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Die Webers, eine deutsche Familie 1932-1945 von Noack, Hans-Georg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.09.2014
  • Verlag: Ravensburger Buchverlag
eBook (ePUB)
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Die Webers, eine deutsche Familie 1932-1945

Voller Sorge verfolgt das Ehepaar Weber den Aufstieg Adolf Hitlers. Der Vater ist Sozialdemokrat und fürchtet die Nationalsozialisten von Anfang an. Denn er rechnet mit dem Schlimmsten: Krieg!
Während Gerd, der jüngste Sohn, das Jungvolk ablehnt, wird Karl-Heinz, der ältere, schon früh ein überzeugter Hitlerjunge. Das macht ihn bald zur Gefahr für Bruder und Eltern.

Dies ist die Geschichte einer Familie. Sie beschreicht 13 Jahre der Existenz der Familie Weber, Episoden aus der deutschen und der europäischen Geschichte.

Hans-Georg Noack wurde am 12. Februar 1926 in Burg bei Magdeburg geboren. Nach dem zweiten Weltkrieg war er als Dolmetscher am Internationalen Jugendinstitut der UNESCO tätig. In dieser Zeit entstanden auch seine ersten Jugendbücher. Von 1959 bis 1973 arbeitete Noack als freischaffender Schriftsteller und Übersetzer. 1973 übernahm er die literarische Leitung des Herrmann-Schaffstein-Verlags in Dortmund. Von 1980 bis 1992 war Hans-Georg Noack Verlagsleiter im Arena-Verlag. Der Schriftsteller Hans-Georg Noack beschäftigte sich in seinen Büchern fast ausschließlich mit zeitgeschichtlichen, politischen und sozialen Fragen und wandte sich dabei immer wieder an den 'jungen Erwachsenen'. Hans-Georg Noack hielt nicht viel davon, seine jungen Leser mit Formexperimenten zu langweilen oder zu verschrecken. Er schrieb bewusst nicht 'für Gymnasiasten'. Hans-Georg Noack hat auch als Übersetzer einen Ruf erworben. Zweimal bekam er für von ihm übersetzte Bücher den Deutschen Jugendbuchpreis, darunter für 'Die Welle' von Morton Rhue. Unter den seit 1966 bei Ravensburger erschienenen Noack-Titeln ist 'Rolltreppe abwärts' mit weit über 2,3 Millionen verkauften Exemplaren der erfolgreichste. 2005 wurde der Roman verfilmt. Hans-Georg Noack starb am 15. November 2005 in Würzburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 242
    Erscheinungsdatum: 24.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783473476084
    Verlag: Ravensburger Buchverlag
    Größe: 7611kBytes
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Die Webers, eine deutsche Familie 1932-1945

D ie Stempelstelle lag an einer Straßenecke. Der Wind wehte den wartenden Männern Schnee auf die dünnen Jacken und Mäntel. Sie trampelten frierend von einem Fuß auf den anderen. Immer wieder flackerte in der Schlange ein Schimpfen auf. Sollten die da drinnen ihre Stempel doch ein bisschen schneller auf die Karten drücken, damit man sich hier nicht noch den Tod holte! Keine Arbeit, nicht genug zu essen, nichts Rechtes mehr anzuziehen und dann auch noch dieser verwünschte Winter!

"Ich bin gespannt, wie lange das noch so weitergeht", brummte Wilhelm Weber. Er hatte sich gerade mit klammen Fingern eine Zigarette gedreht und ließ sich von einem Nachbarn Feuer geben. "Immer denkt man, es müsste besser werden, aber es sieht wirklich nicht so aus. Jetzt ist bald Weihnachten, und die Unterstützung reicht nicht mal so weit, dass man einen Baum für die Kinder kaufen kann."

Der Nachbar, ein Schlosser, der im selben Betrieb gearbeitet hatte wie Wilhelm Weber, nickte trübsinnig und versenkte die Hände in die Hosentaschen.

"Es kann nicht besser werden, solange wir keine richtige Regierung haben", sagte eine Stimme laut und angreiferisch. Wilhelm wandte sich um und sah Georg Asmus. Asmus wohnte im selben Haus wie Weber. Früher hatten sie manchmal ein Glas Bier miteinander getrunken. Aber das war längst vorbei. Nicht nur, weil beide arbeitslose Familienväter waren und die fünfzehn Pfennig für ein kleines Helles nicht mehr übrig hatten, sondern vor allem, weil Georg Asmus seit ein paar Monaten in der SA war und Wilhelm Weber seit Jahren im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.

"Willst du 'ne Rede halten?", fragte Wilhelm und grinste. "Mit der richtigen Regierung meinst du wohl euren geliebten Hitler?"

Ein paar Arbeitslose witterten Streit und hatten nichts dagegen. Krach ist gut gegen kalte Füße.

"Wenn wir an der Regierung wären, gäbe es jedenfalls keine sechs Millionen Arbeitslose! Das liegt nur an diesen Novemberverbrechern, die immer noch am Ruder sind", behauptete Asmus.

"Du musst nachdenken, bevor du den Mund aufsperrst! Ist das mit der Arbeitslosigkeit vielleicht nur in Deutschland so? Auf der ganzen Welt stehen solche Schlangen! Warum soll also ausgerechnet unsere Regierung die Schuld daran tragen?"

"So kannst du nur fragen, weil du die falsche Zeitung liest. Stimmt, der Arbeiter ist überall der Dumme. Weltwirtschaftskrise nennt man das. Und wer steckt dahinter? Das Weltjudentum! Komm mal in unsere Versammlungen, und lass dir das von Dr. Goebbels erklären. Die Juden sind schuld! Erst haben sie dafür gesorgt, dass wir den Krieg verloren haben, ohne den Dolchstoß hätte das gar nicht geschehen können, und dann haben sie uns auch noch den Versailler Vertrag aufgehalst. Jetzt wollen sie uns noch einmal fertigmachen, weil sie merken, es könnte mit Deutschland doch noch aufwärtsgehen."

Ein paar von den Männern, die dem Wortwechsel folgten, nickten zustimmend, andere grinsten wegwerfend.

Wilhelm Weber antwortete gereizt: "Wenn in euren Versammlungen solcher Unsinn verzapft wird, lohnt es sich nicht, eurem Goebbels zuzuhören. Kein Mensch hat der Armee 1918 den Dolch in den Rücken gestoßen. Ich war doch dabei. Wir konnten nicht mehr. Die anderen waren stärker. Unsere starrköpfige Politik hätte versuchen müssen, den Krieg zu beenden, solange wir noch etwas zu bieten hatten.

Und den Versailler Vertrag haben wir der Sturheit unserer Führung und der Kurzsichtigkeit unserer Gegner zu verdanken. Außerdem: Was ist denn von Versailles eigentlich noch geblieben? Die Regierung hat verhandelt, verhandelt und nochmals verhandelt. Wir zahlen keine Reparationen mehr, im Völkerbund sind wir gleichberechtigt, die Franzosen haben ihre Truppen von Rhein und Ruhr wieder abgezogen. Sag doch mal selbst: Ist es uns 1928 nicht schon wieder ganz gut gegangen? Dass jetzt diese Krise kommen musste ..."

"Ach was", unterbrach ihn Georg Asmus. "Wir brauch

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