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Anthologie Lesbisches Jugendbuch von Bensch, Juliette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.04.2013
  • Verlag: édition el!es
eBook (ePUB)
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Anthologie Lesbisches Jugendbuch

In dieser Anthologie werden die Geschichten der Gewinnerinnen aus unserem Schreibwettbewerb 'Lesbisches Jugendbuch' veröffentlicht. Autorinnen im Alter bis 28 durften ihre Geschichten einschicken. Die Gewinnerinnen wurden vom Literaturteam des Jugendzentrums 'anyway' ausgewählt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 29.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956090141
    Verlag: édition el!es
    Größe: 699kBytes
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Anthologie Lesbisches Jugendbuch

Juliette Bensch
Der Mut fährt voran

D er Abspann begann über die Leinwand zu laufen. Gleich würde das Licht mit einem Dimmer sacht aufgedreht werden.

Sandra nahm die Hand ihrer Freundin und sah sie lächelnd an. "Na, das war doch ein schöner Film, oder?"

Ana lächelte zurück. Ihr Kopf lehnte noch immer im weichen Sitz. Sie mussten sich nicht mit dem Aufstehen beeilen, denn sie saßen allein in ihrer Reihe.

Sandra streichelte zärtlich die Hand ihrer Freundin, blickte ihr in die Augen und gab ihr einen Kuss.

Diese Geste war so simpel und doch so bedeutsam. Die beiden Frauen waren nun schon mehr als vier Jahre lang zusammen, noch immer verliebt und glücklich wie am ersten Tag. Sie verstanden sich fast schon ohne Worte.

Sandra strich Ana über ihre Wange. "Alles okay?"

Ana nickte und lächelte, dann führte sie ihren Mund an Sandras Lippen und gab ihr eine Antwort auf ihren Kuss. In diesem Moment verwandelte sich die Finsternis im Kino über einen Dämmerzustand in warmes Licht. Ana zog schlagartig ihren Kopf zurück, sah noch einmal kurz nach vorn zum Abspann, nahm ihre Tasche und stand auf. Auch Sandra erhob sich, wenn auch weniger hastig.

Als die zwei durch die Eingangstür das Kino verließen, legte Sandra ihren Arm um Anas Schultern, schmiegte sich an sie, und gemeinsam machten sie sich auf den Heimweg.

Binnen weniger Schritte hatten sie den gleichen Laufrhythmus gefunden, doch plötzlich blieb Ana stehen und öffnete ihre Handtasche.

"Hast du was vergessen?" fragte Sandra.

"Ich will nur sichergehen", antwortete Ana verwirrt, "ich bin mir nicht sicher, ob ich meinen Schlüssel eingesteckt hab'."

Sandra wollte entgegnen, dass sie selbst doch ohnehin ihren Schlüssel mithatte und sie definitiv nicht draußen nächtigen müssten, aber da begriff sie, was da passierte und nahm ihren Arm von Anas Schultern.

"Ach, da ist er ja", sagte diese nun freudig. Dann griff sie noch tiefer in ihre Tasche und bot Sandra ein Pfefferminz an, auf das sie mit einem Kopfschütteln verzichtete.

Als Ana ihre Tasche wieder geschlossen und umgehängt hatte, gingen beide wortlos nebeneinander her.

Sandra hatte ihre Hände in den Taschen ihrer Jacke vergraben und starrte trist auf den Weg. Da ließ Ana ihre Hand in Sandras Armbeuge gleiten, und hakte sich so bei ihr unter. Sandra streichelte Anas Hand kurz mit ihrer anderen, bevor sie sie wieder in der Jackentasche verschwinden ließ. Sie verstanden sich eben ohne Worte. Und wie sie nebeneinander nach Hause schlenderten, hätte jeder Passant sie für gute Freundinnen gehalten, mehr aber auch nicht.

Ana hatte eine sehr feminine Erscheinung. Sie trug ihr schwarzes, langes, leicht welliges Haar meist offen. Dazu war sie recht klein und hatte eine sehr weibliche Figur, mit entzückenden Rundungen. Sie hatte einen sehr dunklen Teint, denn sie war gebürtige Argentinierin. Sandra verglich ihre Haut gern mit der Farbe von Cappuccino. Ana hatte dunkelbraune Augen und ein rundliches Gesicht. Sie liebte nichts mehr, als den Sonnenschein, vor allem, wenn er die Temperaturen steigen ließ, weshalb sie an diesem doch recht kühlen Märzabend Körper an Körper neben Sandra ging.

Auch beim Blick auf Sandra wäre kein Passant unbedingt auf die Idee gekommen, dass sie nicht Anas gute Freundin, sondern ihre Geliebte war. Sie war größer und schlanker als Ana, hatte ein schmales, weibliches Gesicht und trug ihr Haar in einem blonden Bob. Sie besaß eine Lesebrille, die sie noch intelligenter aussehen ließ, als sie ohnehin schon war. Die trug sie aber nicht immer. Sandra besaß trotz ihrer Weiblichkeit keinen einzigen Rock, liebte es aber, wenn Ana Röcke trug. Obwohl beide so unschuldig nebeneinander herliefen, bestritten sie doch den Weg zu ihrem gemeinsamen Heim, und zwar nicht als Mitbewohnerinnen. Sie lebten seit über einem Jahr in einer gemeinsamen Wohnung.

Als sie dort angekommen ware

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