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Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (Band 1) von Kerr, Judith (eBook)

  • Erschienen: 01.05.2015
  • Verlag: Ravensburger Buchverlag
eBook (ePUB)
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Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (Band 1)

EIN FLÜCHTLINGSSCHICKSAL AUS KINDERAUGEN

Berlin, Anfang 1933: Die Nazis stehen kurz vor ihrem entscheidenden Wahlsieg, der Massenwahn kündigt sich an... In letzter Minute reist Anna mit ihrer Familie in die Schweiz. Doch ihr Vater, ein bekannter jüdischer Journalist, kann dort ebenso wenig Fuß fassen wie ein halbes Jahr später in Paris. Seit ihrer Flucht lebt die Familie in ungewohnt ärmlichen Verhältnissen, und vieles von dem, was zu ihrem Alltag gehörte, musste zu Hause in Berlin bleiben - auch Annas rosa Kaninchen.
Endlich zeichnen sich für den Vater in London günstigere Arbeitsbedingungen ab, die Familie kann erst einmal aufatmen...

Judith Kerr ist die Autorin der 'Rosa Kaninchen'-Trilogie. Am 14. Juni 1923 kommt Judith Kerr als Tochter des berühmten Theaterkritikers Alfred Kerr in Berlin zur Welt. Sofort nach der Machtergreifung der Nazis muss die jüdische Familie aus Deutschland fliehen. Nach Stationen in der Schweiz und Frankreich emigriert sie 1935 schließlich nach London. Nach dem Krieg arbeitet Judith Kerr als freiberufliche Malerin und Textildesignerin. Seit 1953 war sie für die BBC tätig, erst als Redakteurin und Lektorin, später dann als Drehbuchautorin. 1954 heiratet Judith Kerr den Schriftsteller Nigel Kneale. Nach der Geburt ihrer Kinder Tacy und Matthew gibt sie ihre Arbeit für einige Jahre auf. Von ihrem Mann ermutigt, beginnt Judith Kerr Ende der 60er Jahre die Geschichte des Mädchens Anna zu schreiben. Es ist ihre eigene Geschichte, aber die Bücher sind, wie sie betont, 'Romane und keine Memoiren'. Der erste Band der Trilogie 'Als Hitler das rosa Kaninchen stahl' umspannt den Zeitraum von 1933 bis 1937 und spielt an den Schauplätzen Berlin, Zürich und Paris. Der zweite Band 'Warten bis der Frieden kommt' schildert Anna während der Kriegszeit in London. In 'Eine Art Familientreffen' kehrt Anna 1956 nach Berlin zurück und Erinnerungen an ihre eigene Kindheit werden wach. 'Als Hitler das rosa Kaninchen stahl' ist nicht nur ein Standardwerk der Jugendliteratur, sondern ein anerkannter Klassiker in der Emigrantenliteratur. Es wurde 1974 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Größe: 2106kBytes
    Reihe (Teil): Ravensburger Taschenbücher Bd.8003
    Herausgeber: Ravensburger Buchverlag
    Untertitel: Eine jüdische Familie auf der Flucht
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 256
    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    ISBN: 9783473476855
    Erschienen: 01.05.2015
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Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (Band 1)

1

Anna war mit Elsbeth, einem Mädchen aus ihrer Klasse, auf dem Heimweg von der Schule. In diesem Winter war in Berlin viel Schnee gefallen. Er schmolz nicht, darum hatten die Straßenkehrer ihn auf den Rand des Gehsteiges gefegt, und dort bildete er seit Wochen traurige, immer grauer werdende Haufen. Jetzt, im Februar, hatte sich der Schnee in Matsch verwandelt, und überall standen Pfützen. Anna und Elsbeth hüpften mit ihren Schnürstiefeln darüber weg.

