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Bunker Diary/Licht im Bunker von Brooks, Kevin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2015
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Bunker Diary/Licht im Bunker

Zwei Werke in einem eBundle

Eine Entführung. Ein Bunker. Und sechs Personen, die der Willkür des unbekannten Täters ausgesetzt sind und um ihr Überleben kämpfen ...
Kevin Brooks' 2014 mit der Carnegie Medal ausgezeichnetes Meisterwerk ?Bunker Diary? hat seit Erscheinen unzählige Diskussionen über moralische und ethische Fragen ausgelöst. Die Grundzüge der Debatte skizziert der Journalist und Autor Nicola Bardola in seiner Dokumentation ?Licht im Bunker?.
Mit einer Fülle von Interviews und spannenden Hintergrundinformationen.

Kevin Brooks, geboren 1959, wuchs in einem kleinen Ort namens Pinhoe in der Nähe von Exeter/Südengland auf. Er studierte in Birmingham und London. Sein Geld verdiente er lange Zeit mit Gelegenheitsjobs. Seit dem überwältigenden Erfolg seines Debütromans ?Martyn Pig? ist er freier Schriftsteller.

Für seine Arbeiten wurde er mit renommierten Preisen ausgezeichnet, u.a mehrfach mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis sowie der Carnegie Medal für 'Bunker Diary'. Seit einiger Zeit schreibt er auch Kriminalromane für Erwachsene.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 390
    Erscheinungsdatum: 22.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423428897
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 2138kBytes
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Bunker Diary/Licht im Bunker

Montag, 30. Januar

10.00 Uhr.

Das ist alles, was ich weiß. Ich befinde mich in einem rechteckigen Bau mit niedriger Decke. Er besteht aus weiß getünchtem Beton, ist circa zwölf Meter breit und achtzehn Meter lang. In der Mitte gibt es einen Flur, von dem ungefähr auf halbem Weg ein etwas kürzerer Flur zu einem Aufzugschacht abgeht. An dem Hauptflur liegen sechs kleine Zimmer, drei auf jeder Seite. Alle gleich groß, dreieinhalb mal fünf Meter, jedes mit einem Stahlrohrbett, einem ungepolsterten Stuhl und einem Nachttisch. Am einen Ende des Flurs ist ein Badezimmer, am andern eine Küche. Gegenüber der Küche befindet sich ein offener Bereich, mit einem rechteckigen Holztisch und sechs Holzstühlen in der Mitte. An jeder Ecke hat der Bereich eine L-förmige Sitzbank. Es gibt keine Fenster. Auch keine Türen. Der Aufzug ist der einzige Weg rein oder raus.

Das Ganze sieht etwa so aus:

Im Bad gibt es eine Stahlwanne, ein Waschbecken aus Stahl und eine Toilette. Keinen Spiegel, keine Schränke, keine Ablagen oder sonst was. In der Küche befinden sich eine Spüle, ein Tisch, ein paar Stühle, ein Elektroherd, ein kleiner Kühlschrank und ein Wandschrank. Im Schrank stehen eine Plastikschüssel zum Abwaschen, sechs Plastikteller, sechs Plastikgläser, sechs Plastikbecher, sechs Plastikbesteck-Sets.

Wieso sechs?

Keine Ahnung.

Ich bin der Einzige hier.

Es fühlt sich hier drinnen an wie unter der Erde. Die Luft ist schwer und feucht. Sie ist nicht wirklich feucht, fühlt sich aber so an. Und es riecht alt hier und doch neu. Es wirkt, als gäbe es den Bau schon lange, aber anscheinend wurde er nie benutzt.

Es gibt nirgendwo Lichtschalter.

An der Flurwand hängt eine Uhr.

Das Licht geht morgens um acht Uhr an und um Mitternacht aus.

Tief in den Wänden hört man einen leisen Brummton.

12.15 Uhr.

Nichts passiert.

Die Zeit vergeht zäh.

Ich dachte, er wäre blind. So hat er mich erwischt. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich auf den Trick reingefallen bin. Ich gehe es in Gedanken wieder und wieder durch und hoffe, dass irgendwas anders läuft, doch es kommt immer das Gleiche heraus.

Es ist am Sonntag passiert, frühmorgens. Gestern Morgen. Ich tat nichts Besonderes, hing bloß in der Halle der Liverpool Street Station rum, versuchte, halbwegs warm zu bleiben, und schaute nach irgendwelchen Überresten von Samstagnacht. Ich hielt die Hände in den Taschen, hatte die Gitarre auf dem Rücken und die Augen zu Boden gerichtet.

Sonntagmorgen ist eine gute Zeit, um etwas zu finden. Am Samstagabend betrinken sich die Leute. Danach rennen sie zum letzten Zug, der nach Hause fährt. Lassen Sachen fallen: Bargeld, Kreditkarten, Mützen, Handschuhe, Zigaretten. Die meisten guten Sachen erwischen die Reinigungsleute, aber manchmal übersehen sie was. Einmal habe ich eine gefälschte Rolex gefunden. Hab einen Zehner dafür kassiert. Deshalb lohnt es sich immer zu schauen. Doch gestern Morgen habe ich nur einen kaputten Regenschirm und eine halb leere Schachtel Marlboro gefunden. Den Schirm habe ich weggeworfen, aber die Zigaretten behalten. Ich rauche zwar nicht, aber Zigaretten kann man immer gebrauchen.

Da war ich also, hing bloß so rum und beschäftigte mich mit meinen eigenen Gedanken, als plötzlich zwei Bahnhofswachleute aus einer Seitentür traten und auf mich zukamen. Einer von ihnen gehörte zum Stammpersonal, ein junger Schwarzer, der Buddy heißt und normalerweise ganz okay ist, aber den anderen kannte ich nicht. Mir gefiel nicht, wie er aussah. Er war ein schwerer Typ mit Schirmmütze und Stahlkappen vorn an den Schuhen. Und er wirkte, als ob er Streit suchte. Vielleicht stimmte das gar nicht, vielleicht hätten sie gar nichts von mir gewollt, aber es ist immer besser, auf Nummer sicher zu gehen. Also senkte ich den Kopf, zog die Kapuze über und verschwand Richtung Taxistand.

Und da sah ich ihn. Den Blinden. Regenmantel

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