282 kBytes
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Und wer küßt mich?

1

Ich, Nina Ruud, elf Jahre, drei Monate und zwei Wochen alt, wohne in so einem alten Kasten, einem richtigen Geldfresser. So nennt jedenfalls Mutter unser Haus. Vater versucht alle undichten Stellen im Dach, die Risse in den Kellermauern und ich weiß nicht, was sonst noch zu reparieren, so gut er kann. Aber so gut kann er es eben doch nicht. Ausgerechnet heute Nachmittag war er wieder mal dabei, auf dem Dachboden zu hämmern und klopfen, zu stöhnen und fluchen, dass man es bis in den Garten heraus hören konnte. Mutter war nicht besonders glücklich darüber, denn es ist Sonntag, und Frau Bang-Hansen von nebenan mag es gar nicht, wenn sonntags gearbeitet wird.

Wir haben das Haus von meinen Großeltern geerbt. Es ist fast hundert Jahre alt. Synne, die in meine Klasse geht und auch in unserer Straße wohnt, sagt, dass es das hässlichste Haus ist, das sie je gesehen hat, schief, spitz und merkwürdig. Typisch Synne. Sie muss ihr Krötenmaul immer aufreißen. Und außerdem möchte ich mal wissen, wie sie als Hundertjährige wohl aussieht. Sicher genauso schief und merkwürdig. Und genauso undicht wie das Dach.

Mutter und ich rekelten uns in unseren Liegestühlen in der warmen Nachmittagssonne. Ich versuchte mit aller Macht, noch ein bisschen braun zu werden, denn morgen sind die Sommerferien zu Ende und die Schule fängt wieder an, und ich wollte mich ein einziges Mal mit brauner Haut und nicht nur mit Sommersprossen zeigen können. Vom Haus her war eine Reihe schneller Hammerschläge zu hören. Dann kam ein fürchterliches Geheul, das die Krähen im Kirschbaum aufscheuchte und zu panischer Flucht veranlasste.

"Nein, so was, hast du den Vogel gehört?", fragte Mutter im Halbschlaf. "Wie grässlich er geschrien hat."

"Das war kein Vogel", sagte ich. "Das war Papa."

Mutter sprang auf, rief: "Hast du dir weh getan, Thorvald?", und lief hinein. Ich hinterher. Ganz oben auf der Dachbodentreppe saß Vater und lutschte an einem geschwollenen Daumen, die spärlichen Haare standen ihm zu Berge. Niemand mit so wenig Haaren kann so zerzaust aussehen wie mein Vater. Darin ist er Meister. Leider kann man über seine Fähigkeiten als Tischler nicht dasselbe sagen.

"Verfluchter Hammer", sagte Vater, und Mutter warf mir einen raschen Blick zu, als ob ich nicht schon Schlimmeres gehört hätte, vom Rolf aus meiner Klasse beispielsweise.

In diesem Augenblick durchdrang das Geheul einer elektrischen Gitarre das Haus.

"Hilfe", sagte Mutter, "jetzt wird gleich Frau Bang-Hansen anrufen und sich beschweren. Nina, geh mal runter und bitte Fredrik, ein bisschen leiser zu spielen."

Ich ging wieder ins Erdgeschoss und öffnete die Tür zu Fredriks kohlrabenschwarzem Zimmer. Ja, ihr habt richtig gelesen: kohlrabenschwarzes Zimmer. Die Schwarze Höllennacht, wie ich es nenne. Es war nämlich vor einiger Zeit, als es am allerheißesten war, da ist Fredrik in seinem Zimmer verschwunden und hat es gestrichen. Total schwarz. Wir anderen ahnten nichts. Wir lagen im Garten, schwitzten und keuchten und duschten uns alle fünf Minuten mit dem Gartenschlauch.

"Wo zum Teufel ist Fredrik?", fragte Vater. "Er muss bei diesem schönen Wetter doch auch mal rauskommen?"

Ich ging hinein und sah, was Fredrik tat, ging wieder hinaus und sagte, dass er in der rechten Ecke der Schwarzen Höllennacht sei. Am Fenster.

"He?", fragte Vater, und dann roch er den Farbgeruch und die Stirn fiel ihm über die Augen. Er kam mühsam auf die Beine und schlich sich hinein, Böse Ahnungen mit Schweiß auf den sonnenverbrannten Rücken geschrieben.

Eine halbe Minute.

Dann kam's.

Ein Schrei.

Vater schrie und taumelte rückwärts wieder heraus. Oh, oh, oh, direkt in die Arme von Mutter. Die auch nicht gerade absolut begeistert war.

"Das ist das Alter", sagte sie.

"Ja, aber ich war auch mal fünfzehn und ich habe deshalb nicht die Zimmer schwarz angemalt

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