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Ein Projekt namens Daniel von Fröhlich, Anja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.04.2010
  • Verlag: Carlsen Verlag GmbH
eBook (ePUB)
8,99 €
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Ein Projekt namens Daniel

Karline, genannt Charly, hat nicht nur den größten Busen, sondern auch die größte Klappe der Klasse 7c. Nur in Sachen Liebe erkennt der Superfeger sich selbst nicht wieder. Seit Wochen ist sie unsterblich in Daniel, den Klassenschönling, verliebt. Doch immer, wenn Charly in Daniels Nähe ist, scheint jemand Sekundenkleber auf ihre Lippen aufgetragen zu haben. In ihrer Not sucht Charly Hilfe bei ihrer Freundin Jenny, und gemeinsam schmieden sie verrückte Pläne ... 1964 geboren, studierte Filmwissenschaft, Kunstgeschichte und Psychologie. Sie arbeitete als Journalistin und Werbetexterin, bevor 2001 ihr erster Roman erschien. Es folgten zahlreiche Kinder- und Jugendbücher sowie Vorlesegeschichten in Anthologien. 'Ein Projekt namens Daniel' ist ihr erstes Buch bei Carlsen. Zur Zeit lebt Sie mit ihrer Familie in Köln und Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 30.04.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646920215
    Verlag: Carlsen Verlag GmbH
    Größe: 420 kBytes
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Ein Projekt namens Daniel

I ch weiß, ich weiß, ich sollte mich nicht so anstellen. Das versucht mir jedenfalls mein Spiegelbild einzureden. Du siehst doch ganz gut aus, scheint diese Charly in dem goldenen Rahmen über der verstaubten Stofftiersammlung sagen zu wollen, wenn sie mich so von oben herab ansieht. Du hast lange Haare, lange Beine und lange Wimpern. Dazu eine Stupsnase, einen Stupsbusen und einen Stupspo. Alles in Ordnung also.

"Deine Haut ist genauso klar wie dein Verstand, und wenn du mit den richtigen Leuten zusammen bist, kannst du sogar witzig sein", will die Goldrand-Charly mir weismachen.

"Tja, bei den 'richtigen Leuten'", antworte ich trotzig. "Aber wenn ich zufällig mal nicht neben den richtigen Leuten stehe, bin ich stumm wie ein Stockfisch. Meine Lippen fühlen sich dann an, als hätte ich sie nicht mit Gloss, sondern mit Sekundenkleber eingeschmiert. Und mein Magen tut so, als befände er sich gerade rückwärts auf der Achterbahn."

Mit "nicht die richtigen Leute" meine ich übrigens nur einen einzigen Menschen und der heißt Daniel Hartmann. Daniel sitzt eine Reihe vor mir und ist 37 Tage älter als ich. Seit Wochen starre ich auf den Übergang zwischen Daniels wechselnden T-Shirt-Rändern und seinem immer gleich bleibenden zartbraunen Nacken.

Jedenfalls ist Daniel Hartmann der einzige Mensch auf der Welt, vor dem ich mich fühle, als hätte ich plötzlich Stummelbeine und Hängebusen. Ich verhalte mich extrem mickrig in seiner Gegenwart, dabei möchte ich vor niemandem sonst so sehr cool sein wie vor Daniel Hartmann. Ich wäre gerne eine glamouröse, wortgewandte Diva, die Jungen mit einem Wimpernschlag in sich verliebt macht.

Manchmal beneide ich meine Freundin Jenny. Sie leidet nicht unter diesem Daniel-Syndrom. Ganz im Gegenteil. Für Jenny sind die Jungs in unserer Klasse ohnehin nur Übungsmaterial. Und wer hat schon Angst vor Fingerübungen, wenn es darum geht, sich für ein großes Konzert aufzuwärmen. Das große Konzert mit einem "Himmel voller Geigen" findet nach Jennys Meinung bei den Jungs aus der elften oder zwölften Klasse statt. Entsprechend albern findet sie, dass ich so ein Getue um einen Neuntklässler mache. Einen Milchbubi, der sich beim Abfragen der Französischvokabeln regelmäßig die Zunge verrenkt und sich beim Völkerball abwerfen lässt wie ein nasser Sack (O-Ton Jenny).

Das mit den Französischvokabeln kann ich nicht beurteilen. Meine Eltern haben mich zu Latein gezwungen. Und die Sache mit dem Abwerfen kann mich nicht schocken. Im Gegenteil, ich finde es sogar irgendwie süß. Ich brauche keine Sportskanone, um mich zu verlieben. Ich bin der Typ von Mädchen, der kleine Zahnlücken mag oder eine winzige Narbe über der Augenbraue. Irgendwas, das meine Fantasie ankurbelt. Daniel Hartmann hat übrigens beides.

Ach, was ich ganz vergessen habe zu erwähnen: Jenny ist die Einzige in der Klasse, die Daniel nicht verfallen ist. Das behauptet sie jedenfalls steif und fest. Obwohl ich schon mal beobachtet habe, dass sie in Daniels Gegenwart plötzlich in ihren berühmten Laufsteggang verfällt und den Busen so komisch vorschiebt.

Auch das Innere ihrer Lippen schiebt sie auf unerklärliche Weise nach außen. Wahrscheinlich, um ein bisschen mehr Volumen zu produzieren. Und wenn sie mit diesem merkwürdigen Fischmund anfängt zu sprechen, verstellt sie auch noch ihre Stimme. Es hört sich an, als würde sie ihren normalen Singsang mit einem Bass unterlegen. Und zwar einem elektronischen, dessen Schwingungen einem durch Mark und Bein gehen. Aber das tut sie eigentlich bei vielen Typen und ich halte es für eine Art Fingerübung.

Alle anderen Mädchen in meiner Klasse starren Daniel also genauso wie ich Tag für Tag auf den Nacken - soweit sie auch in den Reihen hinter ihm sitzen. Und sie alle hoffen wahrscheinlich darauf, eine

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