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Dann fressen sie die Raben Arena X-Thriller von Gurian, Beatrix (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2012
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)
10,99 €
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Dann fressen sie die Raben

Nach dem vermeintlichen Selbstmord ihrer Schwester fühlt sich Ruby permanent beobachtet und verfolgt. Jemand steckt ihr das Foto eines toten schwarzen Jungen zu. Warum und was hat das mit den rätselhaften Andeutungen ihrer Schwester zu tun, die um ihr Leben kämpft? Die Polizei hält alles nur für einen schlechten fremdenfeindlichen Scherz. Doch dann steht Ruby plötzlich ihrem Verfolger gegenüber. Beatrix Gurian (Beatrix Mannel) studierte Theater- und Literaturwissenschaften in Erlangen, Perugia und München. Danach arbeitete sie zehn Jahre als Redakteurin beim Fernsehen. Seitdem schreibt sie Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurden. Für ihre aufwändigen Recherchen reist sie um die ganze Welt. Außerdem unterrichtet sie kreatives Schreiben für alle Altersstufen. Sie lebt mit ihrer Familie in München. Foto © Erol Gurian

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 01.07.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401801261
    Verlag: Arena Verlag
    Größe: 4420 kBytes
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Dann fressen sie die Raben

1. Kapitel

"Sie hat was?" Ich kann mir das nicht vorstellen. Doch nicht Lina, meine ach so kluge Schwester.

Pa nickt, und erst jetzt wird mir klar, dass er Tränen in den Augen hat. "Deine Mutter ist völlig am Ende. Niemand versteht, warum sie das getan hat."

Am liebsten hätte ich ihn geschüttelt. Pa, hätte ich gern zu ihm gesagt, das ist doch nur wieder ein Trick, um sich in Szene zu setzen. Lina liebt theatralische Auftritte. In Linas Welt kreist die Sonne, ach was, nicht nur die Sonne, nein, das ganze Universum dreht sich um sie. Als wir vor drei Jahren gefragt wurden, bei welchem Elternteil wir leben wollten, hat sie im Gerichtssaal eine Tränenshow abgezogen, über der die Richterin völlig vergessen hat, dass ich auch noch da war. Sie hatte schon mit den Schlussworten angefangen, als Pa sich getraut hat nachzufragen, wie denn nun über seine jüngere Tochter Ruby, also mich, entschieden wird.

Ich wollte nicht bei Mama leben, auf keinen Fall, denn sie war es doch, die unsere Familie zerstört hatte. Sie hatte sich in diesen lächerlichen Typen verliebt, den heiligen Dr. Oliver Brandt, der zu allem Übel auch noch mit einem Sohn gesegnet war. Außerdem tat mir Pa furchtbar leid, er war völlig am Boden und verzweifelt, weil Mama ihn verlassen hatte. Ich dachte irgendwie, ich könnte ihm helfen, darüber hinwegzukommen. Und es gab noch einen Grund, aber den konnte ich mir damals wie heute kaum eingestehen: Ich war froh, endlich Linas Schatten zu entrinnen. Denn ganz egal, was ich anfing oder wen ich kennenlernte, immer funkte meine große Schwester dazwischen und stach mich aus.

Lina ist nicht so schön wie unsere Mutter, doch sie hat etwas Strahlendes. Sie ist die Orchidee und ich ein Löwenzahn, sie ist der Duft von Rosen und ich der von Rinde, sie ist ein glühender Komet und ich ein grauer Isarkiesel. Kurzum, die meisten Menschen sind verrückt nach ihr.

Pa setzt sich zu mir auf mein Bett. Er legt seinen Arm um mich. "Ruby, es tut mir sehr leid für dich." Er drückt mich an sich und ich spüre, wie er zittert. Erst nach einer Weile wird mir klar, dass er krampfhaft versucht, sein Schluchzen zu unterdrücken, und ich schäme mich in Grund und Boden, denn ich fühle nichts.

Mein Vater weint, weil meine Schwester versucht hat, sich das Leben zu nehmen, während meine Gedanken darum kreisen, dass sie höchstwahrscheinlich bloß eine Show abzieht. Ich sehe nicht nur aus wie ein Isarkiesel, sondern habe auch ein Herz aus Stein.

"Was ist denn genau passiert?" Ich rücke ein Stückchen von ihm ab, was Pa sofort so interpretiert, dass mir seine Nähe unangenehm ist. Dabei ist mir doch nur meine eigene Gefühllosigkeit peinlich.

Er strafft die Schultern, putzt seine Brille, dann sehen mich seine grünen Augen prüfend an. "Kleines, sie hat Tabletten genommen und sie mit Alkohol runtergespült. Mehr konnte die Polizei auch nicht sagen."

"Die Polizei?"

"Die kommt immer, wenn jemand versucht, sich umzubringen."

"Wieso das denn?"

"Um sicherzustellen, dass es sich nicht um Mord handelt."

Ich sehe meinen Vater verständnislos an. "Aber wer sollte denn Lina ermorden wollen?"

"Es war ja auch kein Mord. Ein Fremdverschulden wurde ausgeschlossen."

Das muss ich erst mal verdauen. Daran, dass die Polizei aufkreuzen würde, hat Lina sicher nicht gedacht.

"Und wie geht es ihr jetzt?"

"Den Umständen entsprechend gut, sagt Oliver. Sie wurde auf seine Station im Elisabethenstift nach Schwabing gebracht."

"Und was heißt: den Umständen entsprechend?" Ich stehe auf und sehe aus der winzigen Dachluke meines Zimmers auf die zwei Wiesen hinter unserem Haus, auf denen gerade die Butterblumen angefangen haben zu blühen. Ein schmaler mit Schilf bewachsener Bach trennt sie voneinander.

"Sie lebt." Pa atmet laut ein, wie um sich selbst Mut zu machen. "Sie lebt und sie wird keine Schäden zurückbehalten. Aber Ruby, wir müssen alles tun

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