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Der Prinz und der Bottelknabe oder Erzähl mir vom Dow Jones von Boie, Kirsten (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2014
  • Verlag: Verlag Friedrich Oetinger
eBook (ePUB)
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Der Prinz und der Bottelknabe oder Erzähl mir vom Dow Jones

Sie waren so verschieden, wie zwei Jungen nur sein können, aber äußerlich glichen sie sich wie ein Ei dem anderen: Calvin Prinz, Fabrikantensohn und verwöhntes Einzelkind, und Kevin Bottel, der mit Mutter und drei Geschwistern am Rande des Existenzminimums lebte. Beide waren im Streit von zu Hause abgehauen und streiften ziellos in der Stadt umher, bis sie sich zum ersten Mal begegneten. Nun kommt es ja nicht alle Tage vor, dass man plötzlich sich selbst gegenübersteht, aber nachdem der erste Schock überwunden war, fanden die Jungen Gefallen an ihrer Situation und beschlossen, die Gunst der Stunde zu nutzen. Kevin Bottel führ als Calvin Prinz in das vornehme Hamburger Villenviertel an der Elbe, Calvin Prinz in eine heruntergekommene Gegend am anderen Ende der Stadt. Was wie ein Spaß begann, wurde mehr als das, denn alle - Lehrer und Mitschüler eingeschlossen - fielen auf den Schwindel herein. Und mal ehrlich: Wäre nicht tatsächlich Kevin der bessere Prinz geworden und Calvin der bessere Bottel?

Kirsten Boie ist eine der renommiertesten, erfolgreichsten und vielseitigsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie wurde 1950 in Hamburg geboren, machte dort ihr Abitur und studierte Germanistik und Anglistik. Zwei Semester besuchte sie, gefördert durch ein Auslandsstipendium der Hamburger Universität, die Universität Southampton/Großbritannien. Nach dem ersten Staatsexamen in den Fächern Deutsch und Englisch promovierte sie im Fach Literaturwissenschaft über die frühe Prosa Bertolt Brechts. Sie arbeitete als Lehrerin in einem Gymnasium, wechselte auf eigenen Wunsch später an eine Gesamtschule. 1983 adoptierte sie mit ihrem Mann ihr erstes Kind. Auf Verlagen des vermittelnden Jugendamtes musste sie ihre Berufstätigkeit aufgeben, um sich ganz dem Kind widmen zu können. In dieser Zeit schrieb sie, inspiriert durch die eigene Situation, ihr erstes Kinderbuch mit dem Titel 'Paule ist ein Glücksgriff'. Ihr Debüt wurde ein beispielloser Erfolg ((Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis, Buch des Monats der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach; Ehrenliste des Österreichischen Staatspreises für Kinder- und Jugendliteratur). Und Kirsten Boie selbst erwies sich als Glücksfall für die deutsche Kinder- und Jugendliteratur. Inzwischen sind von Kirsten Boie weit mehr als hundert Bücher erschienen und in zahlreiche Sprachen übersetzt worden, Bücher, die keinen Zweifel daran lassen, dass die Autorin auf Seiten der Kinder steht. Dass sie dabei auch die Erwachsenen nicht vergisst, macht ihre Figuren so wahrhaftig und sympathisch, ihre Bücher so liebens- und lesenswert. Neben Kinder- und Jugendbüchern schreibt Kirsten Boie auch kleinere Drehbücher fürs Kinderfernsehen, außerdem Vorträge und Aufsätze zu verschiedenen Aspekten der Kinder- und Jugendliteratur. In den letzten Jahren unternimmt Sie zunehmend Reisen ins europäische und nichteuropäische Ausland im Auftrag des Goethe-Institutes. 2007 wurde sie für ihr Gesamtwerk mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet. Kirsten Boie lebt mit ihrem Mann im Einzugsbereich von Hamburg. Zwei Dinge sind Kirsten Boie beim Schreiben besonders wichtig: Zum einen, dass Literatur für Kinder immer auch Literatur sein sollte; zum anderen, dass darüber nicht vergessen wird, an wen sie sich richtet, dass sie also Literatur für Kinder ist: 'Bei dem Spagat zwischen beiden Anforderungen rutsche ich sicherlich einmal mehr zur einen, einmal zur anderen Seite hin aus. Aber hier die richtige Balance zu suchen, ist es gerade, was das Schreiben für Kinder für mich so aufregend macht.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 16.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862740949
    Verlag: Verlag Friedrich Oetinger
    Größe: 1134 kBytes
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Der Prinz und der Bottelknabe oder Erzähl mir vom Dow Jones

CALVIN

Kein Mensch wird mir diese Geschichte glauben, das ist schon klar. Wenn ich ehrlich bin, würde ich das ja selber nicht. Wenn sie mir nicht passiert wäre, mir, Calvin Prinz.

