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5 Tage im April von Marzi, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.05.2014
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)
11,99 €
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5 Tage im April

Als Jack sich - mit einem rätselhaften Brief in der Tasche - auf den Weg nach Seals Head Harbor macht, ahnt er noch nicht, welches dunkle Geheimnis ihn dort erwartet. Schnell begreift Jack, dass er in dem kleinen Küstenort kein Fremder ist. Auf mysteriöse Weise scheint seine eigene Vergangenheit mit der Legende des Ortes verbunden zu sein. Nach einer Reihe merkwürdiger Ereignisse will Jack bereits die Flucht ergreifen. Da taucht plötzlich Sadie auf, das Mädchen mit den meerblauen Augen. Sie ist die Einzige, die ihm bei der Suche nach Antworten helfen kann. Mit Sadie verbringt Jack fünf Tage, die sein Leben für immer verändern.

Christoph Marzi begann bereits im Alter von 15 Jahren zu schreiben. Sein Romandebüt 'Lycidas' avancierte 2004 zu einem Überraschungserfolg: 2005 wurde Christoph Marzi mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Seitdem schreibt er mit großem Erfolg sowohl für Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche. Er arbeitet als Lehrer und lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Saarbrücken.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 26.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401803982
    Verlag: Arena Verlag
    Größe: 2298 kBytes
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5 Tage im April

1.

N ennt mich Jack. Ein einfacher Name. Jack Fallon. Nicht unbedingt außergewöhnlich. Immerhin, er passt wohl zu mir, das finden die meisten. Und am Ende ist er das Letzte, was einem bleibt, wenn alles andere verloren ist.

"Irgendwie", das hat meine Mutter oft gesagt, "steckt alles, was uns wirklich ausmacht, in unseren Namen." Ich habe immer genickt, wenn sie das gesagt hatte. Richtig verstanden habe ich sie aber erst im letzten Sommer, als ich mich dazu entschloss, Spring Hill zu verlassen und einfach so fortzugehen; dorthin, wo der Himmel und das Meer sich treffen, so blaugrau wie ein Tagtraum. Oben an der Westküste der Penobscot Bay, nur ein paar Meilen nördlich von Rockland, gibt es einen kleinen Ort, der Seals Head Harbor heißt. Dort, an der Küste, hat sich alles geändert. Richtig angefangen hat es jedoch unten in Boston, an jenem Nachmittag im April, als ich den Brief fand.

"Der April", hat mal irgendjemand behauptet, "ist ein verdammt trügerischer Monat." Ich tippe auf Woodpecker, aber sicher bin ich mir nicht. Woodpecker war ein Obdachloser, der jeden Tag an der Haltestelle vor der Somerville Highschool herumlungerte und hoffte, sich ein paar Münzen zu erbetteln, um davon Zigaretten und billigen Fusel kaufen zu können. Er quasselte viel und ich bezweifle, dass er immer wusste, was er so von sich gab, aber das ist auch nicht wichtig.

Der April, das jedenfalls weiß ich jetzt, ist ein trügerischer Monat. Nur darauf kommt es an.

Der Tag, den ich meine, war einer dieser Frühlingstage, die so umwerfend sind, dass man den nahen Sommer riechen kann; ein Tag, an dem man wirklich nichts anderes tun kann, als sein Leben in vollen Zügen zu genießen. Die Sonne schien, es war warm, Insekten flimmerten aufgeregt in der Luft herum und jeder, der draußen war, konnte sich nur gut fühlen. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass an einem Tag wie diesem irgendetwas Schreckliches passieren könnte. Ich am allerwenigsten.

Die letzten beiden Stunden, Naturwissenschaften bei Mr Noah, hatte ich mir geschenkt; nach dem Ärger der letzten Woche meldete ich mich diesmal aber ordnungsgemäß im Sekretariat ab. Man sollte sich eben nicht erwischen lassen, wenn man einen Kurs schwänzt. Ich fuhr rüber zum Campus des MIT und hing in einem Café inmitten von Studenten ab, stellte mir vor, wie es wäre dazuzugehören (ich hatte, ganz ehrlich, nicht den blassesten Schimmer, was ich nach der Highschool machen sollte). Ich schaute mir die Studentinnen an und fragte mich, ob sie mich durchschauten und erkannten, dass ich dort eigentlich nichts verloren hatte. Vor mir auf dem Tisch lag demonstrativ ein Notizbuch, gleich daneben ein Kugelschreiber. Beides blieb unangetastet. Die Sonne ließ mich blinzeln und ich genoss es, dort zu sein, so weit weg wie möglich von der Schule und Parker und all dem, was mir sonst noch auf die Nerven ging. Die Welt war ein wunderbarer Ort im Sonnenlicht. Erst als ich die SMS las, hörte der Tag abrupt auf, schön zu sein.

Der April ist ein verdammt trügerischer Monat. Komischerweise fiel mir sofort dieser Satz ein. Ich las die SMS mehrmals hintereinander. Wann mir jemals die Hände so gezittert hatten, wusste ich nicht.

Ich zögerte keine Sekunde und wählte sofort Parkers Nummer. Parker Bracknell war der aktuelle Freund meiner Mutter.

"Das ist nicht dein Ernst." Sogar meine Stimme zitterte. Es kam mir so vor, als starrten mich alle im Café an.

"Komm schnell her." Er sagte mir, wohin ich kommen sollte.

"Wie geht es ihr?"

"Komm einfach, so schnell du kannst", wiederholte er. Dann legte er auf. Auch seine Stimme hatte gezittert. Das tat sie sonst nie. Ich stopfte das Notizbuch und den Kugelschreiber in meinen Rucksack, stand auf und glaubte, dass die Welt sich so schnell drehte, dass alles in verschwommenen Farben explodierte.

Ich machte mich auf den Weg, runter in die U-Bahn, nach zwanzig Minuten wieder ans T

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