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Dohlenwinter Die Geschichte der Blütigen von Björkelid, Anders (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.07.2014
  • Verlag: Verlag Carl Ueberreuter
eBook (ePUB)
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Dohlenwinter

Die Zwillinge Wulf und Sunia machen sich nach dem Tod ihres Vaters auf, das Rätsel ihrer Existenz zu ergründen. Wieso sehen die Mörder ihres Vaters genauso aus wie sie? Wer ist der Fremde, der mit ihrem Vater in einer ihnen völlig fremden Sprache sprach? Nur langsam und mit Hilfe der einflussreichen Burgherrin finden die beiden 13-jährigen heraus, dass die kommende Kälte mehr als nur ein harter Winter sein wird - die Herrschaft des Unwinters steht bevor, die mit scheinbar unbezwingbaren Mitteln ihr verlorenes Imperium wieder aufzubauen und alle ihre Gegner zu unterwerfen versucht. Werden die Zwillinge in die Fußstapfen ihres Vaters treten und den Winterkönig erneut stürzen können? Anders Björkelid wurde 1972 in Älvdalen, Schweden geboren. Er hat mehrere illustrierte Kinderbücher geschrieben, Rollenspiele entworfen und arbeitet als Gymnasiallehrer in Uppsala. Ondvinter ist sein erster Jugendroman. Die schwedischen SF- und Fantasyfans loben das Buch in den höchsten Tönen, und mancher bezeichnet es sogar als besten Fantasyroman Schwedens.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 25.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783764190576
    Verlag: Verlag Carl Ueberreuter
    Originaltitel: Ondvinter
    Größe: 1733 kBytes
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Dohlenwinter

1
Der Kobold

Wir waren auf der Jagd, als es geschah.

Vater erlaubt uns nicht oft, jagen zu gehen. Meist zieht er allein los, nimmt Fallen, Pfeil und Bogen mit – manchmal auch den Speer – und lässt uns zurück, damit wir uns um den Hof kümmern.

"Wulf, du versorgst die Kühe", sagt er dann für gewöhnlich. "Melk sie, treib sie auf die Weide und sieh zu, dass du sie alle wieder heimbringst. Und Sunia, du versorgst die Schweine und das Pferd. Ich bin in ein paar Tagen wieder da."

Vater jagt Wölfe und Füchse. Einmal hat er sogar einen ausgewachsenen Bären erlegt. Aber er macht es nicht gern. Manchmal bitten ihn die Bauern aus dem Dorf, eins der wilden Tiere zu töten, das an ihrem Vieh Geschmack gefunden hat. Der Bär war ein solches Tier. Zuerst hatte er ein Kalb gerissen, als die Rinder auf der Weide waren. Danach holte er sich mehrere Färsen, und als die Männer aus dem Dorf versuchten, ihn zu vertreiben, verletzte er Ubbas Martin so schwer, dass dieser an den Wunden starb.

Daraufhin kamen ein paar von ihnen zu uns auf den Hof und baten Vater, den Bären zu töten. Sie kneteten dabei die Mützen in den Händen, sprachen sehr höflich mit ihm und boten ihm zum Dank ihre Hilfe beim Bestellen der Felder an. Aber Vater wollte keine Hilfe. Die will er fast nie. Dennoch nahm er sich den Speer, ging in den Wald und vier Tage später war der Bär tot.

Den Kopf des Tieres brachte Vater dem Dorfältesten, der ihn auf einen Pfahl spießte und diesen vor seinem Hoftor aufstellte, damit alle sehen konnten, dass die Gefahr gebannt war. In den folgenden Tagen kamen viele Dorfbewohner zu uns auf den Hof und brachten Gaben für Vater. Säcke mit Mehl, Fässer mit Bier. Einer brachte sogar eine Kiste Pökelfisch von der Küste. Aber Vater lehnte alles dankend ab.

"Wir kommen mit dem aus, was wir haben", sagte er.

Unseretwegen hätte er ruhig das eine oder andere davon annehmen können. Denn im letzten Winter war die Ernte nicht gut ausgefallen, noch dazu hatten sich Ratten in unseren Vorratsspeicher geschlichen und sich dort gütlich getan.

Einer der Männer, die Vater um den Gefallen mit dem Bären gebeten hatten, sagte zu uns:

"Euer Vater ist der beste Jäger im Dorf, das weiß jeder."

Aber er ist nicht der beste Bauer, fügten wir in Gedanken hinzu.

Wenn wir Vater fragen, warum er nicht öfter jagt, schaut er immer nur finster.

"Ein Bauer hat keine Zeit zum Jagen", antwortet er dann.

Dabei jagen die anderen Bauern im Dorf weitaus häufiger als Vater und ihre Ernten fallen um einiges besser aus. Wir glauben, sie lachen hinter seinem Rücken über ihn. In seiner Nähe würden sie das niemals wagen. Wir wissen zwar nicht warum, aber die meisten scheinen großen Respekt, ja sogar Angst vor ihm zu haben. Obwohl er ein Bauer ist wie sie, verbeugen sie sich vor ihm oder knicksen, wenn sie ihn treffen. Außerdem sprechen sie ihn mit "mein Herr" an und sehen ihm ungern direkt in die Augen.

Wenn Vater uns wirklich einmal losschickt, dann lässt er uns meist nur Vögel oder kleine Tiere jagen. Also Auerhühner, Birkhühner, Eichhörnchen oder Hasen. Wulf legt dann Fallen aus und Sunia benutzt stets Pfeil und Bogen. Aber bis es so weit ist, müssen wir lange bitten und betteln und oft genug tun wir das vergebens.

"Wir sind keine Jäger", sagt er dann. "Wir sind Bauern. Ihr müsst lernen, wie man einen Hof bewirtschaftet. Ihr wisst doch, dass ihr den Hof eines Tages von mir erben werdet."

Bloß ist Vater alles andere als ein guter Lehrer, wenn es um Felder, Wiesen und Viehzucht ge

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