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Die Kurzhosengang und das Testament der Brüder von Drvenkar, Zoran (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2018
  • Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
eBook (ePUB)
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Die Kurzhosengang und das Testament der Brüder

Die Kurzhosengang ist zurück Eine Geschichte aus den verschollenen Archiven der Zeit. Ein Abenteuer, das unter den Teppich gekehrt werden sollte. Nichts ist, wie es scheint, alles ist, wie es sein sollte. Nach dem tragischen Tod der Brüder Karamasow macht sich ein Notar auf den Weg nach Okkerville, um das Testament der Brüder zu verlesen. Sein Besuch hat Auswirkungen, die eine ganze Stadt in Tiefschlaf versetzen und unsere Helden in ihr nächstes Abenteuer katapultieren. Pack deinen Rucksack und komm mit auf eine Reise, auf der sich die Grenzen von Raum und Zeit auflösen werden. Sei bereit, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als ein Ganzes zu sehen. Und was du auch tust, habe Vertrauen, denn Snickers, Island, Rudolpho und Zement sind an deiner Seite und denken keine Sekunde daran, dich aus den Augen zu verlieren. Zoran Drvenkar wurde 1967 in Kroatien geboren und zog als Dreijähriger mit seinen Eltern nach Berlin. Seit über 20 Jahren arbeitet er als freier Schriftsteller und schreibt Romane, Gedichte und Theaterstücke über Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Zoran wurde für seine Bücher mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und lebt heute in der Nähe von Berlin in einer ehemaligen Kornmühle.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 22.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641230142
    Verlag: cbj Kinder- & Jugendbücher
    Größe: 4004 kBytes
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Die Kurzhosengang und das Testament der Brüder

SNICKERS

Die Standuhr tickte und tickte. Es klang, als wäre die Zeit ein Blinder, der sich mit einem Stock in den neuen Tag hineintastet. Es war zehn Uhr früh, die schlimmste Woche unseres Lebens lag hinter uns, und wir ahnten nicht, dass es noch schlimmer werden würde. Alles wirkte so unschuldig da draußen - Schneeflocken fielen träge auf unsere Stadt herab und ein paar Autos fuhren im Schritttempo um den Mulberry Circle herum, während sich der Tag anfühlte, als wäre er in Watte gepackt.

Und die Kurzhosengang saß in einem stickigen Büro und wartete.

Es gibt ja Warten und Warten. Das hier war die finstere Seite des Wartens. Wo man nichts tun kann und die Zeit mit schlurfenden Schritten an einem vorbeitickt. Da werden zehn Minuten zu zehn Stunden zu zehn Jahren. Ganz besonders, wenn man auch noch auf unbequemen Klappstühlen sitzt.

Ich gähnte.

Island gähnte.

Rudolpho gähnte.

Zement schlief schon längst.

"Ich wünschte, unsere Schule wäre schon fertig gebaut", sagte Rudolpho.

"Nein, wünschst du dir nicht", widersprach ihm Island.

"Wünsch ich mir doch, denn dann könnte ich in unserem neuen Klassenzimmer sitzen und meinen Kopf auf den Tisch legen und einfach wegratzen. Es wäre auf jeden Fall bequemer, als hier zu warten."

"Mach es doch wie Zement", sagte ich.

Unser Kumpel saß vollkommen entspannt auf dem Klappstuhl und hatte die Augen geschlossen. Er brauchte keinen Tisch, er brauchte kein Bett, er war die Entspannung pur. Nur der Buddha in Lei Toos Bakery war so lässig, was aber in seiner Natur lag, denn er war gerade mal dreißig Zentimeter groß und aus grünem Jade gehauen.

"Zement hat es gut", sagte Rudolpho und seufzte.

"Zement hat es immer gut", stimmte ich ihm zu.

Island hatte plötzlich einen Geistesblitz.

"Stellt euch vor, sie bauen die Schule nie wieder auf, das wäre doch was, dann würden die Lehrer streiken und wir müssten sie nicht mehr zu Hause besuchen, dann könnten wir auch streiken und den ganzen Tag einfach nur wir sein, ohne dass uns jemand fragt, wie groß der Ontariosee ist oder wie der erste Bürgermeister von Ottawa hieß."

"Das ist doch Quatsch", sagte ich und klang dabei wie ein Opa, der kurz vor dem neunzigsten Geburtstag steht. "Jede Stadt braucht eine Schule."

Island beugte sich an Rudolpho vorbei.

"Gratuliere, du klingst wie ein Opa, der kurz vor seinem neunzigsten Geburtstag steht."

"Genau das habe ich auch gedacht", sagte ich und schüttelte ihm die Hand.

Wir hatten keine Schule mehr, weil unsere Schule Anfang Januar von einem Orkan davongetragen worden war. Jetzt hatten wir Ende Februar und wurden bei unseren Lehrern zu Hause unterrichtet, während auf dem Hügel eine neue Schule gebaut wurde. Am schlimmsten war es, wenn wir zu Sportlehrer Kniescheibe mussten. Er erwartete uns vor seinem Haus in einem knallgelben Trainingsanzug und ließ uns im kniehohen Schnee Bahnen durch Okkerville laufen. Dabei schaute er kritisch auf seine Stoppuhr, und wann immer uns die Puste ausging, brüllte er uns zu:

"WAS TUT IHR? GLAUBT IHR, EIN MANN WIRD EIN MANN, INDEM ER NICHT TRAINIERT?! IHR SEID JA EINE BELEIDIGUNG FÜR GANZ KANADA! SO WERDET IHR NIE WAHRE EISHOCKEYSPIELER, SO WERDET IHR PFEIFEN! SEID IHR ETWA SCHON PFEIFEN?!"

Heute hatte niemand Unterricht, und in unserer kleinen Stadt lag die gesamte Arbeit still, weil es ein Trauertag war. Punkt acht Uhr früh hatten wir uns in der Kirche eingefunden, um die Brüder Karamasow zu verabschieden. Kein Schüler und kein Lehrer, kein Bewohner von Okkerville hatte gefehlt. Es gab kaum jemanden, der Alexei und Iwan nicht gemocht hat. Siebzig Jahre lang hatten sie jeden Tag die Flügeltüren ihres Kinos aufgeschlossen und Tickets, Popcorn und Limo verkauft. Sie haben ausgewählte Filme vorgeführt, nach den Vorstellungen das Popcorn vom Boden aufgefegt und die Limo-Flaschen eingesammelt, ehe si

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