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Das Buch der Finsternis von Dübell, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2014
  • Verlag: Ravensburger Buchverlag
eBook (ePUB)
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Das Buch der Finsternis

Gelähmt vor Entsetzen muss Buchdruckergehilfe Quirin mitansehen, wie sein Meister in einen Fluss springt und von den tobenden Wassern verschluckt wird. So verzweifelt versucht Meister Guldenmund dem Grafen von Gallenstein zu entfliehen, der ihm das 'Buch der Finsternis' abjagen will. Was der ruchlose Graf nicht weiß: Der Buchdrucker hat kurz vor seiner Flucht das Verderben bringende Werk ausgerechnet Quirin anvertraut. Der Junge soll es zum Bischof nach Salzburg bringen. Aber was will der Bischof damit? Quirin tappt im Dunkeln. Dennoch ist er fest entschlossen, den letzten Wunsch seines Meisters zu erfüllen. Und er hat keine Sekunde zu verlieren ... Richard Dübell, geb. 1962, schreibt historische Erwachsenen- und Jugendromane und Drehbücher und ist Träger des Kulturpreises seiner Heimatstadt Landshut. Mit seinem Debüt-Roman 'Der Tuchhändler', einer mitelalterlichen Detektivgeschichte im Stil der berühmten Schwarzen Krimis, errang er sofort die Aufmerksamkeit des Publikums. Richard Dübells Romane sind in insgesamt 14 Sprachen weltweit übersetzt. Sein ironischer Schreibstil, die stets unerwarteten Wendungen in seinen Geschichten und seine prallen, lebensnahen Charaktere sind sein Markenzeichen, ebenso wie seine medialen Buchpräsentationen, die mit Video-, Musik- und Geräuscheinblendungen und Dübells komödiantischem Geschick zu literarischen Shows werden. Richard Dübell lebt in Landshut.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 01.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783473475469
    Verlag: Ravensburger Buchverlag
    Größe: 2587 kBytes
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Das Buch der Finsternis

1

D er Verrückte stürmte aus der Gasse und rannte brüllend auf Quirin zu.

"Ist es getilgt?", schrie er mit sich überschlagender Stimme. "Ist es getilgt?" Sein Gebrüll hallte in der Stille der Nacht von den Hauswänden wider. In der Hand hielt er eine Fackel, die einen Funkenschweif hinter sich herzog.

Quirin wich zurück, bis er mit dem Rücken gegen den wuchtigen hölzernen Wagen stieß. Er war so erschrocken von dem plötzlichen Auftritt des Mannes, dass sein Herz hämmerte. Zwar hatte er keine Ahnung, was hier vorging, doch eins stand fest: Wer mitten in der Nacht laut kreischend durch die Gassen von Salzburg rannte, konnte nicht ganz richtig im Kopf sein.

"Ist es getilgt?", schrie der Verrückte noch einmal.

Hinter ihm tauchten keuchend zwei Stadtwächter aus der Gasse auf. Aber sie waren zu weit weg. Der Mann würde Quirin erreichen, bevor sie ihn erwischten.

"Ist es getilgt?"

Quirin blickte sich nach Meister Lukas und den beiden Gesellen um. Die drei Männer standen bei den Zugpferden und starrten den heranstürmenden Mann mit offenen Mündern an.

"Haltet ihn auf!", japste einer der Stadtwächter. Er und sein Kamerad waren offensichtlich normale Bürger, die die Stadtwache beim Nachtdienst verstärkten. Sie trugen nur Helm und Waffen, nicht aber die rot-weißen Wämser der regulären Wachtruppen, und sie waren alles andere als gut trainiert.

"Ist es getilgt?" Der Verrückte war nun ganz nah herangekommen - ein großer, dicker Mann in teuren Gewändern. Der Fackelschein erhellte seine erhitzten Züge, die fleckige Haut, das stoppelbärtige Kinn. Seine Augen waren so weit aufgerissen wie sein Mund. Tränen liefen ihm über die Wangen, Speichel rann ihm aus dem Mundwinkel. Seine Beine pumpten. Er war schneller, als sein gedrungener Körper vermuten ließ.

Einer der beiden Stadtwächter blieb stehen, schnappte nach Luft, hob die Armbrust und zielte schwankend. "Stehen bleiben oder ich ..."

Der Armbrustbolzen löste sich mit einem Knall, der Quirin zusammenzucken ließ. Etwas pfiff an seinem Ohr vorbei. Er fuhr herum. Keine Handbreit von seinem Kopf entfernt war der Bolzen in das Holz des Wagens eingeschlagen. Der Verrückte rannte weiter, unverletzt.

"... schieße!", japste der Schütze. "Oh." Er schielte auf die Armbrust, als wäre sie schuld an seinem miserablen Zielwasser.

"He!", brüllte Meister Lukas.

Der Verrückte änderte fünf Schritte vor Quirin die Richtung, als hätte er den Jungen, den Wagen, die Pferde und die drei Erwachsenen erst jetzt bemerkt. Quirin hörte deutlich seinen pfeifenden Atem. Der Geruch von Schweiß, Tran und Rauch stieg ihm in die Nase.

"Haltet ihn auf, um Himmels willen!", keuchte der erste Stadtwächter.

Quirin war wie betäubt. Er sah sich selbst dabei zu, wie er einen Schritt vortrat und dem Vorbeirennenden ein Bein stellte.

Mit rudernden Armen flog der dicke Mann durch die Luft. Die Fackel wirbelte neben ihm her. Er prallte auf den gepflasterten Boden der Gasse und rutschte auf dem Bauch noch ein paar Schritte weiter. Die Fackel schlug funkensprühend auf, überschlug sich wie ein Feuerrad und rollte dann über die Pflastersteine, bis sie schließlich liegen blieb.

Als sich der Verrückte ächzend aufrappelte, war der erste Stadtwächter heran und warf sich auf ihn. Der Verrückte schlug erneut der Länge nach hin - und stemmte sich dann ein zweites Mal in die Höhe, als hätte er die Kräfte eines Riesen. Der Stadtwächter hing auf seinem Rücken wie ein Reiter auf einem bockenden Pferd. Der zweite Stadtwächter kam herbeigeeilt, ließ die Armbrust fallen und warf sich ebenfalls auf den Verrückten. Zu dritt gingen sie zu Boden.

Der Mann zappelte und stöhnte. "Ist es getilgt?", schrie er. "Sagt mir, ob es getilgt ist! Bei der Barmherzigkeit Christi! Ist es getilgt?"

Die Stadtwächter zerrten ihn auf die Beine. Er wand sich nach Leibeskräften. Die Wächter hatten sichtlich Mühe, i

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