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Der verschwundene Unsichtbarkeitsanzug von Rubin, Sarah (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.09.2016
  • Verlag: Carlsen Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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Der verschwundene Unsichtbarkeitsanzug

Wissenschaftler samt Unsichtbarkeitsanzug verschwunden! Das ist die Nachricht des Sommers. Und ausgerechnet Alice, die ihre Ferien lieber mit Matheaufgaben und Kreuzworträtseln verbracht hätte, soll den Fall lösen. Darauf hat sie so gar keine Lust. Dass auch noch Nervensäge Sammy und Klassenclown Kevin helfen wollen, macht es nicht besser. Doch dann entdeckt Alice erste Hinweise - und ihre Neugier ist geweckt ... Mit Charme, Witz und Herz. Sarah Rubin ist auf einer Insel vor der Küste Maines aufgewachsen, wo sie den Großteil ihrer Kindheit damit verbrachte, sich zu verkleiden, zu lesen oder zu versuchen sich in den Wäldern zu verlaufen. Mit sieben Jahren lernte sie Ballett, später dann Stepptanz, Swing und Irish Dance. Sarah studierte Kreatives Schreiben und Geschichte in New York. Anschließend unterrichtete sie ein Jahr lang Tanz und Drama und lebt heute als Schriftstellerin in England.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 29.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646928594
    Verlag: Carlsen Verlag GmbH
    Größe: 1684 kBytes
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Der verschwundene Unsichtbarkeitsanzug

Eins

Ich arbeitete gerade an meinen Berechnungen zur Goldbachschen Vermutung, aber ich kam nicht weit. Vielleicht, weil schon die besten Mathematikerinnen und Mathematiker des zwanzigsten Jahrhunderts daran gescheitert waren. Vielleicht aber auch, weil von der Seite ein Hagel von Spuckekügelchen auf mich einprasselte und mich vom Denken abhielt.

"Muss das sein?" Ich warf einen wütenden Blick über den Gang.

Kevin Jordan grinste, Strohhalm im Mundwinkel. "Was denn?", fragte er mit Unschuldsmiene.

"Das weißt du genau."

"Nein, keine Ahnung."

Ich hätte an diesem Morgen einfach im Bett bleiben sollen. Kevin Jordans Gesicht war das eines Engels, wie Michelangelo sie in die Sixtinische Kapelle gemalt hat, aber er hatte einen Charakter wie Fußpilz.

Ich holte tief Luft und zählte innerlich Primzahlen, bis sich der Drang legte, ihm den Bleistift ins Gesicht zu bohren. Ich kam bis 101 .

Mrs Wright hatte Kevin neben mich gesetzt, damit mein guter Einfluss auf ihn überging. Als würden gute Noten abfärben. Doch leider hatte sich Kevin das ganze Schuljahr der Aufgabe gewidmet, so dumm zu bleiben, wie er war. Und nach hundertachtzig Tagen mentaler Folter hatte ich die Nase gestrichen voll.

Ich war fest entschlossen Kevin zu ignorieren und bei einer mathematischen Theorie voranzukommen, die die Menschen seit dem Jahr 1742 beweisen wollten. Warum? Ich liebe die Herausforderung.

Kevin schoss noch einmal, aber ich reagierte nicht und so nahm er ein Mädchentrio in der letzten Bank ins Visier. Er legte den Kopf in den Nacken und berechnete die benötigte Kraft und die Flugbahn, der die Papiergeschosse bis zu ihrem Ziel in der fünften Bankreihe folgen mussten.

Dann blies er.

Für jemanden, der in Mathe nur Fünfen schrieb, hatte er erstaunlich wenige Probleme mit der praktischen Anwendung von Parabeln. In der letzten Reihe ertönte Quieken und Kreischen, als es Spuckekügelchen regnete. Kevin musste mindestens ein Dutzend in den Strohhalm geladen haben.

"Kevin Jordan." Mrs Wright kam hinter ihrem Pult hervor. Ihr krauses Haar stand in der feuchten Hitze in alle Richtungen ab, wodurch sie noch verrückter aussah als sonst.

Kevin lächelte engelsgleich. Man konnte über seinen blonden Locken fast einen Heiligenschein aufleuchten sehen. Doch Mrs Wright war immun gegen seinen Charme.

"Du kennst das ja." Sie zeigte zur Tür.

Mrs Wright sah ihm hinterher, als er aus dem Klassenraum schlenderte, auf dem Weg zur Bank vor dem Zimmer der Rektorin. Wenn er den Abschluss machte ( falls er den Abschluss machte), sollten sie ihm zu Ehren eine Messingplakette an der Bank anbringen. Nachdem die Tür zugefallen war, wanderte Mrs Wrights Blick zu mir. Sie schüttelte enttäuscht den Kopf, als wäre Kevin Jordans Spuckekugel-Geballer irgendwie meine Schuld. Ich biss mir auf die Zunge und konzentrierte mich wieder auf meine Gleichung.

Doch ich kam nicht weit.

Diesmal lag ein perfekt gefaltetes Dreieck aus blau liniertem Papier auf meinem Heft. Ich sah mich um. Eigentlich gehöre ich nicht zu den Mädchen, denen die Leute Briefchen schreiben.

Zwei Tische weiter hinten und einen nach links winkte mir Sammy Delgado junior zu. Sammy war ein schmächtiger Junge mit dunklem Haar und den passenden Ringen unter den Augen. Bis vor Weihnachten hatten Sammy und ich noch nie ein Wort gewechselt. Ich bin eher eine Einzelgängerin. Doch ich hatte einen gewissen Ruf an unserer Schule: Ich war die Richtige, wenn es um Rätsel ging, die gelöst werden mussten. Und als Sammy ein Problem hatte, bei dem er nicht weiterkam, wandte er sich eben an mich.

Rätsel sind eigentlich auch nur Textaufgaben. Manche sind leicht, manche kompliziert, aber sie laufen immer nach dem gleichen Schema ab. Du suchst nach der Antwort auf eine Frage und es schwirren jede Menge Informationen herum. Das Schwierige ist, aus de

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