Sie trugen beide dicke Mäntel und Wollmützen, die ihre Ohren warm hielten, und Anna hatte auch noch einen Schal umgebunden. Sie war neun, aber klein für ihr Alter, und die Enden des Schals hingen ihr beinahe bis auf die Knie. Der Schal bedeckte auch Mund und Nase, sodass nur die grünen Augen und ein Büschel dunkles Haar von ihr zu sehen waren. Sie hatte es eilig, denn sie wollte noch im Schreibwarenladen Buntstifte kaufen, und es war beinahe Zeit zum Mittagessen. Aber jetzt war sie so außer Atem, dass sie froh war, als Elsbeth stehen blieb und ein großes rotes Plakat betrachtete.

"Da ist wieder ein Bild von dem Mann", sagte Elsbeth. "Meine kleine Schwester hat gestern auch eins gesehen und gedacht, es wäre Charlie Chaplin."

Anna betrachtete die starren Augen, den grimmigen Ausdruck. Sie sagte: "Es ist überhaupt nichts wie Charlie Chaplin, außer dem Schnurrbart."

Sie buchstabierten den Namen unter der Fotografie:

"Adolf Hitler."

"Er will, dass alle bei den Wahlen für ihn stimmen, und dann wird er den Juden einen Riegel vorschieben", sagte Elsbeth. "Glaubst du, er wird Rachel Löwenstein einen Riegel vorschieben?"

"Das kann keiner", sagte Anna. "Sie ist Klassensprecherin. Vielleicht macht er es mit mir. Ich bin auch jüdisch."

"Das stimmt nicht!"

"Doch. Mein Vater hat vorige Woche mit uns darüber gesprochen. Er sagte, wir seien Juden, und was auch immer geschähe, mein Bruder und ich dürften das niemals vergessen."

"Aber ihr geht samstags nicht in eine besondere Kirche wie Rachel Löwenstein."

"Weil wir nicht religiös sind."

"Ich wünschte, mein Vater wäre auch nicht religiös", sagte Elsbeth, "wir müssen jeden Sonntag gehen, und ich kriege einen Krampf in meinem Hinterteil." Sie betrachtete Anna eindringlich. "Ich dachte, Juden hätten krumme Nasen, aber deine Nase ist ganz normal. Hat dein Bruder eine krumme Nase?"

"Nein", sagte Anna, "der einzige Mensch in unserem Haus mit einer krummen Nase ist unser Mädchen Bertha, und deren Nase ist krumm, weil sie aus der Straßenbahn gestürzt ist und sie sich gebrochen hat."

Elsbeth wurde ärgerlich. "Aber dann", sagte sie, "wenn du wie alle anderen aussiehst und nicht in eine besondere Kirche gehst, wie kannst du dann wissen, dass du wirklich jüdisch bist? Wie kannst du sicher sein?"

Es entstand eine Pause.

"Ich vermute ...", sagte Anna, "ich vermute, weil mein Vater und meine Mutter Juden sind, und wahrscheinlich waren ihre Mütter und Väter es auch. Ich habe nie darüber nachgedacht, bis mein Vater vorige Woche anfing, davon zu sprechen."

"Also, ich finde es blöd!", sagte Elsbeth. "Das mit Adolf Hitler ist blöd, und dass Leute Juden sind und alles!" Sie fing an zu laufen, und Anna lief hinter ihr her.

Sie hielten nicht eher an, bis sie den Schreibwarenladen erreicht hatten. Jemand sprach mit dem Mann hinter der Theke, und Annas Mut sank, als sie Fräulein Lambeck erkannte, die in ihrer Nähe wohnte. Das Fräulein machte ein Gesicht wie ein Schaf und sagte: "Schreckliche Zeiten! Schreckliche Zeiten!" Jedes Mal wenn sie sagte "Schreckliche Zeiten", schüttelte sie den Kopf, und ihre Ohrringe wackelten.

Der Ladeninhaber sagte: "1931 war schlimm genug, 1932 war schlimmer, aber lassen Sie sich's gesagt sein, 1933 wird am schlimmsten!" Dann bemerkte er Anna und Elsbeth und sagte: "Was kann ich für euch tun, Kinder?"

Anna wollte ihm gerade sagen, dass sie Buntstifte kaufen wollte, da h

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