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Die Judas-Papiere von Schröder, Rainer M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2012
  • Verlag: Arena Verlag
eBook (ePUB)
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Die Judas-Papiere

Ein kleines, ledergebundenes Notizbuch, das eines der wichtigsten Geheimnisse des christlichen Abendlandes birgt. Ein machtvoller Geheimbund, der seit Jahrhunderten nur zu einem Zweck existiert. Eine junge Frau, deren Träume im Verborgenen bleiben. Und drei tollkühne Abenteurer im atemberaubenden Wettlauf um ein seit fast 2000 Jahren verschollenes Schriftstück: das Evangelium des Judas.

Rainer M. Schröder, 1951 in Rostock geboren, in Ostberlin aufgewachsen und mit seiner Familie kurz vor dem Bau der Mauer in den Westen geflohen, absolvierte parallel zum Abitur eine dreijährige Operngesangsausbildung in Düsseldorf. Nach zwei Jahren bei der Luftwaffe und Tätigkeit als Lokalreporter bei einer Düsseldorfer Tageszeitung studierte Rainer M. Schröder Jura sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Köln. Kurze Gastspiele als Autor für das Stadttheater in Nürnberg und als Verlagslektor folgten. Seit 1977 arbeitet er als freischaffender Schriftsteller. Nach ersten Bucherfolgen ließ sich Rainer M. Schröder 1980 mit seiner Frau Helga in den USA nieder und verbrachte die nächsten Jahre auf seiner Farm in der Halbwildnis von Süd-Virginia am Smith Mountain Lake als Autor und Hobbyfarmer. Von dort führten ihn zahlreiche Abenteuerreisen in viele Teile der Welt. Heute zählt Rainer M. Schröder zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern von Jugendbüchern sowie historischen Gesellschaftsromanen für Erwachsene. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet - unter anderem im Oktober 2005 mit dem 'Buxtehuder Bullen'. Das Ehepaar Schröder lebt in Woodstock, Georgia, USA.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 616
    Erscheinungsdatum: 01.07.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783401800967
    Verlag: Arena Verlag
    Größe: 5482kBytes
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Die Judas-Papiere

1

Ü ber den Dächern Londons waberte der rußerfüllte Rauch, den Hunderttausende Schornsteine in den Himmel spuckten. Erdrü ckend tief und wie ein dreckiger Putzlappen hing die Wolkendecke über der Stadt. Der kraftlose Nordostwind war dem Qualm der Koh lenfeuer, der aus dem Meer ziegelbrauner Kamine quoll, nicht ge wachsen und konnte nur wenig davon mit sich forttragen. Der meis te Rauch hielt sich beharrlich über den Dächern und trieb durch die Häuserschluchten. Geduldig wartete er, dass sich über den dunklen Fluten der Themse der Abendnebel sammelte und in die Stadt wall te. Und wenn diese Stunde gekommen war, verband sich der rußig gelbe Kaminrauch mit dem milchig grauen Dunst zu jener gefürchte ten Londoner Nebelsuppe, in welcher selbst alteingesessene Bürger in ihrem vertrauten Wohnviertel die Orientierung verloren und zu furchtsam Herumirrenden wurden und in deren Schutz ruchlose Ver brecher wie etwa der vielfache Dirnenmörder "Jack the Ripper" den Häschern der Polizei immer wieder entkommen konnten.

An diesem nasskalten letzten Oktobertag des Jahres 1899 fiel der verfluchte Nebel ungewöhnlich früh am Tag in London ein. Die ersten dichten Schwaden krochen schon wie die Vorhut einer siegessicheren Geisterarmee die Themse stromaufwärts, wogten über die weite Flussschleife bei der Isle of Dogs und griffen nach den Überseekais der Docklands östlich vom Tower, als die schwere Glocke im Uhrturm von Big Ben erst zur vollen dritten Nachmittagsstunde schlug.

Zur selben Zeit, als sich der dritte Glockenschlag der Turmuhr am Ufer der Themse gegen die lärmende Geschäftigkeit der Innenstadt zu behaupten versuchte, erfuhr der junge Privatgelehrte Byron Bourke in der Anwaltskanzlei von Fitzroy, Bartlett & Sons, die auf der Fleet Street in einem schmalbrüstigen Haus einige lichtarme Räume auf der Hinterhofseite einnahm und schon bessere Tage gesehen hatte, dass er ruiniert war.

"Seien Sie versichert, Sir, dass es mich überaus schmerzt, Sie von dieser wenig erfreulichen Entwicklung Ihrer Investition in Kenntnis setzen zu müssen, Mister Bourke", beteuerte James Fitzroy.

Doch von dem angeblich tief empfundenen Schmerz fand sich we der in der Stimme noch in der Miene des glatzköpfigen Anwalts auch nur die geringste Spur. Trocken und unpersönlich kamen ihm die Worte über die Lippen. Und genauso steif, wie der hohe Hemdkra gen mit der abgescheuerten Oberkante seinen speckigen Hals um schloss, saß er auch hinter seinem Schreibtisch.

Mit seinen gut sechzig Jahren kam James Fitzroy fast an das Alter des Mobiliars heran, das ihn in seinem Büro und in den anderen Räu men der Kanzlei schon seit Jahrzehnten umgab. Als junger Rechtsan walt, der den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, hatte er diese Möbelstücke aus der Auflösung einer alten, ähnlich unbedeutenden Hinterhofkanzlei erstanden. Es war daher nicht verwunderlich, dass das Gaslicht in seiner milchtrüben Glaskugel an der Wand gerade mal mit halb aufgedrehter Flamme brannte und nur einen gnädig schwachen Schein auf die abgewetzten grünledernen Polstersessel, den fadenscheinigen Perserteppich und den alten Kolonialschreib tisch mit den längst stumpf gewordenen Messingbeschlägen warf.

Das Kanzleischild Fitzroy, Bartlett & Sons Attorneys at Law, das un

ten an der Hauswand neben dem Tor zum Treppenaufgang hing, ge hörte auch noch zu jener Zeit, als die Geschäfte besser gelaufen wa ren und es Hoffnung auf einen baldigen Umzug in repräsentativere Räume gegeben hatte. Aber während jener Bartlett, für den das Schild noch immer Werbung machte, die Kanzlei schon vor etlichen Jahren verlassen und

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