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Die blauen und die grauen Tage von Feth, Monika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.07.2014
  • Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
eBook (ePUB)
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Die blauen und die grauen Tage

Der Kinderbuch-Klassiker zum Thema Demenzerkrankung!

Voller Ungeduld hat Evi auf diesen Tag gewartet. Heute wird ihre geliebte Oma ins Haus der Familie einziehen. Evis ältere Schwester Vera ist von der neuen Familienperspektive weniger begeistert. Die Vorstellung, ihr Leben umkrempeln zu müssen, um mit einer alten, dazu noch verwirrten Frau zusammenzuleben, ist ein Horror für sie. Als Oma endlich da ist, kann Evi überhaupt nicht verstehen, warum sie "verwirrt" sein soll. Oma ist der gute Geist des Hauses. Seit sie sich um den Haushalt kümmert, ist alles viel schöner, gemütlicher und freundlicher geworden. Aber eines Abends ist es soweit: Oma ist plötzlich verschwunden. Bei der nächtlichen Suchaktion findet Evi sie verloren und in sich zusammengekauert in der Bahnhofshalle. Am nächsten Tag kann Oma sich an nichts mehr erinnern ...

Monika Feth wurde 1951 in Hagen geboren, arbeitete nach ihrem literaturwissenschaftlichen Studium zunächst als Journalistin und begann dann, Bücher zu verfassen. Heute lebt sie in der Nähe von Köln, wo sie vielfach ausgezeichnete Bücher für Leser aller Altersgruppen schreibt.
Der sensationelle Erfolg der 'Erdbeerpflücker'-Thriller machte sie weit über die Grenzen des Jugendbuchs hinaus bekannt. Ihre Bücher wurden in mehr als 24 Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 21.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641149871
    Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
    Größe: 457kBytes
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Die blauen und die grauen Tage

1

Sie waren immer noch nicht da. Still und irgendwie feierlich lag die Straße im Nachmittagslicht. Die Kelche der Tulpen in den Vorgärten waren weit geöffnet, Ginster und Rhododendron standen in voller Blüte, Vergissmeinnicht wuchs in dichten Büscheln. In den Gärten krakeelten die Vögel, im Blau darüber bauschten sich Wolken, alles war für Omas Ankunft bereit. Evi schloss die Haustür. Sie schlenderte ins Wohnzimmer zurück, ließ sich in einen Sessel fallen und stöhnte vor sich hin.

Vera sah von ihrem Tagebuch auf und stieß gereizt den Atem aus. "Bitte, Evi! Schneid dir die Fingernägel, wasch dir die Haare, mach Kopfstand, geh spazieren oder rüber zu Tom. Tu irgendwas ! Aber hör auf mit diesem nervenden Herumgetigere und Gestöhne. Wie soll man sich denn da konzentrieren?"

Evi stöhnte noch einmal, jetzt erst recht. Dieses blöde Tagebuch! Vera war regelrecht süchtig danach. In jeder freien Minute kritzelte sie darin herum. Wenn sie ausnahmsweise mal nicht damit beschäftigt war, lag es unter ihrer Wäsche in der Kommode versteckt. Als wäre das noch für irgendwen ein Geheimnis! Wahrscheinlich stand auch eine Menge über Oma darin. Vera hatte sich bis zuletzt erbittert dagegen gewehrt, sie aufzunehmen. Die Vorstellung, ihr Leben umkrempeln zu müssen, um mit einer alten, dazu noch verwirrten Frau zusammenzuleben, war ein Horror für sie. Aber die Eltern hatten sich durchgesetzt.

Evi stöhnte ein letztes Mal laut und vernehmlich, stand auf und ging in die Küche. Diese Warterei machte sie fertig.

"Wo ist Vera?", fragte die Mutter. Sie schüttete Kirschen aus einem Einweckglas in ein Sieb, um sie abtropfen zu lassen.

"Im Wohnzimmer", sagte Evi. "Sie schreibt mal wieder."

"Sag ihr, sie soll den Tisch decken." Die Mutter steckte sich eine Kirsche in den Mund und leckte den Saft von den Fingern. "Und du könntest die Sahne schlagen." Sie öffnete die Kühlschranktür, zog einen Sahnebecher heraus und drückte ihn Evi in die Hand. Er war eiskalt. Die Härchen an Evis Armen richteten sich auf.

"Tischdecken!", brüllte sie und begann nach dem Rührgerät zu suchen. Nichts in diesem Haushalt war da, wo es hingehörte. Die Eltern verbrachten zu wenig Zeit zu Hause, um auch nur eine Stunde davon an so unwesentliche Dinge wie Ordnung zu verschwenden.

Veras Gesicht zeigte deutlich, dass sie die Aufforderung, den Tisch zu decken, für eine Zumutung hielt. Sie wollte Schriftstellerin werden und hatte Besseres zu tun. "Das gute Geschirr?", fragte sie lahm.

"Natürlich." Die Mutter nahm sich noch eine Kirsche. "Heute ist doch ein besonderer Tag."

Wortlos hob Vera das Blümchengeschirr aus dem Schrank. Evi hatte das Rührgerät inzwischen im Vorratsschrank entdeckt, wo es zwischen leeren Eierkartons und dem Bügeleisen ein ziemlich ereignisloses Leben fristete. Sie schlug die Sahne, füllte sie in eine Schale und steckte einen Löffel hinein. Im Wohnzimmer schepperte es.

"Vera! Sei doch vorsichtig!" Die Mutter streifte die Topflappenhandschuhe über, öffnete den Backofen und zog den duftenden, dampfenden Tortenboden heraus.

Evi trug die Sahneschale zum Esstisch ins Wohnzimmer. Vera saß auf dem Sofa, wieder über ihr Tagebuch gebeugt. Evi öffnete die Terrassentür und ging in den Garten hinaus.

Jasper lag auf dem blauen Mooskissen und drückte die Blüten platt. Er begrüßte Evi mit einem gurrenden Laut und drehte sich träge auf den Rücken. Evi hockte sich neben ihn und kraulte ihm den Bauch. Jasper schloss

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