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Der Hasenhirt Einem deutschen Volksmärchen in Versen nacherzählt von Bach, Erwin Johannes (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.05.2014
  • Verlag: EDITION digital
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Der Hasenhirt

'Der Hasenhirt', von dem Dichter und Komponisten Erwin Johannes Bach trefflich in Verse gesetzt, stellt eine Variante des bekannten Volksmärchens dar. Ein König verspricht demjenigen seine Tochter, der ihr einen goldenen Ring und damit die Lebensfreude zurückbringt. Doch als die Tat einem einfachen Hirten gelingt, bereut der Hohe Herr seine Zusage. Bevor der Jüngling die Braut gewinnt, soll er nun erst noch tagelang hundert Hasen hüten. Falls ihm nur einer davon entkommt, würde das seinen Kopf kosten. Rat tut not, aber zu seinem Glück besitzt der Bursche eine Wunderpfeife, die alle Hasen beisammen hält. Da nützt es auch nichts, wenn die Prinzessin, die Königin und zuletzt der König selbst, als Bauersleute verkleidet, schmachvolle Handlungen in Kauf nehmen, um ihm wenigstens eins der Tiere abzuluchsen. Mit bissigem Humor werden die Wortbrecher bloßgestellt. Die Gerechtigkeit siegt, Gewitztheit und Mut triumphieren über hinterhältiges Ränkespiel. 1951 zum ersten Mal beim Alfred Holz Verlag, Berlin erschienen, ist diese zeitverhaftet-zeitlose Geschichte eine poetische Kostbarkeit. LESEPROBE: Als wiederum am nächsten Tag Der Hirte auf der Wiese lag, Verkleidet schickt die Tochter bald Der grimme König in den Wald. Im Kopftuch und als Bauernmagd Hat sie beim Hirten angefragt: 'Du hast hier hundert Hasen laufen, Willst einen du mir nicht verkaufen? Mein lieber Hirt, du braver Mann, Auf einen kommt es dir nicht an!' Der Junge aber ist nicht dumm, Schaut rings im Kreis sich listig um Und spricht: 'Die lieben, kleinen Hasen, Die müssen jetzt noch tüchtig grasen, Nicht einen ihrer darf ich missen, Das ging mir wider das Gewissen; Und fehlt auch nur ein einziger dran, So ists um meinen Kopf getan. Denn mit dem Kopf dem König haft ich Und mit der Köpfung werd bestraft ich.' So blickt zur Magd er unverwandt, Hat die Prinzessin wohl erkannt. Nichts nützt Verkleidung noch Geschick, Die Lieb hat einen scharfen Blick. 'Dies Wild ist nicht für arme Leute, Die Hasen sind der Herren Beute, Willst einen haben du von ihnen, So musst du erst ihn dir verdienen. Und mir zu Freud und Hochgenuss Verdien ihn dir durch einen Kuss!' Das Fräulein denkt, wenns auch ein Knecht, Er kennt mich nicht, so ists mir recht. Ein Küsslein kann ich ihm schon geben, Das kommt mitunter vor im Leben. Schon besser, ihn ein bisschen küssen, Als erst zum Manne haben müssen. Und somit lächelte sie rund, Drückt manchen Kuss auf seinen Mund. Das Küssen schmeckt, der Hirte pfiff, Erwin Johannes Bach wurde am 13. Oktober 1897 in Hildesheim geboren und ist dort aufgewachsen. Er erlebte die Schrecken des 1. Weltkriegs als Soldat und studierte von 1921-26 in Berlin Musikwissenschaft und Philosophie. Ab 1926 war er als Konzertpianist, Musikpädagoge und Schriftsteller tätig. 1929 veröffentlichte er sein wichtigstes Werk "Die vollendete Klaviertechnik, das in Fachkreisen nachhaltige Wirkung hervorrief. Er trat Mitte der zwanziger Jahre in die KPD ein und beteiligte sich nach Hitlers Machtantritt am antifaschistischen Widerstand. Wegen illegaler Arbeit, aber auch wegen seiner jüdischen Herkunft von Verhaftung bedroht, emigrierte er 1933 mit seiner Frau zunächst nach Prag und 1934 nach Moskau, wo er 1935 zum Professor für Musikwissenschaften ernannt wurde. Er lehrte an verschiedenen Konservatorien, u.a. in Moskau, Swerdlowsk und Odessa. Im Zuge der stalinistischen "Säuberungen" wurde Bach 1937 mit seiner Frau und einem inzwischen geborenen Sohn ins sibirische Tomsk, wo er seine Lehrtätigkeit noch eine Zeit lang fortführen konnte. Nach einem Brief an Stalin wurde er nach Mitschurinsk verbannt, konnte aber 1941 infolge einer ersten Rehabilitierungswelle nach Moskau zurückkehren. Während des 2. Weltkriegs blieb die mittlerweile fünfköpfige Familie zeitweilig getrennt. Nach dem Vormarsch deutscher Truppen auf Moskau wurde Bach mit seiner Frau und einer 1941 geborenen Tochter nach Leningrad evakuiert, wo sie in die Leningrader Blockade gerieten un

