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Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen von Kelly, Jacqueline (eBook)

  • Erschienen: 25.02.2013
  • Verlag: Hanser
eBook (ePUB)
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Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen

Calpurnia ist zwölf, als sie begreift, dass ihr vorgezeichneter Lebensweg, nicht ihren Vorstellungen entspricht. Wie die anderen Mädchen soll auch sie Kochen, Stricken und Klavierspielen lernen, damit sie bald heiraten und eine Familie gründen kann. Doch Cal streift viel lieber durch die Natur, beobachtet Pflanzen und Tiere und macht sich Notizen über ihre Entdeckungen. Der Einzige, der sie versteht, ist ihr Großvater, ein eigenwilliger Forscher und Tüftler. Er schenkt ihr Bücher und öffnet ihr die Augen für den technischen Fortschritt und die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse des anbrechenden 20. Jahrhunderts. So erobert sich Cal ihren Weg in eine selbstbestimmte Zukunft.

Produktinformationen

    Größe: 1290kBytes
    Reihe (Teil): Calpurnia .1
    Herausgeber: Hanser
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 336
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783446243873
    Erschienen: 25.02.2013
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Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen

Erstes Kapitel

DIE ENTSTEHUNG

DER ARTEN

Wenn ein junger Naturforscher eine ihm ganz unbekannte Gruppe von Organismen zu studieren beginnt, so macht ihn anfangs die Frage verwirrt, was für Unterschiede die Arten bezeichnen ... denn er weiß noch nichts von der Art und der Größe der Abänderungen, deren die Gruppe fähig ist ...

Die Dunkelheit wussten wir 1899 bereits zu zähmen, doch nicht die texanische Hitze. Wir standen in tiefer Nacht auf, Stunden vor Sonnenaufgang, wenn sich am östlichen Himmel kaum mehr als ein tiefblauer Streifen abzeichnete, während der Horizont ansonsten pechschwarz war. Wir zündeten unsere Kerosinlampen an und trugen sie im Dunkeln vor uns her wie unsere eigenen schwankenden winzigen Sonnen. Die Arbeit eines ganzen Tages musste bis Mittag geschafft sein, wenn die tödliche Hitze ihre schwitzenden Opfer in das große, mit Holzläden verschlossene Haus zurücktrieb, wo wir uns in den dämmrigen hohen Räumen hinlegten. Mutters übliche Methode, im Sommer die Laken mit erfrischendem Eau de Cologne einzusprühen, verschaffte uns nur kurz Erleichterung. Nachmittags um drei, wenn es Zeit war, wieder aufzustehen, war die Hitze immer noch mörderisch.

Für uns alle in Fentress waren diese Temperaturen eine Qual, am meisten jedoch litten die Frauen in ihren Korsetts und Petticoats. (Ich selbst war noch einige Jahre zu jung für diese besondere, den Frauen vorbehaltene Form der Tortur.) Sie lockerten ihre Korsettstangen, seufzten in einem fort und verfluchten die Hitze und ihre Ehemänner, die sie nach Caldwell County verschleppt hatten, um dort auf vielen Morgen Land Baumwolle und Pekannussbäume anzupflanzen. Mutter verzichtete vorübergehend auf ihre Haarteile, die falschen Stirnlocken und ein gewelltes Rosshaarkissen, auf dem sie ihr eigenes Haar täglich zu einen kunstvollen Turm frisierte. Sie machte es sich sogar zur Angewohnheit, an Tagen, an denen wir keine Gesellschaft hatten, den Kopf unter die Wasserpumpe in der Küche zu halten, während Viola, unsere Köchin, so lange pumpte, bis die Haare durch und durch nass waren. Uns Kindern war es strengstens untersagt, während dieser erstaunlichen Vorführung zu lachen. Ebenso wie unser Vater lernten wir bald, Mutter möglichst aus dem Weg zu gehen, während sie nach und nach kapitulierte und einen Teil ihrer sonst so würdevollen Erscheinung der Hitze opferte.

Mit vollem Namen heiße ich Calpurnia Virginia Tate, aber damals nannten mich alle nur Callie Vee. In jenem Sommer war ich elf und das einzige Mädchen unter sieben Geschwistern. Kannst du dir etwas Schlimmeres vorstellen? Ich bildete genau die Mitte zwischen drei älteren Brüdern - Harry, Sam Houston und Lamar - und drei jüngeren - Travis, Sul Ross und Jim Bowie, unserem Jüngsten, den wir nach seinen Anfangsbuchstaben nur Jay Bee nannten. Die kleinen Jungen schafften es sogar, mittags zu schlafen, manchmal in einem wilden Haufen übereinander, wie feuchte, dampfende Hundewelpen. Auch die Männer, die von der Feldarbeit kamen, sowie mein Vater, der aus seinem Büro nach Hause kam, hielten auf der Schlafveranda ihren Mittagsschlaf. Nachdem sie sich vor dem Haus mehrere Blecheimer lauwarmes Wasser über den Kopf gekippt hatten, fielen sie auf ihre Seilbetten, als hätte man ihnen einen Schlag auf den Kopf verpasst.

Ja, die Hitze war eine Qual, aber mir verschaffte sie Freiheit. Während der Rest der Familie sich unruhig auf den Betten hin und her warf oder döste, schlich ich mich unbemerkt zum Ufer des San Marcos River und genoss meine tägliche Ruhepause ohne Schule, ohne lästige Brüder und ohne Mutter. Direkt erlaubt war mir dieser Ausflug nicht, aber verboten hatte ihn auch niemand. Es gelang mir auch nur, weil ich ein eigenes Zimmer hatte, ganz am Ende des Gangs, während meine Brüder sich ihre teilen mussten, und sie hätten mich sofort verpetzt. Da

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