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Die andere Anna von Kooij, Rachel van (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.05.2014
  • Verlag: Verlag Jungbrunnen
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Die andere Anna

Anna und Tamara wachsen bei Pflegeeltern auf. Das funktioniert gut, bis Tamara mehr über ihre Herkunft und ihre leiblichen Eltern erfahren möchte. Die Pflegeeltern antworten ausweichen. Und die Mappen, in denen die Unterlagen der beiden Mädchen aufbewahrt werden, bleiben versperrt in einer Schublade. Auch Anna wird hellhörig - wer ist diese andere Frau, diese Mutter, die sie als Kind weggegeben hat? Und wer war diese andere Anna, an die sie sich kaum mehr erinnern kann? Langsam beginnt sie, die Puzzleteilchen zusammenzusetzen, bis sich ein immer klareres Bild ergibt: Einer sehr jungen alleinerziehenden Mutter wurde ihr Kind vom Jugendamt abgenommen und obwohl sie lange darum kämpfte, bekam sie es nicht mehr zurück. Rachel van Kooij wurde 1968 in Wageningen in den Niederlanden geboren. Im Alter von zehn Jahren übersiedelte sie nach Österreich. Nach der Matura studierte sie Pädagogik und Heil- und Sonderpädagogik an der Universität Wien. Rachel van Kooij lebt in Klosterneuburg und arbeitet als Behindertenbetreuerin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 182
    Erscheinungsdatum: 07.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783702658656
    Verlag: Verlag Jungbrunnen
    Größe: 2778 kBytes
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Die andere Anna

Teil 1

Petra

1.

Als Anna in der Früh aufwachte, kroch sie unter der Decke hervor und ließ sich aus dem Kinderbett gleiten. Sie tappte im dämmrigen Licht über den Teppichboden zum großen Bett ihrer Mutter. Es war längst nicht so einfach, in ein Bett hineinzuklettern wie heraus, und es dauerte geraume Zeit, bis Anna es geschafft hatte, auch ihren Windelpopo und die Beine auf die Matratze zu hieven. Dann robbte sie erwartungsvoll unter das dunkle Deckengebirge, um zu dem weichen, warmen Körper zu gelangen. Aber heute Früh fehlte ihre Mama. Das Bett unter der Decke war leer. Anna strampelte die Decke weg und richtete sich auf.

"Mama, Mama!", rief sie halb zornig, halb ängstlich.

Sofort wurden Schritte hörbar und die Tür ging auf. Licht flutete über das Doppelbett. Anna krabbelte über die Matratze.

"Mama weg", sagte sie vorwurfsvoll.

Petra musste trotz allem, wovor sie an diesem Tag Angst hatte, schmunzeln.

"Soll ich wieder gehen?", fragte sie.

"Nein, nein!", krähte Anna und streckte ihre Arme aus.

Petra hob sie hoch.

"Du wirst immer schwerer", sagte sie, "und größer. Bald bist du ein Riese."

Sie gab Anna einen Kuss.

Als Anna im Wohnzimmer sah, dass ihre Mutter schon gefrühstückt hatte, runzelte sie die Stirn, aber Petra hob sie hoch, setzte sie auf den Sessel und rückte diesen an den Esstisch heran.

"Komm, iss. Wir müssen heute Früh noch etwas erledigen", erklärte Petra. "Einen Ausflug", fügte sie bemüht fröhlich hinzu. Anna lachte. Ausflüge führten in der Regel zum Spielplatz oder, wenn sie die U-Bahn nahmen, zu Oma und Opa.

Sie rutschte wieder vom Sessel hinunter und rannte zur Garderobe, wo ihre Jacke hing. Sie zerrte an den Ärmeln.

"Nein, nein", rief Petra. "Nicht gleich. Du musst zuerst etwas essen."

Sie setzte Anna erneut auf den Sessel und gab ihr die Semmelhälfte in die Hand.

Anna nahm bereitwillig einen Bissen. Sie mochte Ausflüge.

Petra schaute auf die Uhr. Die Zeit lief ihr davon. Heute durfte sie unter keinen Umständen zu spät kommen.

"Iss ein bisschen schneller. Wir müssen auch noch baden und die Haare waschen", forderte sie Anna auf.

Anna verzog das Gesicht und fing an zu trödeln. Mit den Zähnen biss sie nur mehr winzige Stückchen von der Semmel ab, und mit der Zunge schob sie die Bröckchen im Mund hin und her, bis sie sich in einen matschigen Speichelbrei verwandelt hatten.

Petra redete Anna gut zu, versuchte sie zu füttern, aber Anna verschloss bockig den Mund.

"Dann hast du keinen Hunger." Petra verlor schließlich die Geduld.

"Semmel!", rief Anna, als ihr der Teller weggenommen wurde, und spuckte dabei Semmelklumpen auf den Tisch. "Haben!"

Petra trug den Teller in die Küche. Anna rannte hinter ihr her.

"Haben!", rief sie nochmals. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und versuchte, die Anrichte zu erreichen.

"Nein! Jetzt wird gebadet", sagte Petra strenger als sie wollte. Es war höchste Zeit.

Anna fing an zu weinen.

"Es muss heute sein", sagte Petra und zog ihr den Pyjama aus.

Anna brüllte, als Petra sie in die Dusche stellte. Sie brüllte, während sich der warme Wasserstrahl über ihren Körper verteilte. Sie schrie noch lauter, als ihre Haare nass wurden. Sie versuchte sich zu wehren, aber Petras Griff war fest.

"Nein, Mama, nein, nein!",

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