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Das große Märchenbuch von Volkmann-Leander, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.03.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Das große Märchenbuch

Richard von Volkmann, der für sich das Pseudonym Richard Leander wählte, schrieb liebevoll ausgeschmückte Märchen, die er unter dem Titel 'Träumereien an französischen Kaminen' veröffentlichte. In dieser Märchenbuchausgabe finden sich die Geschichten: Goldtöchterchen Von der Königin, die keine Pfeffernüsse backen konnte ... Der Wunschring Der alte Koffer Der verrostete Ritter Das Klapperstorch-Märchen und viele andere. Die Geschichten wurden an die aktuelle Rechtschreibung angepasst.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 121
    Erscheinungsdatum: 18.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739244785
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 12678kBytes
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Das große Märchenbuch

Die Traumbuche

Hundert Jahre oder mehr ist's wohl her, dass der Blitz in sie einschlug und sie von oben bis unten auseinander spellte, und ebenso lange schon geht der Pflug über die Stätte; früher aber stand einige hundert Schritte vor dem ersten Hause des Dorfes auf dem grünen Rasenhügel eine alte mächtige Buche; so ein Baum, wie jetzt gar keine mehr wachsen, weil Tiere und Menschen, Pflanzen und Bäume immer kleiner und erbärmlicher werden. Die Bauern sagten, sie stamme noch aus der Heidenzeit und ein heiliger Apostel sei unter ihr von den falschen Heiden erschlagen worden. Da hätten die Wurzeln des Baumes Apostelblut getrunken, und wie es ihm in den Stamm und in die Äste gefahren, sei er davon so groß und kräftig geworden. Wer weiß, ob's wahr ist? Eine eigene Bewandtnis aber hatte es mit dem Baum; das wusste jeder, Klein und Grobeta im Dorf. Wer unter ihm einschlief und träumte, des Traum ging unabweislich in Erfüllung. Deshalb hieß er schon seit undenklichen Zeiten die Traumbuche, und niemand nannte ihn anders. Eine besondere Bedingung war jedoch dabei: wer sich zum Schlaf legte unter die Traumbuche, durfte nicht daran denken, was er wohl träumen würde. Tat er es doch, so träumte er nichts wie Krimskrams und verworrenes Zeug, aus dem kein vernünftiger Mensch klug werden konnte. Das war nun allerdings eine sehr schwere Bedingung, weil die meisten Menschen viel zu neugierig sind, und so misslang es denn auch den allermeisten, die es versuchten; und zu der Zeit, wo die folgende Geschichte sich zutrug, war im Dorf wohl kein einziger, weder Mann noch Weib, dem's auch nur ein einziges Mal gelungen wäre. Aber seine Richtigkeit hatte es mit der Traumbuche, das war sicher. -

Eines heißen Sommertages also, da kein Lüftchen sich regte, kam auch einmal ein armer Handwerksbursche die Straße daher gewandert, dem war es in der Fremde viele Jahre hindurch weh und übel gegangen. Als er vor dem Dorfe anlangte, drehte er zum Überfluss noch einmal alle seine Taschen um, doch sie waren sämtlich leer. Was fängst du an? dachte er bei sich. Todmüde bist du; umsonst nimmt dich kein Wirt auf, und das Fechten ist ein beschwerliches Handwerk. Da erblickte er die herrliche Buche mit dem grünen Rasenhügel davor; und da sie nur wenige Schritte abseits vom Wege stand, legte er sich unter sie ins Gras, um etwas auszuruhen. Doch der Baum hatte ein seltsames Rauschen, und wie er seine Zweige leise bewegte, ließ er bald hier, bald da einen feinen glitzernden Sonnenstrahl durchfallen und bald hier, bald da ein Stückchen blauen Himmel durchscheinen: da fielen ihm die Augen zu, und er schlief ein.

Als er eingeschlafen war, warf die Buche einen Zweig mit drei Blättern herab, der fiel ihm gerade auf die Brust. Da träumte er, er säße in einer gar heimlichen Stube am Tisch, und der Tisch wäre sein, und die Stube auch, und ebenso das Haus. Und vor dem Tisch stände eine junge Frau, stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch und sähe ihn gar freundlich an, und das wäre seine Frau. Und auf seinen Knien säße ein Kind, dem fütterte er seinen Brei, und weil er zu heiß wäre, bliese er immer auf den Löffel. Und da sagte die Frau: "Was du doch für eine gute Kindermuhme bist, Schatz!" und lachte darüber. In der Stube aber spränge noch ein anderes Kind herum, ein dicker, pausbäckiger Junge, und er hätte an eine große Mohrrübe einen Bindfaden gebunden und zöge sie hinter sich her und riefe immer hü und hott, als wär's der beste Fuchs. Und alle beide Kinder wären ebenfalls sein. So träumte er; und der Traum musste ihm wohl sehr gefallen, denn er lachte im Schlaf übers ganze Gesicht.

Als er aufwachte, war es schon fast Abend geworden, und vor ihm stand der Schäfer mit seinen Schafen und strickte. Da sprang er erquickt auf, dehnte und reckte sich und sagte: "Lieber Himmel, wem's so wüchse! Es ist aber doch hübsch, dass man nun wenigstens weiß, wie's ist." Da trat der Schäfer an ihn heran

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