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Die Stille meiner Worte von Reed, Ava (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2018
  • Verlag: Ueberreuter
eBook (ePUB)
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Die Stille meiner Worte

Hannah hat ihre Worte verloren. In der Nacht, als ihre Zwillingsschwester Izzy ums Leben kam. Wer soll nun ihre Gedanken weiterdenken, ihre Sätze beenden und ihr Lachen vervollständigen? Niemand kann das. Egal, was Hannahs Eltern versuchen, sie schweigt. Um Izzy nicht loslassen zu müssen, schreibt sie ihr Briefe. Schreibt und verbrennt sie. Immer wieder. Hannah kann der Stille ihrer Worte nicht entkommen. Bis sie Levi trifft, der mit aller Macht versucht herauszufinden, wer sie wirklich ist ... Ava Reed wird schon immer von Büchern begleitet. Das Haus ohne etwas zu lesen verlassen? Unvorstellbar. Schließlich entdeckte sie auch das Schreiben und Bloggen für sich und kann sich nicht vorstellen, je wieder damit aufzuhören. Wenn sie nicht gerade wild in die Tasten tippt, geht sie ihrer Arbeit in einem Verlag nach. Ava Reed lebt mit ihrem Freund in Frankfurt am Main.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 09.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783764192143
    Verlag: Ueberreuter
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Die Stille meiner Worte

Kapitel 2 - Hannah

Nicht jedes Ende ist ein neuer Anfang
und nicht jeder Neuanfang
bedeutet das Ende.

Mum und Dad haben gesagt, alles würde anders werden. Sie wollten neu anfangen, nein, sie mussten es, weil sie es sonst nicht ausgehalten hätten. Aber ich denke, sie wissen wie ich, dass es nichts gebracht hat. Dass alles eine große Lüge war - dass es das noch ist. Es wird mir richtig klar, als wir das erste Mal zusammen zu Abend essen. Genau jetzt. An diesem neuen Ort, in diesem neuen Haus. Es gibt Lasagne. Izzys Lieblingsessen. Und genau da liegt das Problem: Izzy ist fort und doch immer noch hier und wir werden nicht weit und schnell genug rennen können, um das zu vergessen.

Izzys Geschichte ist geschrieben und sie kann nicht gelöscht werden. Sie steckt tief in uns und jede Erinnerung, jeder Moment ist eingebrannt, jedes Wort und jedes Lachen wurde gehört, jeder Streit gespeichert, jede Träne geteilt und jede Angst. Als Izzy da war, war mein Leben wie eine Fahrradfahrt mit Stützrädern - jetzt muss ich lernen, wie man ohne sie fährt ...

Gedankenverloren stochere ich in den verschiedenen Nudellagen herum, zwischen der Béchamel- und Bolognesesoße. Die letzten Sonnenstrahlen scheinen durch das große Esszimmerfenster. Das Licht spielt mit den Schatten, während ich darum kämpfe, Gabel um Gabel zum Mund zu führen und etwas herunterzuschlucken.

Ich denke an mein neues Zimmer. Alle Kisten sind leer, alles ist eingeräumt. Alles, bis auf diese eine Kerze in dieser einen Kiste.

"Hast du keinen Hunger? Ist etwas nicht okay?" Meine Mutter sieht mich besorgt an und irgendwie beschämt, denn sie weiß, wie blöd diese Frage klingt. Sie ist so einfach, wie sie schwer ist. Natürlich ist nichts okay. Das wird es nie wieder sein. Ich habe einen Teil von mir verloren - und sie? Sie mussten ihr eigenes Kind begraben. Das ist nicht richtig!

Die Gabel entgleitet mir, fällt mir aus der Hand und klirrend auf den Teller. Einzelne Tropfen der Soße landen auf der Tischdecke. Rot beißt sich mit Orange und ich kann meinen Blick nicht abwenden von diesem Gemisch, das nicht zusammenpasst, aber gerade keine andere Wahl hat, als zusammen zu sein.

Es ist so still. Wenn es nur nicht so still wäre.

Ich knete meine schweißnassen Hände, versuche mich zu beruhigen. Eins, zwei, drei , klingt es in meinem Kopf, zählen und atmen - und versuchen zu vergessen.

"Iss schneller! Sonst schnappe ich dir deine Lasagne vor der Nase weg", höre ich Izzy mit vollem Mund sagen. Sie hat einen grässlichen Bolognesesoßenbart und die Wangen vollgestopft wie ein Hamster. Dass sie noch mit vollem Mund kauen kann, gleicht einem Wunder .

"Niemals! Finger weg!" Mein Essen verteidigend beuge ich mich leicht über den Teller und schiebe meinen Arm vor. Und dann grinsen wir. Wir beide. Dabei fällt Izzy ein Stück Lasagne aus dem Mund und landet klatschend auf Mums neuer Decke. Wir prusten los, bis wir kaum noch Luft bekommen, und halten unsere Bäuche vor Lachen .

"Wie wäre es, wenn du dir eine neue Mannschaft suchst?", fragt Dad und reißt mich damit aus meiner Erinnerung. Er sagt es so, als wäre nichts passiert. Als hätte Mum nicht gefragt, ob alles okay wäre, als hätte ich nicht meine Gabel fallen lassen und als wäre alles normal, während er sich ein fettes Stück Lasagne in den Mund schiebt. Meine Mutter sieht ihn dankbar von der gegenüberliegenden Seite an mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Ihre Züge werden erkennbar weicher, die Spannung verschwindet aus ihrem Gesicht.

"Ja, das wäre vielleicht eine gute Idee! Schließlich sind Sommerferien, das Wetter ist perfekt und es sind noch fünf Wochen, bevor die Schule wieder beginnt."

Unmerklich schüttle ich den K

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