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Neu in der Fremde

  • Erschienen: 01.04.2016
  • Verlag: Beltz & Gelberg
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

Neu in der Fremde

Wie fühlt es sich an, wenn man seine Heimat verlassen muss? Wenn man in ein fremdes Land kommt, in dem man die Spielregeln nicht kennt? Und vielleicht sogar die Sprache nicht spricht ... Das Thema des Jahres sind sicher Menschen, die ihre Heimat verlassen. Die Entwurzelungen und Umwälzungen erlebt haben, die woanders neu starten mussten. Wie geht es diesen Menschen? Was haben sie für Wünsche und Träume? Wie fängt man überhaupt neu an? In diesem Buch erzählen Menschen davon, wie es sich anfühlt, wenn man seine Heimat verlässt und an einem anderen Ort bei Null anfängt. In eigenen Worten berichten sie von vielen unterschiedlichen Erlebnissen. Es kommen aber auch Menschen zu Wort, die andere dabei unterstützen, die im Alltag helfen, die auch mal einfach nur zuhören. Ein spannendes, aktuelles Thema!

Produktinformationen

    Größe: 9631kBytes
    Herausgeber: Beltz & Gelberg
    Untertitel: Von Menschen, die ihre Heimat verlassen. Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 200
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783407821348
    Erschienen: 01.04.2016
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Neu in der Fremde

Ich kann das!

Text von Scharajeg

Als ich geboren wurde, lebten meine Eltern in einem Asylheim im Bundesland Bayern. Als politisch Verfolgte sind meine Eltern während der persischen Revolution (nach einer aufreibenden und anstrengenden Flucht durch die Türkei) 1988 nach Deutschland geflohen. Mein Vater war vor seiner Flucht fünf Jahre im Foltergefängnis "Evin" in Teheran, Iran, inhaftiert und zum Tode durch den Strick verurteilt. Jahrelang ist er im Gefängnis gefoltert worden und musste mitansehen, wie viele seiner Freunde und Familienmitglieder vor seinen Augen hingerichtet wurden. Für meine Eltern war die Flucht aus ihrem Heimatland ein großer Schritt und gleichzeitig die einzige Möglichkeit, zu überleben. Aber auch die einzige Möglichkeit, auf eine gesicherte Zukunft, auf ein besseres Leben und auf eine Perspektive. Mithilfe eines Schleusers und mit den wenigen finanziellen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, haben sie ihr Hab und Gut hinter sich gelassen und sich auf den Weg nach Deutschland gemacht. Auf ihrer Flucht durchlebten meine Eltern die verschiedensten Stationen, und wenn ich sie heute danach frage, spüre ich, dass die Erinnerung an diese Zeit geprägt ist von schmerzlichen Erfahrungen, Verzweiflung - aber auch von Hoffnung und neuem Lebensmut.

Ich erblickte das Licht der Welt am 8. Januar 1989 in einem kleinen Krankenhaus in Bayreuth, zwei Stunden entfernt von dem Asylheim, unserem damaligen Zuhause. Meine Eltern hatten vor lauter Aufregung vergessen, eine Tasche mit Kleidung für mich zu packen. Sie wussten auch nicht, dass ich die Säuglingskleidung aus dem Krankenhaus anbehalten durfte. Da sie sich nicht verständigen konnten, entschied mein Vater kurzerhand, mich unter seiner Lederjacke - unbekleidet - zurück ins Asylheim zu transportieren. Bis heute erzählen sie mir diese Geschichte und wundern sich immer noch, dass ihr neugeborenes Kind auf dem Nachhauseweg überhaupt nicht geweint habe.

Heute lebt meine Familie seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Ohne die Möglichkeit des Asyls wären meine Eltern in ihrem Heimatland im schlimmsten Fall hingerichtet worden oder müssten unter schwersten Bedingungen als politisch Verfolgte ums Überleben kämpfen. Wenn ich meinen Vater frage, was ihm am meisten fehle, antwortet er stets das Gleiche: der Geruch der Erde seines Heimatlandes Iran. Seit seiner Flucht war er nie wieder dort gewesen.

Ganz anders als für meine Eltern ging es für uns Kinder stets um mehr als eine Unterbringung und Schutz. Das Thema "Dazugehören" ist seit meinen frühen Lebensjahren ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Manchmal auch im negativen Sinne. Ich habe mich beispielsweise als Kind oftmals allein und unverstanden gefühlt. Meine Eltern bemühten sich sehr, in alltäglichen Fragen eine Unterstützung zu sein, die ein Kind, eine Jugendliche und teilweise auch eine junge Erwachsene hat. Aber die Wahrheit ist, dass meine Eltern sehr zu kämpfen hatten mit ihren Albträumen, ihren Traumata und ihren Erinnerungen an die Heimat. Auch die neue Situation machte ihnen sehr zu schaffen. Sie kannten die Sprache nicht, die Kultur war fremd und ungewohnt, wie eigentlich alles, was sie erlebten. Sie waren überfordert und brauchten eine gewisse Zeit, um sich an die Situation zu gewöhnen - diese Zeit brauchen sie teilweise noch bis heute.

Ich stand zwischen alldem und wusste weder mir noch meinen Eltern zu helfen. Auch in der Schule fühlte ich mich wenig akzeptiert und verstanden. Aufgrund meiner Situation konnte ich die geforderten Leistungen nicht erbringen. Obwohl ich seit meiner Geburt und bereits einige Jahre in Deutschland lebte, fiel mir die Schule sehr schwer und ich hatte keinen Menschen, der mich förderte oder unterstützte. Vor allem das Erlernen der deutschen Sprache und der deutschen Grammatik fiel mir schwer. Ich sprach nur in der Schule deutsch - zu Hause nie.

Nach der Orientierungsstufe (6. Klasse) sollte übe

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