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 39
    Erscheinungsdatum: 26.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863944902
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 285 kBytes
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Der Hasenhirt

Als wiederum am nächsten Tag Der Hirte auf der Wiese lag, Verkleidet schickt die Tochter bald Der grimme König in den Wald. Im Kopftuch und als Bauernmagd Hat sie beim Hirten angefragt: "Du hast hier hundert Hasen laufen, Willst einen du mir nicht verkaufen? Mein lieber Hirt, du braver Mann, Auf einen kommt es dir nicht an!" Der Junge aber ist nicht dumm, Schaut rings im Kreis sich listig um Und spricht: "Die lieben, kleinen Hasen, Die müssen jetzt noch tüchtig grasen, Nicht einen ihrer darf ich missen, Das ging mir wider das Gewissen; Und fehlt auch nur ein einziger dran, So ists um meinen Kopf getan. Denn mit dem Kopf dem König haft ich Und mit der Köpfung werd bestraft ich." So blickt zur Magd er unverwandt, Hat die Prinzessin wohl erkannt. Nichts nützt Verkleidung noch Geschick, Die Lieb hat einen scharfen Blick. "Dies Wild ist nicht für arme Leute, Die Hasen sind der Herren Beute, Willst einen haben du von ihnen, So musst du erst ihn dir verdienen. Und mir zu Freud und Hochgenuss Verdien ihn dir durch einen Kuss!" Das Fräulein denkt, wenns auch ein Knecht, Er kennt mich nicht, so ists mir recht. Ein Küsslein kann ich ihm schon geben, Das kommt mitunter vor im Leben. Schon besser, ihn ein bisschen küssen, Als erst zum Manne haben müssen. Und somit lächelte sie rund, Drückt manchen Kuss auf seinen Mund. Das Küssen schmeckt, der Hirte pfiff, Das Hasenvolk zusammenlief. Er brauchte sie nicht lang zu zählen, Es tat auch nicht ein einziger fehlen. "Ich muss nun", sprach die Magd, "nach Haus, Erlaub, ich such mir einen aus." Sie hat den Hasen zugedeckt, In ihrem Körblein wohl versteckt; Schon ging sie heim mit ihrem Kauf, Da tönt des Hirten Pfeife auf. Und kaum der erste Ton erklungen, Das Häslein kam zurückgesprungen, Und ohne Häslein langt alsdann Im Schlosse die Prinzessin an. "Ach, liebste Mutter", ging ihr Flehen, "Lass mich ein zweites Mal noch gehen. Diesmal ists mir vorbeigelungen, Der Has ist aus dem Korb gesprungen." Die Mutter sprach: "Das ist nicht gut! Wer Hasen wohl in Körbe tut! Noch jung und töricht ist dein Sinn, Und morgen geh ich selber hin."

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