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70 Meilen zum Paradies von Klement, Robert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.03.2015
  • Verlag: Verlag Jungbrunnen
eBook (ePUB)
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70 Meilen zum Paradies

Siad, ein junger Krankenpfleger aus Somalia, und seine Tochter Shara warten in Tunesien gemeinsam mit anderen Flüchtlingen aus Afrika, bis Schlepper sie nach Europa bringen. Ihr Ziel ist Lampedusa, das Tor zu einer Zukunft, von der sie sich Sicherheit und Wohlstand erhoffen. Schließlich ist es so weit. Mit 55 anderen Flüchtlingen drängen sie sich in einem kleinen, altersschwachen Kutter. Die Reise wird zum Albtraum: Der Kapitän wurde erpresst und hat keine Ahnung, wie man ein Schiff navigiert. Der Motor fällt aus und während eines Sturmes werden drei Passagiere von Bord gespült. Als sie von der italienischen Küstenwache aufgegriffen werden, taumeln ausgemergelte und halb verdurstete Menschen von Bord. Das vermeintliche Paradies entpuppt sich als Flüchtlingslager. Dort müssen sie unter menschenunwürdigen Bedingungen warten, bis entschieden ist, ob sie einreisen dürfen oder zurückgeschickt werden. Siad und Shara träumen davon, nach Kanada auszuwandern, wo Siad Arbeit als Krankenpfleger finden könnte. Ein Traum, den sie mit aller Kraft verwirklichen wollen. Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien (Ehrenliste) Robert Klement wurde 1949 in St. Pölten geboren. Nach der Matura besuchte er die Pädagogische Akademie in Krems und absolvierte dort die Ausbildung zum Hauptschullehrer. Er unterrichtete lange Zeit Deutsch und Geschichte. Neben seiner beruflichen Tätigkeit begann er, Reportagen für Zeitungen zu schreiben und arbeitete als freier Mitarbeiter für den ORF. Sein erstes Jugendbuch erschien 1987. Heute arbeitet Robert Klement als Schriftsteller. Er lebt in St. Pölten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 25.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783702658793
    Verlag: Verlag Jungbrunnen
    Größe: 1314 kBytes
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70 Meilen zum Paradies

1

Sharas Lieblingsplatz war die kleine Bucht, wo die Wellen sich unablässig an den Felsen brachen. Nur wenige hundert Meter von ihrem Quartier entfernt, befand sich ein breiter Sandstrand.

Dort fühlte sie den Wind und schmeckte das Salz auf ihren Lippen. Möwen ließen sich von den Aufwinden über den Klippen tragen und segelten schwerelos und ohne einen einzigen Flügelschlag. Kleine Krebse liefen geschäftig über den Meeresboden. Die Welt war lebendig in dem hellen Licht und dem Wind.

Heute hatten die Nachbarskinder Shara eine Tauchermaske geborgt. Die Ausbeute konnte sich sehen lassen: In Felslöchern hatte sie einen Seeigel und mehrere Miesmuscheln gefunden. Am Nachmittag brachte sie einen Roten Seestern und wie Phosphor leuchtende Krebse an die Oberfläche. Dann beobachtete sie fasziniert einen Schwarm Fische, der zwischen feuerfarbenen Korallen einen graziösen Reigen tanzte. Immer wieder war Shara Leuchtquallen respektvoll ausgewichen, denn sie wusste, dass deren haarfeine, giftbewehrte Tentakel sie wie eine Stacheldrahtpeitsche verwunden konnten.

Shara befand sich in einer blaugrünen Zauberwelt, in der man für wenige Stunden alle Sorgen vergaß.

Gegen Abend, wenn die Felswände im Licht der untergehenden Sonne glühten, ging sie mit den Kindern ins Dorf zurück. Vorher kletterte sie stets auf den großen gespaltenen Felsen und blickte aufs Meer hinaus.

"Irgendwo dort drüben liegt Europa", dachte sie.

Feucht und faulig roch es in den engen Winkeln der Altstadt. An jeder Ecke wurde heftig gefeilscht. Die Medina war von der mächtigen tausendjährigen Stadtmauer mit ihren Wehrgängen und eckigen Wachtürmen umgeben. Im engen Gassengewirr konnte man sich kaum orientieren.

Siad stand vor dem Stadttor und blickte sich um. Tatsächlich, dort war der kleine Schusterladen, von dem man ihm erzählt hatte.

"Ich suche den Piraten."

Der Mann blickte einmal kurz auf und musterte ihn argwöhnisch.

"Den Piraten?"

"Man hat mir gesagt, dass du mich zu ihm bringen kannst."

"Keine Ahnung, wen du meinst", knurrte der Schuster und griff wieder zu seinen Werkzeugen.

Er arbeitete an einem Paar babouches, den spitzen, tunesischen Pantoffeln aus feinstem Ziegenleder. Angeblich gab es keine Maschine auf der Welt, die das nur annähernd so gut konnte wie die tunesischen Handwerker. Siad ließ sich nicht abschütteln.

"Aber das ist doch der Schusterladen neben dem Stadttor."

Der Mann hatte sich abgewandt, würdigte ihn keines Blickes. Plötzlich fiel Siad ein, dass er ja das Codewort nennen musste.

"Happy landing."

Der Schuster wandte sich ihm jäh zu, seine Züge hellten sich auf. Vorsichtig blickte er sich nach allen Seiten um. Dann rief er seinen kleinen Sohn.

"Das ist Damak, er wird dir den Weg zur Travel Agency zeigen."

Mit diesen Worten streckte er ihm fordernd eine Hand entgegen. Siad kramte in seiner Hosentasche und holte zwei Dinar hervor.

"Travel Agency", dachte er und seine Anspannung wuchs.

Der Knabe führte ihn durch ein verwirrendes Labyrinth aus Gässchen, Treppen, Torbögen, alten Höfen und Sackgassen. Diese "Travel Agency" war nicht leicht zu finden. Hin und wieder sah Siad das Minarett der Großen Moschee, die sich im Zentrum der Medina von Sfax befand. Die Spitze des Marmorturms leuchtete golden in der Nachmittagssonne. Kupferschmiede hämmerten kunstvolle Ornamente in Teller und Kannen. Händler priesen ihre Lederwaren, Teppiche, Kleider und Keramiken. Verhandelt wurde laut und gestenreich. Nach einer Unterführung hielt der Knabe vor einer kleinen Lehmhütte.

Eine Tür aus

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