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Das andere Herz von Walgermo, Alf Kjetil (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.06.2014
  • Verlag: Carlsen
eBook (ePUB)
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Das andere Herz

Noch nie vorher hat Amanda so gespürt, dass sie lebt, und das liegt an David. David aus ihrer Parallelklasse, der braune Locken hat und einen Mund, den man einfach küssen möchte - auch wenn Amanda gar nicht so genau weiß, wie man das macht. Als das Wunder geschieht und sich David mit ihr verabredet, schwebt sie wie auf Wolken. Doch dann, bei einem Mitsommerfest am Meer, bricht Amanda plötzlich zusammen. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass sie an einem seltenen Herzfehler leidet und nur überleben wird, wenn sich bald ein Spenderorgan findet. Wird David nun trotzdem an ihrer Seite bleiben?

Alf Kjetil Walgermo, geb. 1977, wollte eigentlich Medizin studieren, hat sich dann aber für das Schreiben entschieden. Er arbeitet als Journalist und Literaturkritiker für die größte norwegische Tageszeitung und verfasst Kinder- und Jugendbücher.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 20.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646926880
    Verlag: Carlsen
    Größe: 4469 kBytes
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Das andere Herz

Ich hatte eigentlich nicht vor, Mama und Papa von David zu erzählen. Aber dann ist mir blöderweise doch was rausgerutscht, als ich mit Papa beim Frühstück saß.

"In der Parallelklasse hat ein neuer Junge angefangen", sagte ich.

Ich nahm einen großen Bissen von meinem Brot, als könnte ich damit das Gesagte runterschlucken. Das zweite Schulhalbjahr hatte vor drei Monaten angefangen, da wirkte es schon etwas verdächtig, dass ich jetzt erst von David erzählte.

Papa wusste gleich, wen ich meinte. Er kannte Davids Mutter von früher. Sie war nach vielen Jahren in Oslo wieder hierhergezogen, weil sie sich getrennt hatte oder so.

"Sie ist damals sehr jung schwanger geworden", sagte Papa. "Sie war noch nicht mal mit der Schule fertig. Gleich nach der Geburt ist sie nach Oslo gezogen."

"Kennst du sie gut?", fragte ich.

"Nein, nicht wirklich. Sie ist eine ganze Ecke jünger als ich", sagte Papa.

"Oh", sagte ich und gab mir Mühe, mir meine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.

"Heißt ihr Sohn nicht David? Seid ihr befreundet?", fragte Papa.

"Nein, er geht doch in die Parallelklasse. Und in der Pause spielt er immer Fußball", sagte ich.

"Scheint sich wohl noch nicht für Mädchen zu interessieren, was?"

"Ist ja auch egal."

Ich schmierte mein Pausenbrot, packte meinen Rucksack und ging raus an die Straße, wo der Schulbus hielt. Es waren noch zwei Wochen bis Ostern. Der Wind war nach wie vor frostig kalt, aber der Schnee verschwand langsam, aber sicher aus den Gärten. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatten Jenny und ich noch unten neben dem Bootshaus eine Schneelaterne gebaut. Jetzt waren schon überall graugrüne Grasbüschel zu sehen.

Ich musste mir David aus dem Kopf schlagen. Es war lange her, dass jemand aus der Stadt in unser Kaff gezogen war. Seit er im Januar an unserer Schule angefangen hatte, war er immer von Mädchen umringt. Weil er neu war? Oder weil er groß und schlank war und dunkles, lockiges Haar hatte? Oder weil er so gut Fußball spielte?

Jungs, die Fußball spielen konnten, mussten sich keine Gedanken machen. Für Mädchen war es schon schwieriger. In der achten Klasse ging es ganz anders zu als in der siebten, das hatte ich ziemlich bald festgestellt. Plötzlich drehte sich alles nur noch um Mode und Jungs. Bevorzugt Jungs aus der Neunten oder Zehnten, nicht die Milchbubis aus unserer Klasse. Mit Ausnahme von Eli, die war mit größter Wahrscheinlichkeit in Trond verliebt.

Ich trippelte auf der Stelle, um mich warm zu halten, als ich endlich den grün-gelben Schulbus um die Kurve biegen sah. Ich trat einen Schritt aus dem Bushäuschen heraus und streckte den Arm aus, wobei ich feststellte, dass ich meinen Reflektor vergessen hatte. Aber der Busfahrer sah mich trotzdem, blinkte und hielt vor mir an.

Ich setzte mich neben Jenny, wie jedes Mal. Sie hatte am Wochenende eine neue Hose bekommen und rieb wie wild an einem nassen Fleck auf dem Oberschenkel herum.

"Guck mal hier, Amanda", sagte sie. "Das ist mal wieder typisch! Der erste Tag mit einer neuen Jeans und ich sehe aus, als hätte ich mir in die Hose gemacht."

Ich kicherte.

"Was ist passiert?"

"So ein idiotischer Autofahrer hat mich nass gespritzt, obwohl ich ganz im Bushäuschen stand", sagte Jenny.

"Man sieht den Fleck echt kaum", sagte ich. "Der trocknet bestimmt schnell."

Jenny rubbelte weiter. Ich saß da und dachte an den roten Fleck, den ich vor ein paar Monaten in meiner Unterhose entdeckt hatte. Ab jetzt konnte ich schwanger werden. Dabei

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