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Der einarmige Boxer, eine Liebesgeschichte Roman von Kordon, Klaus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.08.2016
  • Verlag: Beltz & Gelberg
eBook (ePUB)
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Der einarmige Boxer, eine Liebesgeschichte

Was passiert, wenn eine 17-Jährige plötzlich vor eine Herausforderung gestellt wird, die ihr nur zwei Möglichkeiten lässt? Ein intensiver Roman, in dem Klaus Kordon von einem Mädchen erzählt, das eine mutige Entscheidung trifft, mit der sie alle gegen sich hat - außer Milan. Feri, eigentlich Jennifer, hat aus dem Sommerurlaub ein Andenken mitgebracht: Sie ist schwanger. Milan hieß er, der einarmige Boxer, er hat ihr gefallen. Sehr sogar. Und Feri wollte ein Mal etwas Unvernünftiges tun. Nach dem ersten Schock sucht sie Hilfe. Aber wie viel Verlass ist in so einer Situation auf Freundinnen? Sind ihre Eltern wirklich so verständnisvoll? Und alle wissen plötzlich, was das Beste für Feri ist. Feri entscheidet sich gegen alle Widerstände für eine Lösung, die ihr niemand zugetraut hätte... Klaus Kordon, geboren 1943 in Berlin, war Transport- und Lagerarbeiter, studierte Volkswirtschaft und unternahm als Exportkaufmann Reisen nach Afrika und Asien, insbesondere nach Indien. Heute lebt er als freischaffender Schriftsteller in Berlin. Kordon, der als "Chronist der deutschen Geschichte" gilt, veröffentlichte neben zahlreichen Kinderbüchern viele historische Romane, darunter den autobiographische Roman Krokodil im Nacken (Deutscher Jugendliteraturpreis; nominiert für den Deutschen Bücherpreis). Viele seiner Bücher wurden mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Für sein Gesamtwerk erhielt Kordon den Alex-Wedding-Preis der Akademie der Künste zu Berlin und Brandenburg, den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur und, 2016, den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises. 'Kordon versteht sich als ein Autor, der zuallererst eine Geschichte erzählen möchte. Diese Geschichte gestaltet er poetisch, spannend, aktuell. Sie soll dem Leser Spaß machen. Dies gelingt ihm vor allem wegen seiner feinen Beobachtungsgabe, verbunden mit einem ganz natürlichen Verhältnis zu den von ihm dargestellten, denkenden, fühlenden und handelnden Personen. Er lebt mit ihnen, spricht ihre Sprache, gräbt sie als Außenseiter, als Freunde, als Hilfsbedürftige oder als Helfer, als Leidende, die nicht ohne Hoffnung bleiben, in das Gedächtnis seiner Leser ein.' jugendbuch-magazin

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 221
    Erscheinungsdatum: 12.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407748157
    Verlag: Beltz & Gelberg
    Größe: 3095 kBytes
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Der einarmige Boxer, eine Liebesgeschichte

Der zweite Blick

Wie Milan und sie sich das erste Mal sahen! In den Ferien war das gewesen, in dem großen Biergarten am Waldsee. Mitten zwischen seinen lärmenden und vor Begeisterung über die eigene gute Laune öfter laut wiehernden Freunden hatte er gesessen; ein groß gewachsener Junge mit dunklen Locken. Und egal, wie aufgedreht die anderen waren, welche Witze sie rissen und wie einer den anderen an Lautstärke übertreffen wollte, er sagte nichts, hörte nur zu und grinste hin und wieder.

Fiel ihm eine Locke zu tief in die Stirn, warf er sie mit einer ruckartigen Kopfbewegung zurück. Das wirkte irgendwie störrisch. Oder stolz. Und auch das gefiel ihr. Ob sie wollte oder nicht, unentwegt musste sie zu ihm hinschauen, quer über fast alle Tische dieses quirligen Biergartens hinweg.

Ja, er sah gut aus, daran gab es keinen Zweifel. Aber nicht deshalb war sie auf ihn aufmerksam geworden - der wahre Grund war ein anderer: Aus dem rechten, ebenfalls hochgekrempelten Ärmel seines bunten Hemdes ragte kein Arm. Der Ärmel war leer. Ein Anblick, der sie tief berührte. Was diesem Lockenkopf wohl passiert war?

Irgendwann spürte er ihren Blick. Verwundert sah er zu ihr hin, sie tauchte tief in ihre Limonade und er wandte sich wieder seinen Freunden zu.

Doch nein, sie war nicht enttäuscht. Wozu hätte er sie länger anschauen sollen? Auch der schönste Sonnenschein machte aus einer Motte keinen Schmetterling. Sie hatte sich schon immer einzuschätzen gewusst: Sie war nun mal kein Model-Typ. Eher mittelgroß und drahtig war sie, hatte noch kaum Busen und ihre igelkurzen, rotblonden Haare entsprachen auch nicht gerade dem aktuellen Schönheitsideal. Wenn es überhaupt etwas an ihr gab, das ein bisschen auffiel, dann waren das ihre Augen: groß und grün. Und im Sommer leider auch ihre munter blühenden Sommersprossen über Stirn und Nase.

Die Mutter sprach gerade über den Roman, den sie sich als Ferienlektüre mitgenommen hatte. "Für die Ferien ist so was nichts", schimpfte sie, "viel zu viele kaputte Personen. Alles Leute, die mit ihrem Leben nicht fertig werden. Da fängt man an, sich zu wundern, weshalb man selber noch einigermaßen heil geblieben ist."

Der Vater antwortete irgendwas Lustiges, doch das bekam sie schon nicht mehr mit - denn nun sah der Lockenkopf doch wieder zu ihr her. Ein zweiter Blick? Damit hatte sie nicht gerechnet. Ja, und wie er sie jetzt ansah! So neugierig, als wollte er fragen: "Wer bist du? Warum schaust du immer wieder her?" Vielleicht aber auch nur: "Hast du noch nie einen Einarmigen gesehen?"

Sie bemühte sich, möglichst gleichgültig zurückzublicken, aber da lächelte er ihr auf einmal zu - und das war ein so freundlich-sympathisches Lächeln, ob sie wollte oder nicht, sie musste ebenfalls lächeln. Warum denn auch nicht? Warum sollte sie diesem Lockenkopf nicht zeigen, dass er ihr gefiel? Sie würde ihn ja garantiert nicht wiedersehen ...

Es war noch ganz zu Anfang der Ferien gewesen. Die Eltern hatten am Waldsee ein Ferienhaus gemietet, mitten in den bayerischen Bergen. Und eigentlich hatte Feri gar nicht mitfahren wollen. Sie hatte schon lange keine Lust mehr, mit den Eltern zu verreisen. Nur: Wenn sie nicht mitgefahren wäre, was hätte sie dann getan? Immer nur Schwimmbad oder Kino, DVDs kucken oder die Mails und SMS lesen, die Edda und Caro ihr aus Spanien und Italien schickten?

Das hätte sie nicht lange ausgehalten. Also ist sie nach vielerlei langwierigen Diskussionen am Ende doch mitgefahren und ihre Mutter hatte sich gefreut. Sie hätte ihr armes, hilfloses Kind nicht gern ganze vierzehn Tage allein gelassen. Und auch ihr Vater hatte dankbar genickt: Gut, dass sie ganz von selbst zur Vernunft gekommen war! Eine siebzehnjährige Tochter, so sein ewiger Spruch, muss man behandeln wie eine Kiste Nitroglyzerin. Nicht dran rütteln, nicht stürzen, nicht kippen, sons

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