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Der magische Bogen von Bennett, Rodney (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2015
  • Verlag: Verlag Freies Geistesleben
eBook (ePUB)
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Der magische Bogen

Wer glaubt schon an Lizzies musikalische Begabung, wenn er sie spielen hört? Doch, einen gibt es, und er hilft ihr. Ein genialer Geiger, den nur sie gesehen hat. Von ihm bekommt sie einen ganz besonderen Bogen geliehen. - Eine romantisch-moderne Geschichte über ein eigenwilliges Mädchen in London, die Liebe zur Musik und die Kunst des Geigenspiels.

Rodney Bennett wurde 1939 in Devon, England, geboren und wuchs in der Nähe von Dartmoor auf. Er studierte in Cambridge Naturwissenschaften und danach in London Psychologie. Seit vielen Jahren ist er als Produzent und Drehbuchautor für das Fernsehen tätig. Im Verlag Freies Geistesleben sind bereits seine Jugendbücher 'Adlerjunge', 'Kreuze im Nebel', 'Die Abrechnung' und 'Gefährliche Gewässer' erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 296
    Erscheinungsdatum: 30.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783772541391
    Verlag: Verlag Freies Geistesleben
    Größe: 1672kBytes
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Der magische Bogen

KAPITEL EINS

"Lizzie! Hör mit dem verfluchten Gefiedel auf!"

Lizzie fixierte ungerührt die Noten auf dem Pult und spielte weiter.

"Ich kann bei dem schrecklichen Gekratze nicht denken!", rief ihr Bruder.

Dass er bei der Musik denken konnte, mit der er sich selbst die Ohren volldröhnte, war auch schon ein Wunder.

"Wenn du nicht sofort aufhörst", schrie er, "komm ich und hau' sie in Stücke!"

Lizzie beachtete ihn gar nicht. Sebastian stieß immer solche Drohungen aus.

Elizabeth Barrett - kurz Lizzie genannt - war elf. Sie war nicht sehr groß, aber kräftig gebaut und hatte ein markantes Gesicht und ein stark ausgeprägtes Kinn. Sie galt als "schwierig", was nichts weiter bedeutete, als dass sie gern ihren Willen durchsetzte. Es gab heftige Szenen, wenn ihr das nicht gelang. Sie bestand darauf, ihr braunes Haar in zwei langen Zöpfen zu tragen, und weil sie kurzsichtig war, brauchte sie eine Brille. Natürlich hatte sie sich ein rundes schwarzes Gestell ausgesucht, mit dem sie erst richtig "toll" aussah.

Sie lebte mit ihren Eltern und dem älteren Bruder in West London in einem Reihenhaus mit drei Schlafzimmern. Das war nichts Besonderes. Ringsum waren die Straßen von ähnlichen Häusern gesäumt. Alle hatten kleine Vorgärten, Garagen an der Seite und nach hinten größere Gärten.

Wie alle Familien hatten die Barretts ihre Hochs und Tiefs, aber im Allgemeinen waren sie ganz glücklich miteinander. Das heißt, sie waren es bis vor etwa einem Jahr gewesen, als Lizzie verkündet hatte, Geige spielen zu wollen. Sie hatte immer schon gern gesungen und Musik gehört. In der Grundschule hatte sie Blockflöte gespielt und mit der Klarinette angefangen. Aber damit war sie überhaupt nicht zurechtgekommen und hatte bald aufgegeben. Dann wollte sie plötzlich am allerliebsten Geige spielen. Sie wusste nicht warum. Sie wollte es einfach.

Nach dem Reinfall mit der Klarinette waren ihre Eltern zurückhaltend gewesen, was ein weiteres Instrument betraf. Aber Lizzie hatte sie unentwegt gequält, bis sie schließlich mit einem Lehrer der Abteilung für Schulmusik sprachen. Der war ihnen behilflich gewesen, über das Internet eine Geige zu kaufen, und hatte ihnen eine Musiklehrerin empfohlen. Damals ahnten sie nicht, was für Probleme damit auf sie zukommen sollten.

Alles begann damit, dass Lizzie fest entschlossen war, das Geigenspiel schnell zu beherrschen. Aus irgendeinem Grund hatte sie das Gefühl, verlorene Zeit aufholen zu müssen. Sie übte jeden Tag nach der Schule, machte aber überhaupt keine Fortschritte. Ja, je mehr sie übte, desto schlechter schien sie zu werden. Das war schrecklich frustrierend und sie wurde dadurch verkrampft und unsicher. Besonders der rechte Arm wurde so steif, dass sie den Bogen nicht mehr richtig unter Kontrolle hatte. Aber sie wollte sich nicht geschlagen geben und machte verbissen weiter, in der Hoffnung, dass es eines Tages schon gut werden würde.

Sie wurde aus dem Wohnzimmer verbannt und musste bei geschlossener Tür in ihrem eigenen Zimmer üben. Aber da Sebastians Zimmer daran angrenzte, bekam er jeden schrägen Ton in voller Lautstärke ab. Er war ein hoch aufgeschossener Vierzehnjähriger, der seine Schwester bestenfalls als nervtötend empfand. Und ihr Spiel machte ihn rasend.

An diesem Abend waren die Töne, die sie mit ihrer Geige produzierte, wirklich nicht zum Aushalten. Man konnte unmöglich sagen, ob sie sauber spielte oder nicht, denn wenn sie mit dem Bogen hin und her strich, kratzte und rutschte er über die Saiten, dass es fürchterlich schrill klang.

"Lizzie", das war die Stimme ihrer Mutter unten vom Treppenabsatz. "Kannst du bitte leiser spielen?"

"Ich versuche, meine Hausaufgaben zu machen", schrie Sebastian.

"Ich muss üben", konterte Lizzie und sägte weiter mit ihrem Bogen auf und ab. "Ich habe morgen Unterricht."

Ihre Mutter seufzte hilflos. "Meinetwegen, noch fünf Minuten."

Fünf Minute

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