Ich meine, ich bin eigentlich eher so ein nüchterner, vernünftiger Typ, nichts mit Esoterik und Pendeln und wer weiß, ob auf dem Mars nicht doch kleine grüne Männchen leben . Da läuft mir ja direkt ein Schauder über den Rücken bei solchem Gerede.

Andererseits passieren natürlich schon manchmal Sachen, die eher unwahrscheinlich sind, das muss jeder zugeben. Achtlinge werden geboren und grauhaarige Männer segeln allein im Einbaum von Amsterdam nach Feuerland; und was alles im Guinnessbuch der Rekorde steht, will ich hier gar nicht erwähnen. Das sind doch auch alles Dinge, mit denen man nicht direkt rechnet.

Ich bin also an diesem Nachmittag schon mit schlechter Laune nach Hause gekommen. In der Mathearbeit hatte ich eine Fünf geschrieben und damit bestand für die Versetzung eigentlich kaum noch eine Chance. Das Wetter war so grässlich, dass niemand geglaubt hätte, dass es nach dem Kalender demnächst Sommeranfang sein würde, und mir grauste vor dem Hockeytraining um fünf. Die Voraussetzungen waren also schon mal schlecht. An solchen Tagen kommt ja meistens vieles zusammen.

Als ich über die Terrasse ins Haus ging, war Momma noch nicht da, aber im oberen Stockwerk saugte Margareta, unsere polnische Putzfrau, gerade den Flur. Auf dem Monitor meines letzten PC s klebte einer dieser Post-it -Zettel und teilte mir mit, dass Momma noch bei der Fitness war. Um das Essen würde Margareta sich kümmern.

Ich hatte nichts dagegen. Wenigstens musste ich dann nicht sofort meine Fünf beichten und Mommas Gejammer ertragen. Bei jeder schlechten Klassenarbeit prophezeite sie mir eine Zukunft unter der Brücke, und wenn ich dann den Mut aufbrachte, zu sagen, dass ich doch sowieso später die Firma übernehmen würde, mit oder ohne Abitur, brach sie erst recht zusammen. Weil die Firma nämlich die nächsten Jahrzehnte offenbar nur mit einem Chef überstehen würde, der mindestens Betriebswirtschaftslehre studiert hatte, und um zu studieren, braucht man Abitur, und das schenkt einem nun mal keiner, wenn man ständig Fünfen schreibt.

Dabei glaubte ich übrigens ganz bestimmt, dass es Momma in Wirklichkeit mehr darum ging, bei ihren Golf- und Tennisfreundinnen nicht beichten zu müssen, dass ihr Einziger sitzen geblieben war. Die hatten nämlich alle ganz reizende Kinder, die in der Malschule Preise gewannen und Halbprofis auf der Violine waren, und an Sitzenbleiben war bei denen natürlich schon gar nicht zu denken. Überhaupt waren diese Damen alle ziemliche Lügenbeutel, wenn mich einer fragt. In der Diele drehte sich der Schlüssel im Schloss.

"Halloooo, halloooo?", rief Daddo mit dieser fröhlichen Stimme, die er immer hat, wenn er einige Tage nicht zu Hause war. "Keiner da?"

Oben saugte Margareta unerschütterlich weiter. Sie war schließlich nicht gemeint.

Ich steckte den Kopf durch die Esszimmertür. "Hi", sagte ich.

"Der Sohn!", sagte Daddo, und einen Augenblick sah es so aus, als ob er die Arme ausbreiten wollte, damit ich mich hineinstürzen konnte. So hatten wir es nämlich früher immer gemacht, wenn Daddo von seinen Reisen zurückgekommen war. Er hatte die Arme ausgebreitet und ich hatte mich hineingestürzt; und Daddo hatte mich aufgefangen und noch im Schwung begonnen sich mit mir zu drehen, dass meine Beine vom Boden abhoben und wie Windmühlenflügel über den Marmorboden schwebten. Erst danach packte er dann die Geschenke aus

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