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Der kleine Mann und die kleine Miss von Kästner, Erich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2018
  • Verlag: Atrium Verlag AG Zürich
eBook (ePUB)
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Der kleine Mann und die kleine Miss

Mäxchen Pichelsteiner, den die ganze Welt nur als den kleinen Mann kennt, ist inzwischen so berühmt, dass sogar Mister Drinkwater höchstpersönlich aus Amerika anreist, um sein turbulentes Leben zu verfilmen. Als Emily den Film im fernen Alaska im Fernsehen sieht, traut sie ihren Augen kaum. Denn das Mädchen misst selbst gerade einmal fünf Zentimeter, und seine Mutter ist eine geborene Pichelsteiner. Ob Emily und der kleine Mann verwandt sind? Erich Kästner, 1899 in Dresden geboren, ist bis heute einer der meistgelesenen und beliebtesten deutschen Autoren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden seine Bücher verbrannt, sein Werk erschien nunmehr in der Schweiz im Atrium Verlag. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Hans-Christian-Andersen-Preis und dem Georg-Büchner-Preis. Erich Kästner starb 1974 in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783037921203
    Verlag: Atrium Verlag AG Zürich
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Der kleine Mann und die kleine Miss

Das erste Kapitel

Kriminalkommissar Steinbeiß beißt auf Granit / Bernhard hat einen Komplex und der kahle Otto hat Durst / In Tempelhof landet eine Reisegesellschaft aus Paris / Mister John F. Drinkwater kommt aus Hollywood, ist 1 , 90 m lang und hat es eilig.

"Was wir bis jetzt über die zwei Halunken wissen, ist nicht der Rede wert", sagte Kriminalkommissar Steinbeiß. "Wir haben ihre Pässe, ihre Flugscheine und ihre Fingerabdrücke. Die Pässe sind falsch. Das Flugziel war Madrid. Doch ich glaube nicht, dass sie dort bleiben wollten."

"Aber die Fingerabdrücke, die lassen sich nicht fälschen", meinte Mäxchen. Er saß, in der Mitte des Schreibtischs, auf der Kante des Aschenbechers und baumelte mit den Beinen. "Fingerabdrücke sind immer echt."

"Stimmt auffallend!", bekräftigte Jakob Hurtig. "Jeder Mensch hat seine eignen. Nicht einmal Zwillinge haben die gleichen. Und wer früher schon mal im Gefängnis war, ist geliefert. Die Polizei vergleicht die neuen Fingerabdrücke mit denen von damals, und aus ist der Husten."

"Denkt ihr, wir haben geschlafen?", fragte der Kommissar. "Wir haben kein Auge zugetan." Er gähnte herzzerreißend. "Interpol in Paris, Scotland Yard in London, FBI in Washington und das Bundeskriminalamt in Wiesbaden wurden sofort verständigt."

Professor Jokus von Pokus schien sich zu wundern. "Wozu die Umstände? Die zwei Strolche haben Mäxchen geraubt und wollten ihn ins Ausland verschleppen. Dafür gehören sie ins Zuchthaus und an ihrer Verurteilung ist nicht zu zweifeln. Wie sie in Wirklichkeit heißen und ob sie früher silberne Löffel oder goldene Uhren gestohlen haben, spielt doch dabei überhaupt keine Rolle!"

"Für Sie nicht, aber für uns", sagte Herr Steinbeiß nachsichtig. "Denn erstens verschärfen Vorstrafen das bevorstehende Strafmaß. Und zweitens möchten wir endlich dem sagenhaften Señor Lopez ans Leder. Der kahle Otto hat dem kleinen Mann sehr interessante Dinge erzählt. Vielleicht bringe auch ich ihn ein bisschen zum Reden."

Mäxchen erschrak. "Wollen Sie ihn foltern?"

"Unsinn", knurrte Herr Steinbeiß.

"Für einen Räuber hat er sich nämlich ganz nett zu mir benommen. Er ist mehr dumm als böse."

"Auch die Dummen sind gefährlich", stellte der Kommissar fest.

In diesem Moment kippte Mäxchen hintenüber und fiel mitten in den Aschenbecher. Als er sich wieder hochgerappelt hatte, sah er ziemlich unschön aus und musste niesen.

Der Jokus angelte den Dreckspatz mit spitzen Fingern aus der Zigarrenasche, putzte ihn, so gut es ging, sauber und erklärte: "Aschenbecher sind kein Aufenthalt für Nichtraucher. Merk dir das!"

Im Warteraum vorm Zimmer des Kommissars standen zwei braune Holzbänke. Auf der einen Bank saß, zwischen zwei Wachtmeistern in Uniform, der kahle Otto. Und auf der anderen Bank saß Bernhard. Auch zwischen zwei Wachtmeistern.

"Dämliche Warterei", brummte Otto. "Man sitzt rum wie beim Zahnarzt."

Bernhard sah ihn drohend an. "Aber beim Zahnarzt muss man den Mund weit aufmachen. Bei der Polizei hingegen ..."

"Ruhe!", rief ein Wachtmeister ärgerlich.

"Sie sollen den Mund halten!", befahl ein andrer.

"Da hörst du's", sagte Bernhard und lächelte hinterhältig. "Sogar die Polizei verlangt, dass du die Schnauze hältst."

"Das gilt auch für Sie!", rief der dritte Wachtmeister aufgebracht. "Und nun kein Wort mehr!"

"Einverstanden", gab Bernhard zur Antwort.

"Einverstanden", wiederholte der kahle Otto und blickte ängstlich zu Bernhard hinüber. Dann schwiegen alle und warteten weiter.

Zuerst wurde Bernhard geholt. Er nahm dem Kommissar gegenüber Platz, schlug ein Bein übers andere und musterte die Besucher flüchtig. Auch dem kleinen Mann, der jetzt auf einer angebrochenen Zigarettenschachtel hockte, schenkte er keine b

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